Sauber holt Hülkenberg – und wartet auf den Teamleader
Audi schlägt ersten Pflock ein
Nico Hülkenberg fährt ab der Saison 2025 für das Sauber-Team. Der Deutsche, der schon 2013 für die Hinwiler fuhr, erhält von Audi einen Mehrjahresvertrag.
Derzeit ist er Sauber noch ein Dorn im Auge. Denn vor allem dank Nico Hülkenbergs Leistungen ist das Haas-Team, das die Hinwiler letzte Saison als einzigen Konkurrenten in der WM hinter sich gelassen hatten, nun vor dem noch punktelosen Schweizer Rennstall klassiert. Vier von fünf Haas-Punkten gehen auf das Konto des Deutschen.
Ab nächster Saison wird Hülkenberg für Sauber auf Punktejagd gehen. Die Gerüchte hatten sich in den letzten Tagen verdichtet, am Freitagvormittag wurde es offiziell: Hülkenberg hat in Hinwil einen Mehrjahresvertrag unterzeichnet. Zur konkreten Vertragsdauer wurde nichts bekannt – in der Gerüchteküche war zuletzt die Rede von einem Dreijahresvertrag. Es ist gewissermassen der erste Pflock, den Audi im Hinblick auf 2026 einschlägt. Dann wird der Wandel von Sauber zum Werksteam des deutschen Herstellers vollzogen sein.
Mittlerweile hat Hülkenberg 208 GP-Starts hinter sich. Seit er 2010 in der Formel 1 für Williams debütiert hatte, war er für insgesamt sechs verschiedene Teams tätig. Dazu gehörte auch Sauber schon einmal: Bereits 2013 war er in Hinwil engagiert. Ein vierter Rang im GP von Korea war damals sein Bestresultat, am Ende belegte er in der Fahrerwertung den 10. Rang, und Sauber wurde 7. in der Team-WM.

Künftig soll es um viel mehr gehen. Audi peilt Siege und Titel an und hat mit Hülkenberg nun einen verpflichtet, der zwar viel Erfahrung aufweist, aber noch nie bei einem Topteam unter Vertrag stand. Der Deutsche hält den Rekord für die meisten Rennstarts ohne Podestplatz und wird in dieser Saison auch noch zu jenem Fahrer, der die meisten Rennen ohne Sieg absolviert hat. Sein Erfolgshunger dürfte also noch immer gross sein.
Eine Pole-Position – und dann nicht mehr so viel
Doch gleichzeitig haftet ihm auch das Etikett des ewigen Talents an. Er kam 2010 als GP2-Gesamtsieger in die Formel 1 und sorgte in seiner Debütsaison mit Williams mit der Pole-Position in Brasilien für Aufsehen – auf der abtrocknenden Strecke fuhr er damals über eine Sekunde Vorsprung auf den späteren Weltmeister Sebastian Vettel heraus. Man kann das als seinen grössten Erfolg bezeichnen. Hülkenberg fuhr zwar schon über 100 Mal in die WM-Punkte und erarbeitete sich den Ruf eines verlässlichen Piloten. Aber er stieg nie in die Liga der absoluten Topshots auf. 37 Jahre alt wird er im Herbst. Sauber, respektive Audi, stellt für ihn die letzte Chance dar.
Ein deutscher Pilot für einen deutschen Hersteller, das kommt nicht überraschend. Zumal Hülkenberg und Sauber-CEO Andreas Seidl schon gemeinsam Erfolge feierten: Als Porsche 2015 die 24 Stunden von Le Mans gewann, war Hülkenberg Fahrer und Seidl Teamchef. Hülkenberg sei eine «starke Persönlichkeit» und werde «eine wichtige Rolle in der Transformation unseres Teams und des Formel-1-Projekts von Audi spielen», sagt Seidl in der Medienmitteilung.
Warten auf Sainz
Doch die Rolle des absoluten Teamleaders dürfte nicht für Hülkenberg reserviert sein – sondern für Carlos Sainz. Der 29-jährige Spanier, der sein Ferrari-Cockpit nach dieser Saison an Lewis Hamilton verliert, ist schon länger auf dem Radar von Audi. Sein Vater, Rallye-Legende Carlos Sainz senior, bescherte den Deutschen heuer den ersten Sieg überhaupt bei der Rallye Dakar. Und Sauber-CEO Seidl war Teamchef, als Carlos Sainz junior zwei Saisons lang für McLaren fuhr.

Sainz ist derzeit in der Formel 1 der begehrteste freie Pilot – und er dürfte es nicht eilig haben damit, einen Vertrag für die nächste Saison zu unterschreiben. Und während Sauber auf den Spanier wartet, müssen sich die beiden aktuellen Piloten Valtteri Bottas und Zhou Guanyu mit der Perspektive befassen, dass wohl gleich für beide die Zeit in Hinwil zu Ende ist.
