Sie nimmt Fahrt auf – und hofft auf ein Olympia-Ticket
Ambitionierte Laupnerin
Die 400-m-Hürdenspezialistin Lena Wernli trug massgeblich zur Olympia-Qualifikation der 4x400-m-Frauenstaffel bei. Fix mit Paris planen kann sie indes nicht.
Dieser Auftakt hat den Hunger geweckt. Bevor die mit Highlights gespickte Sommersaison 2024 richtig begonnen hatte, stand bereits ein richtungsweisendes Spektakel an: die Staffel-Weltmeisterschaften. Auf dem Karibik-Inselstaat Bahamas fanden diese Titelkämpfe Anfang Mai statt, und um nichts weniger ging es als um die Olympia-Qualifikation.
Die Schweizer Equipen lösten ihre Aufgaben bravourös: drei der vier Staffeln schafften das Angestrebte. Und mittendrin zwei Oberländerinnen: Lena Wernli (Laupen) und Catia Gubelmann (Uster), beide Mitglieder der 4x400-m-Staffel wie auch Kandidatinnen für die 4x400-m-Mixed-Staffel.
Vor allem für Wernli eröffnen sich dadurch für diesen Sommer «unerwartete und unglaubliche Perspektiven». Sie, die Spezialistin über 400 m Hürden und erst 23 Jahre alt, nahm zwar bereits an internationalen Titelkämpfen beim Nachwuchs teil. Bei der Elite aber wird sie im Gegensatz zur ein Jahr jüngeren Gubelmann aber erstmals dabei sein.
«Grossartig», sagt Wernli. Und erklärt: «Wir arbeiteten effizient, mir sind grosse Fortschritte geglückt, und jetzt kann ich erste Früchte ernten.»
Eine Inspiration, aber keine Sicherheit
Nicht in ihrer Paradedisziplin über 400 m Hürden war dies der Fall, sondern als Mitglied der 4x400-m-Staffel. «Ich bin auch flach schnell auf Touren gekommen in diesem Frühling», sagt sie. Entsprechend schaffte sie es souverän ins WM-Team – und stand an beiden Renntagen im Einsatz, also auch beim Erfolg bringenden zweiten Rennen. Lachend sagt sie: «Das war krass: der wunderschöne Ort, das Stadion, die Ambiance – und der Erfolg.»
Das exzellente Abschneiden auf den Bahamas dient Lena Wernli als Inspiration. Indes ist sie sich bewusst: Den Startplatz vor allem an den Olympischen Spielen hat sie sich noch nicht gesichert.
Wer in den beiden für sie relevanten Staffeln zum Einsatz kommen wird, entscheidet zuerst Swiss Olympic bei der Selektion Anfang Juli und vor Ort die Coaches von Swiss Athletics. Die Taktik und die bestmöglichen Aussichten auf Topresultate werden im Vordergrund stehen. Welche und wie viele Ersatzläuferinnen mitgenommen werden, ist ebenfalls offen. Wernli stellt sich auch auf die Ungewissheit ein.
Klar ist der Fall hingegen für die Europameisterschaften vom 7. bis 12. Juni in Rom. Wernli gehört dem Staffel-Kader an.
Flexibilität ist gefragt
Was generell zu wissen ist: Die Kombination der beiden Disziplinen ist komplex. Die 400 m Hürden mit den zehn 76,2 cm hohen Hindernissen zählt wegen dem Zusammenhang von Abständen, Schrittfrequenz und Hürdenhöhe zu den anspruchsvollsten Disziplinen der Leichtathletik.
Lena Wernli legt den Fokus weiterhin sowohl auf die Hürden wie auch die Staffel. Zur Einzeldisziplin sagt sie mit einem Lachen: «Bis jetzt stimmte der Rhythmus überhaupt nicht.» Sie will schnell «Fahrt aufnehmen und auf Touren kommen».
Flexibilität wird also in den nächsten Wochen verlangt sein von der Oberländerin. Ebenso aber bekommt sie die Möglichkeit, Neues zu erfahren, Energie zu tanken, auf einer «Welle zu reiten». Und das bereits Erreichte lässt sie optimistisch vorwärtsschauen. Sie sagt: «Ich sehe weiteres Potenzial.» Dieses will sie schnellstmöglich ausschöpfen. Das ideale Umfeld im LC Zürich unter Coach Flavio Zberg unterstützt sie dabei.
Ein radikaler Schritt
Dass Wernli ihren Weg immer wieder auch hinterfragt, zeigt sich explizit an ihrer Ernährung. Überzeugte Veganerin war Lena Wernli jahrelang. Davon ist sie abgekommen – nicht wegen eines Gesinnungswandels, sondern «ganz einfach, weil ein veganes Leben viel Energie und Zeit benötigt zum Planen, und ich diese nicht immer aufbringen kann».
Zwischen Jusstudium an der Uni Zürich und dem Training im Letzigrund kauft sie auch ab und an bei einem Take-away ein. «Als Veganerin wirds mit diesen Rahmenbedingungen schwierig», sagt sie, «dann geht die Rechnung schnell nicht mehr auf.» Als Vegetarierin spielt die Planung eine weniger bedeutende Rolle. Schmunzelnd meint sie: «Auch so kann ich bewusst essen und auf Vielseitigkeit achten.»
