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Jetzt schreibt der Sauber-Posterboy für McLaren Schlagzeilen

Einst Nachwuchshoffnung des Hinwiler Formel-1-Teams – doch nun dürfte Théo Pourchaire andernorts Karriere machen.

Orange statt Sauber-Farben: Théo Pourchaire im Rennoverall des Indycar-Teams von McLaren..

Foto: PD

Jetzt schreibt der Sauber-Posterboy für McLaren Schlagzeilen

Sauber-Nachwuchspilot

Théo Pourchaire war das Aushängeschild der Sauber Academy. Nun erhielt er in Nordamerika eine Chance – in der Formel 1 dürften für ihn die Türen aber zu bleiben.

Es sind grosse Worte, die auf der Website der amerikanischen Indycar-Serie über ihn zu lesen sind: «Mit seinem furchtlosen Fahrstil und seinen konstanten Leistungen ist er bereit, die Zukunft des Motorsports massgeblich zu beeinflussen.» Die Rede ist von einem, der sein Können eigentlich bereits bewiesen hat, aber zuletzt zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohte: Théo Pourchaire.

Der 20-jährige Franzose war das erste und bisher grösste Aushängeschild der Sauber Academy. Seit der Hinwiler Rennstall 2019 sein Nachwuchsprogramm ins Leben rief, war Pourchaire ein Bestandteil davon.

In der Formel 3 musste er sich 2020 im Duell um den Titel um nur 3 Punkte Oscar Piastri geschlagen geben, der nun für McLaren in der Formel 1 fährt. In der Formel 2 gewann er schon 2021 Rennen, 2022 wurde er Gesamtzweiter, und im letzten Jahr sicherte er sich den Gesamtsieg.

Nicht erst nach diesem Triumph war Sauber-Sportdirektor Beat Zehnder des Lobes voll über den Franzosen. «Er wäre reif für die Formel 1», sagte Zehnder bereits Anfang 2023. Erfolglos hatte er damals probiert, seinen Schützling bei einem anderen Formel-1-Team unterzubringen.

Pourchaire machte in der Folge das Beste daraus und gewann die Formel 2 – was aber auch bedeutete, dass er künftig nicht mehr auf zweithöchster Stufe antreten darf. So will es das Reglement der Nachwuchsserie.

Er sitzt noch im Simulator

Und so widerfuhr Pourchaire dasselbe Schicksal wie dem Vorjahressieger Felipe Drugovich – es gab für die aktuelle Saison 2024 schlicht kein freies Cockpit für ihn. Auch bei Sauber nicht, wo die Verantwortlichen nicht auf ihr Eigengewächs setzten, sondern beim Fahrerduo Valtteri Bottas und Zhou Guanyu blieben.

Pourchaire versteckte seine Enttäuschung nicht. In Hinwil ist er zwar weiterhin Ersatzfahrer und leistet im Simulator wichtige Arbeit, von der die Piloten an der Rennstrecke profitieren.

Aber als Rennfahrer droht er ausser Rang und Traktanden zu fallen, was die Formel 1 anbelangt. Denn die japanische Super Formula, in der er heuer notabene als einziger Nicht-Japaner fährt, ist zumindest aus europäischer Optik nicht eben das allergrösste Schaufenster.

Es sind mir einige verrückte Manöver gelungen.

Théo Pourchaire

Doch nun sorgt der Franzose wieder für positive Schlagzeilen. Nicht für Sauber, sondern für McLaren. Und nicht in der Formel 1, sondern in der nordamerikanischen Indycar-Serie. Da durfte Pourchaire bereits zwei Rennen bestreiten als Ersatz für den am Handgelenk verletzten Amerikaner David Malukas.

Am Sonntag vor einer Woche debütierte Pourchaire im GP von Long Beach – und fuhr ein sagenhaftes Rennen. Von Startposition 22 stiess er bis auf den 11. Rang vor und machte mehr Plätze gut als jeder andere Pilot. Dafür gab es sogar einen Pokal. «Es sind mir einige verrückte Manöver gelungen», sagte er danach. «Am Freitag kannte ich das Auto noch nicht, am Sonntag wurde ich Elfter.»

Pourchaire verdiente sich damit nicht nur anerkennende Worte aus der Szene, sondern McLaren setzte auch noch einmal auf ihn im nächsten Rennen letzten Sonntag in Birmingham, Alabama. Der 22. Rang da war zwar nicht berauschend – aber Pourchaire war damit noch der beste des McLaren-Trios.

Vielleicht ist er bald fix ein Teil dieses Trios – das Team trennte sich vom verletzten Malukas, wer dessen Cockpit übernimmt, wurde aber noch nicht bekannt gegeben. Pourchaire dürfte ein heisser Kandidat sein, und womöglich ist die Indycar-Serie derzeit die beste Chance für ihn, um endlich auch ausserhalb von Nachwuchsserien Fuss zu fassen.

Erfahrung ist gefragt

Denn in der Formel 1 scheinen die Türen zu – obwohl viele Verträge auslaufen. In Hinwil, wo er von Ex-Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur an Bord geholt wurde, ist unterdessen Audi tonangebend und hat letzte Woche mit der Verpflichtung von Nico Hülkenberg ein erstes Zeichen gesetzt.

Und auch das zweite Cockpit dürfte nicht an einen Formel-1-Neuling gehen. Denn in Zeiten, wo vieles im Wandel ist – Sauber wird zum Audi-Werksteam, und auf die Saison 2026 gibt es grössere Reglementsänderungen –, setzt man im Cockpit gerne auf erprobte Kräfte.

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