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Er steht vor dem 200. Spiel für den FC Winterthur

199 Spiele hat Granit Lekaj für den FC Winterthur absolviert. Ein Portrait in Zahlen.

Granit Lekaj feiert die Qualifikation für die Meisterrunde in Lausanne.

Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

Er steht vor dem 200. Spiel für den FC Winterthur

Pfäffiker FCW-Captain

Granit Lekaj bestreitet gegen St. Gallen sein 200. Spiel für den FC Winterthur. Der Pfäffiker Captain ist die Nummer 5 in der Vereinshistorie. Ein Porträt in Zahlen.

Gregory von Ballmoos

Nur vier Spieler haben mehr Partien für den FC Winterthur absolviert als Granit Lekaj. Der Captain wird am Pfingstmontag gegen den FC St. Gallen sein 200. Pflichtspiel für den FC Winterthur bestreiten. Nur der Volketswiler Luca Radice (349), Rolf Bollmann (240), Manfred Odermatt und Patrick Bengondo (je 220) liegen noch vor dem 34-Jährigen. Zeit, um Granit Lekaj in Zahlen zu betrachten.

199 Spiele

21.05.2022; Kriens; FUSSBALL CHALLENGE LEAGUE - SC Kriens - FC Winterthur; Granit Lekaj (Winterthur) jubelt mit dem Pokal ueber den Aufstieg (Martin Meienberger/freshfocus)
Das schönste Spiel der Karriere: Granit Lekaj nach der Saison 2021/22 mit dem Pokal für den Challenge-League-Meister.

So viele Spiele hat Lekaj für den FC Winterthur bisher gemacht. 47 in der Super League, 18 im Cup und 132 in der Challenge League. Das erste war am 25. Oktober 2010 zu Hause gegen den FC Lugano. Der FCW gewann 2:1. Trainer war damals Boro Kuzmanovic.

Das schönste Spiel war für Lekaj aber ein anderes. Der 34-Jährige muss nicht lange überlegen. «Klar, jenes in Kriens, als wir aufgestiegen sind», sagt Lekaj. Dank des 5:0-Sieges im bislang letzten Challenge-League-Spiel des FCW schafften die Winterthurer nach 37 Jahren den Sprung in die Super League.

Jubel bei Luzerns Max Meyer und Luzerns Jakub Kadak, von links, neben Winterthurs Granit Lekaj, rechts, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Winterthur und dem FC Luzern im Stadion Schuetzenwiese, am Samstag, 10. September 2022, in Winterthur. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Der Captain ist bedient, Luzern jubelt schon wieder: Die Innerschweizer gewannen 6:0 auf der Schützenwiese.

Am anderen Ende der Skala steht die Partie gegen Luzern in der ersten Super-League-Saison von Lekaj. «Da lief es allgemein nicht wirklich, und dann sind wir richtig ‹druntergekommen›», sagt Lekaj. Zur Pause stand es 0:4, am Schluss 0:6.

32 Jahre

So alt musste Granit Lekaj werden, um zum ersten Mal in der Super League zu spielen. 46 Spieler sind seit der Ligaerneuerung im Sommer 2003 beim Debüt älter gewesen als Lekaj. Meist handelt es sich dabei um altgediente ausländische Spieler wie Ailton oder Gennaro Gattuso, die schnell wieder weg oder verletzt waren. Nur vier der 46 Spieler, die beim Debüt älter waren als Lekaj, haben in ihrer Premierensaison mehr Spiele absolviert als der Winterthurer.

Und anders als die meisten von ihnen konnte sich Lekaj im fortgeschrittenen Fussballeralter nochmals entwickeln. Wenn man ihm heute zuschaut, darf man sich schon fragen: Warum hat es nicht früher geklappt? «Es lag nicht nur an mir, ich war bereit für die Super League», meint Lekaj. Da wäre er eventuell sogar noch besser gewesen, weil er noch jünger und frischer gewesen sei, so der Innenverteidiger. In jungen Jahren hatte er sich erhofft, dass sein damaliger Berater ihn bei einem Super-League-Club unterbringt. Das klappte nicht. Lekaj hat mittlerweile keinen Berater mehr.

23 oder 4?

16.07.2022; Winterthur;  FUSSBALL SUPER LEAGUE - FC Winterthur - FC Basel; Sayfallah Ltaief (Basel) Granit Lekaj (Winterthur) (Andy Mueller/freshfocus)
Mit der «falschen» Nummer gegen den «falschen» Gegner: Granit Lekaj im Duell mit Sayfallah Lateif.

Granit Lekaj trug immer die Nummer 23. Es war seine Nummer, ausgewählt nach seinem Geburtstag, dem 23. Februar. Doch nach dem Aufstieg wechselte er die Zahl. Fortan spielte der Innenverteidiger mit der 4. «Die Teamkollegen haben gesagt, diese Nummer passe besser zu mir», sagt er zum Wechsel, und er habe sich gedacht, dass es womöglich Zeit dafür wäre. Frei nach dem Motto: neue Liga, neue Nummer. Doch lange hielt die Liebe zur 4 nicht. Bereits nach einer halben Saison wechselte Lekaj zurück zur 23. «Es lief damals nicht sehr gut», sagt er. Natürlich habe dies nichts zu tun gehabt mit der Rückennummer. «Aber ich kann mich mit der 23 einfach besser identifizieren.»

5

In diesen 199 Spielen hat Granit Lekaj fünf Tore erzielt. Auf das erste in der Super League wartet er immer noch, zuletzt hatte er zwei, drei Möglichkeiten nach Standards. Die Auswahl ist nicht so gross, doch Lekaj weiss, welches das schönste der fünf war. «Im ersten Jahr habe ich auf der 6er-Position gespielt, da habe ich mal ein Weitschusstor erzielt», sagt Lekaj.

5

«Diesen Rang wollen wir anstreben», sagt Lekaj. Der 5. Rang würde zur Teilnahme an der Qualifikation für die Conference League berechtigen. Es ist das letzte Saisonziel des FC Winterthur, und es scheint langsam ausser Reichweite zu geraten. Und dann? «Auch wenn es am Schluss nicht reicht, haben wir eine Topsaison gespielt», sagt der Captain. Aber wenn man schon dort sei, wolle man natürlich mehr.

4

So viele Trainer hatte Granit Lekaj beim FC Winterthur bisher. Zuerst Ralf Loose, dann Alex Frei, Bruno Berner und zuletzt Patrick Rahmen. Zu Frei habe er keine «mega, mega Beziehung aufbauen können», sagte Lekaj einst. Das ist beim aktuellen Trainer etwas anders. «Wir haben Patrick Rahmen sehr viel zu verdanken», sagt Lekaj – aber nicht nur dem Trainer, sondern auch Ognjen Zaric und Dario Zuffi. «Aber Rahmen ist der Chef, und er hat jedem von uns auf eine familiäre und faire Weise das Vertrauen gegeben.»
Nächste Saison folgt Trainer Nummer 5: Rahmen wechselt bekanntlich nach Bern, Ognjen Zaric übernimmt. Rahmen war dann gemäss Daten von Transfermarkt.ch genau einen Tag weniger lang im Amt als Bruno Berner. Winterthurer Rekordhalter ist übrigens René Hüssy, am meisten FCW-Spiele gecoacht hat Mathias Walther.

Und Zaric könnte der letzte Trainer werden. Lekajs Vertrag läuft noch eine Saison, obs weitergeht, ist ungewiss. «Ich kann es noch nicht sagen», meint er dazu. Lange werde er aber sicher nicht mehr machen.

2

Granit Lekaj hat in dieser Saison lediglich zwei Gelbe Karten gesehen – beide gegen den FC Basel und beide im selben Spiel. Es war jene Partie, in der auch Randy Schneider mit Gelb-Rot vom Platz flog.

1,76

So viele Punkte holt der FC Winterthur mit Granit Lekaj im Schnitt. Ohne ihn ist es weniger als einen Punkt. Um sich das zu erklären, erinnert Lekaj zuerst an den Saisonverlauf. «Das erste Spiel haben wir sehr gut begonnen, dann hatten wir YB und Basel. Gegen YB kannst du verlieren», sagt Lekaj.

Es sei wohl auch etwas Zufall und Glück, dass er nach diesen beiden schwierigen Spielen ins Team gestossen sei. Danach kam das Derby gegen GC. Der FCW mit Lekaj in der Startelf gewann 3:1. «Damals wussten wir noch nicht, dass GC gegen den Abstieg spielen wird», sagt Lekaj zum Befreiungsschlag. Der Innenverteidiger machte nach seinem Comeback fünf Spiele, bevor er sich vor der schwierigen Phase mit Spielen gegen YB, zweimal Lugano oder Servette im Herbst wieder verletzte. «Ich habe einige Male gelesen, dass wir mit mir gegen die vermeintlich schwächeren Teams mehr Punkte holten und ich gegen die Stärkeren fehlte», sagt Lekaj.

Das stimmt. Lekaj verpasste in dieser Saison wegen Verletzungen und einer Sperre 14 Partien, in Genf vor zwei Wochen wurde er zudem geschont, macht 15. Zehn davon waren gegen die Teilnehmer der Meisterrunde Bern, Lugano, Servette, St. Gallen und Zürich. Das heisst, wenn Lekaj gegen St. Gallen und am letzten Spieltag in Bern auf dem Platz steht, hat er gegen die Teams aus der Meisterrunde nur die Hälfte aller Spiele gemacht. Gegen die Teams aus der Abstiegsrunde war Lekaj hingegen öfter dabei. Er verpasste nur fünf der 18 Partien.
Doch allein auf den Spielplan zu verweisen, wäre zu kurz gegriffen. Lekaj hat Qualitäten, die diese Mannschaft brauchen kann. Er ist verlässlich und sich nicht zu schade, manchmal die ehrliche, aber dreckige «Büez» zu erledigen. Zudem hat Lekaj mit seinen 34 Jahren die Ruhe weg. «Das ist möglicherweise ein Punkt», sagt er. Vielleicht habe es eine solche Person gebraucht, meint Lekaj. Manchmal sei er sogar etwas zu ruhig.

1

Bei der Zahl 1 kommt Granit Lekaj ins Schwärmen. Im Interview mit dem Vereins-TV deutete der Innenverteidiger an, dass er es in den Ferien gern abenteuerlich hat. Es ging um Fallschirmspringen. Lekaj sprang in Hawaii einst aus dem Flugzeug. «Ich würde es sofort wieder machen», sagt er heute. Ein «Riesenerlebnis» sei es gewesen. «Du bist in diesen Flieger, und es geht immer höher, und irgendwann ‹gaht die huere Tür uf› und dann gibt es kein Zurück», erzählt er. Es sei unglaublich gewesen, während des Sprungs könne man alles vergessen.

Es sei jedoch bisher eine einmalige Sache gewesen. In der Freizeit steht ansonsten die Familie im Vordergrund. Lekaj wurde im Herbst 2022 zum ersten Mal Vater. «Ich verbringe megagern Zeit mit dem Kleinen», erzählt er. Dieser sei gerade in «einem Alter, das megaherzig ist und in dem sie megaviel lernen.»

Ein Zahlenmensch ist Granit Lekaj übrigens nicht. Mathematik möge er nicht speziell, sagt der Innenverteidiger.

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