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Mit Köpfchen statt Helm und Panzer

Stephan Meile aus Wolfhausen hat sich ganz dem Flag Football verschrieben – und deshalb auch einen Verein gegründet.

Hat die Lake-Zurich Red Scorpions gegründet: Stephan Meile aus Wolfhausen.

Foto: Christian Merz

Mit Köpfchen statt Helm und Panzer

Flag-Football-Pionier aus Wolfhausen

Durch seinen Sohn ist er vor einigen Jahren in eine neue Sportwelt eingetaucht. Und diese lässt Stephan Meile aus Wolfhausen seither nicht mehr los.

Dieser Artikel erschien erstmals am 11. Mai 2024.

Flag Football? Die wenigsten dürften bisher etwas von dieser Sportart gehört haben. Auch Stephan Meile ist nur über seinen Sohn Cameron darauf gestossen. Dies, nachdem er ihm den Ratschlag gegeben hatte, sich einen neuen Sport auszusuchen. Der Hintergrund: Cameron hatte keine Lust mehr im Dorf Fussball zu spielen.

Meile hat aber nicht nur einen ersten Anstoss gegeben. Er engagierte sich selbst von der ersten Sekunde an und gründete einen Verein – die RedScorpions-Lake-Zurich. «Für mich war klar: Das ist etwas Einzigartiges. Da mache ich mit», nennt er seinen Antrieb. Bald wird deshalb ein erstes geschlechtergemischtes U13-Team zusammengestellt.

Und so viel ist klar: Meile hat damit irgendwie den Nerv der Zeit getroffen. Höchste Zeit also, mehr über Flag Football zu erfahren. An den Olympischen Spielen von 2028 in Los Angeles wird die Sportart nämlich erstmals im Programm stehen.

Dass diese ausgerechnet in den USA stattfinden, ist wohl mehr als eine glückliche Fügung. Denn Flag Football ist so etwas wie der kleine Bruder vom American Football. Mit dem Unterschied: Er findet ohne Panzer und Helm statt – Körperkontakt ist also weitgehend nicht erlaubt (siehe Box).

Olympia als Perspektive

Claudio Spescha, Präsident bei Swiss American Football, verwendet im Zusammenhang mit Flag Football sogar den Begriff «Boom». «Seit 2017 erleben wir – von fast null gestartet – eine massive Zunahme», sagt er. Rund 2500 Lizenzierte zählt der Verband. Fast ein Drittel davon ist mittlerweile dem Bereich Flag Football zuzuordnen.

Flag-Football-Turnier beim Lido in Rapperswil.
Da Flag Football ohne Zweikämpfe auskommt, ist die Verletzungsgefahr gering.

Der Trend hat für ihn mehrere Gründe. Ein Ball und ein Flag, oder zu Deutsch ein Bändel, mehr sei nicht nötig, so Spescha. «Damit ist der Sport ähnlich einfach zugänglich wie beispielsweise Fussball.» Und durch die geringe Verletzungsgefahr ist Flag Football auch bei Mädchen und Frauen beliebt.

Hinzu kommt: Mit der Förderung der Wahrnehmung (Hand, Augen, Koordination) sind Fortschritte selbst bei Anfängern schnell möglich. Spescha glaubt ohnehin: Durch den positiven Olympia-Bescheid wird die Community weiterwachsen.

Diese neue Ausgangslage will auch der Verband nutzen und dank Fördergeldern die Strukturen verbessern. Ein erster Schritt ist die Bildung zweier Nachwuchsnationalteams. Eine Olympia-Teilnahme bereits für 2028 hält Spescha aber für wenig realistisch. Die Schweizer Männer sind im Weltranking derzeit auf Platz 14, die Frauen auf Rang 17 klassiert. Teilnehmen dürften in den USA aber sechs bis acht Teams, glaubt Spescha. Und das Olympia-Wettrüsten unter den Nationen habe bereits begonnen.

Viel mehr geht es darum, dass sich die reinen Flag-Team-Klubs nachhaltig einsetzen. Zwar würden schnell 20 Kollegen «für eine coole Sache» zusammenkommen. Den Aufwand, eine Nachwuchsabteilung aufzubauen, scheuen aber noch zu viele. Die Basisarbeit bleibt so oft an den klassischen American-Football-Klubs aus den Ballungszentren hängen, wie den Zurich Renegades oder den Winterthur Warriors.

Nachhaltige Förderung

Eine Ausnahme bilden da die RedScorpions-Lake-Zurich von Stephan Meile. Sie zählen schon über 40 Mitglieder. Und das Einzugsgebiet der Spielerinnen und Spieler erstreckt sich weit her, von Horgen nach Näfels bis auf Wetzikon.

Seit dem Start vor sieben Jahren ist also einiges passiert. Dafür reicht ein Augenschein bei der jüngsten Runde auf dem Rapperswiler Lido. 24 Teams aus der ganzen Schweiz haben sich eingefunden. Gespielt wird in den Kategorien U13, U16 und Ultimate.

Flag-Football-Turnier beim Lido in Rapperswil.
Stephan und Cameron Meile spielten beim Turnier in Rapperswil erstmals im selben Team.

Für den organisierenden Verein ist der Matchtag besonders, weil er erstmals mit einem Erwachsenenteam teilnimmt. Meile selbst ist nicht nur neben den vier Feldern gefordert, sondern auch auf dem Platz. Als Schiedsrichter und Spieler. Mit 62 hat er sein Debüt an der Seite von Sohn Cameron gegeben. Nur schon deshalb hat sich der einstige Ratschlag ausbezahlt.

Flag entreissen statt «tackeln»

Flag Football ist ein kontaktloser Sport, dessen Regeln auf jenen des American Footballs basieren. Ziel des Spiels ist es, Treffer zu erzielen, indem man einen bestimmten Bereich des Felds erreicht. Um den Angriff zu stoppen, kann das verteidigende Team entweder den Ball abfangen oder dem Ballträger das Flag entreissen. Zudem sind folgende Regeln zu beachten:
– Körperkontakt vermeiden, nicht in Spieler hineinlaufen, Ballträger nicht zu Boden bringen.
– Dem Quarterback nicht den Ball aus den Händen schlagen.
– Nicht springen (ausser zum Fangen des Footballs).
– Flag darf nicht abgedeckt werden.

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