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Darum findet er: «Man darf auch mal grösser denken»

Alessio Miggiano war im Europacup der viertbeste Schweizer Abfahrer. Zufrieden ist der Bubiker damit aber nur bedingt.

Gut, aber nicht so gut wie erhofft: Alessio Miggiano, hier an der SM in Davos.

Foto: rk-photography/Rosmarie Knutti

Darum findet er: «Man darf auch mal grösser denken»

Bubiker Skirennfahrer zieht Fazit

Alessio Miggianos Saison begann mit einer Verletzung und endete beinahe mit einem Weltcup-Aufgebot: So erlebte der 22-Jährige seinen Europacup-Winter.

Zum Abschluss gab es noch ein Spitzenresultat. Sechster wurde Alessio Miggiano im Super-G der Schweizer Meisterschaften, der am Donnerstag in Zinal nachgeholt wurde. Insgeheim hatte sich der Bubiker B-Kader-Athlet wohl mehr erhofft, zumal die prominentesten Namen fehlten.

Ein Rennen, das nicht schlecht war, aber besser hätte sein können. Es passt zur Saison des 22-Jährigen. Sein Fazit: «Es war ein guter Schritt in die richtige Richtung – aber er hätte grösser sein können.»

Die Bilanz liest sich ganz ordentlich für einen, der erst vor einem Jahr Aufnahme in ein Swiss-Ski-Kader fand – und für den die Saison mit einer Verletzung begann: Bei 14 Europacup-Starts fuhr Miggiano neunmal in die Top 30, also in die Punkteränge. Ein 14. Rang in der Abfahrt von Tarvisio Ende Januar ist sein Bestresultat, die Speed-Disziplinenwertungen beendete er auf den Rängen 21 (Abfahrt) und 46 (Super-G).

In der Abfahrt war er damit viertbester Schweizer – doch in seiner besseren Disziplin hatte er höhere Erwartungen. Eigentlich hätte er zumindest die Top 15 angestrebt und mit den Top 10 geliebäugelt. Dass es damit nicht klappte, bringt Miggiano auch mit seiner Verletzung zum Saisonstart in Zusammenhang. Im November zog er sich bei einem Trainingssturz einen gequetschten Meniskus, ein gezerrtes Kreuzband und Knochenprellungen an Knie und Ferse zu.

Es war die erste Verletzung für den Bubiker, der in der Vergangenheit immer wieder und zum Teil sehr spektakulär gestürzt war. Miggiano war zwar rechtzeitig zum Speed-Auftakt in Santa Caterina wieder fit, «mit Ach und Krach», sagt er. Aber was er unterschätzt hatte: «Es brauchte etwas Zeit, bis ich das Vertrauen wieder hatte, um voll anzugreifen.»

Die lädierte Ferse spürte er zwar die ganze Saison hindurch noch, doch die Sicherheit kehrte zurück – und damit kamen auch die Resultate nahe an den Regionen, die er eigentlich anvisiert hatte.

Im Super-G waren vor allem die hohen Startnummern ein Hemmnis – die Resultate darum nur bedingt aussagekräftig. Zufrieden ist Miggiano insbesondere mit den Rennen in Saalbach und Sella Nevea, wo er jeweils mit Startnummern jenseits von 50 noch 24. respektive 28. wurde. «Man muss mit einer so hohen Nummer schon sehr gut Ski fahren, um noch zu punkten», sagt er. Vor allem in technischer Hinsicht habe er Fortschritte gemacht, «sonst wäre das nicht möglich gewesen».

Die Technik half ihm auch in der Abfahrt – allerdings waren die Strecken da für Miggianos Geschmack zu wenig technisch, zu «einfach» quasi. «Nicht, weil ich der grosse Techniker wäre, sondern, weil technisch anspruchsvollere Strecken mehr Mut und mehr Überzeugung brauchen. Und dort sehe ich meine Stärken.»

Die erste Weltcup-Chance muss noch warten

Auch wenn er seine eigenen Ziele nicht ganz erreicht hat: Miggiano scheint auf dem richtigen Weg. Die Worte seines Trainers Franz Heinzer stimmen ihn positiv – «er sagte mir, ich hätte skifahrerisch einen grösseren Schritt gemacht, als es die Resultate zeigen».

Dazu passt, dass er Anfang Februar in Chamonix beinahe erstmals Weltcup-Luft geschnuppert hätte. Für die beiden dort angesetzten Abfahrten hätte er eigentlich die Qualifikation bestreiten sollen – doch die Rennen wurden wegen zu hoher Temperaturen abgesagt. «Das fuchste mich», sagt Miggiano, «ich hätte den Weltcup und das Drumherum schon gerne kennengelernt.»

Was diesen Winter nicht war, kann nächste Saison noch werden. In der Europacup-Startliste hat er sich in beiden Speed-Disziplinen nach vorne gearbeitet – ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Das Umfeld dürfte dasselbe bleiben, der Bubiker bleibt voraussichtlich im B-Kader und in der Trainingsgruppe von Franz Heinzer.

Alessio Miggiano
Spass auf dem Sessellift: Alessio Miggiano (links) und Livio Hiltbrand, der Juniorenweltmeister in der Abfahrt.

Dass Livio Hiltbrand nächste Saison nicht mehr zu dieser gehört, ist der einzige Wermutstropfen für Miggiano – der Abfahrts-Juniorenweltmeister steigt in den Weltcup auf. «Wir stehen uns sehr nahe, es ist schade», sagt Miggiano. Der Weg von Hiltbrand ist ihm aber auch ein Ansporn. Denn: «Bei ihm ging es plötzlich schnell – und ich war in der Vorbereitung und auch in der Saison nicht viel langsamer. Das zeigt mir: Man darf auch mal grösser denken.»

Dazu kommt: Die Rücktritte von Gilles Roulin und Ralph Weber bedeuten auch eine Chance für Nachwuchsfahrer wie Miggiano. «Es ist sehr schade, dass sie aufhören, sie sind beide coole Typen und haben uns jungen Fahrern immer wieder Dinge mit auf den Weg gegeben», sagt der Bubiker zwar.

Fakt ist aber auch: Im Gerangel um die Weltcup-Plätze hat Miggiano zwei Konkurrenten weniger. Dazu kommt: Die beiden waren Markenkollegen von Miggiano. «Es ist deshalb nicht unrealistisch, dass ich den einen oder anderen schnellen Ski erben kann.»

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