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Der Adrenalinkick lässt ihn nicht los

Vom Karate über Jiu-Jitsu zur Königsdisziplin im Kampfsport. Der Rütner Michael Stössel will sich im Mixed Martial Arts beweisen.

Im Jiu-Jitsu hat der Rütner Michael Stössel den blauen Gurt.

Foto: PD

Der Adrenalinkick lässt ihn nicht los

Rütner Kampfsportler

Michael Stössel zählte einst europaweit zu den besten Karatekas. Nun will der Rütner in einer der brutalsten Vollkontakt-Kampfsportarten Fuss fassen.

Michael Stössel ist gerade auf dem Weg ins Fight-Industry-Sportstudio in Pfäffikon SZ, als er die Botschaft per Handyvideo übermittelt. «Ich habe mich angemeldet», sagt der Rütner mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Gemeint sind die sogenannten Try-outs in Thailand, bei denen er sich in den Mixed Martial Arts (MMA) – einer Vollkontakt-Kampfsportart – etablieren will. Stössel hat die Tage davor mit seinem Coach beraten, wo er das Training für sein Ziel fortsetzen will – in der Schweiz oder in Südostasien.

Wenn es nicht klappen würde, gibt es andernorts Optionen.

Michael Stössel

Ob er sich wirklich in Thailand bewähren kann, weiss er allerdings noch nicht. Davon beirren lassen will sich der Oberländer aber ohnehin nicht. «Wenn es nicht klappen würde, gibt es andernorts Optionen», betont er.

Wenn Stössel aber angenommen wird, bietet sich ihm eine grosse Chance. Vier auserwählte MMA-Kämpfer erhalten nämlich dort schliesslich einen Sponsoringvertrag.

Die Voraussetzungen dafür scheint er mitzubringen. Erst unlängst war Stössel für mehrere Monate im thailändischen Bang Tao, um optimal trainieren zu können. Dies sollte sich bereits zum Ende seines Aufenthalts auszahlen, als er bei einem Jiu-Jitsu-Wettkampf in Phuket Silber holte.

Durch den Vater zum Karate

Ohnehin hat Stössel einen gut und vor allem ausgewogen gefüllten Rucksack im Kampfsport. Das kommt nicht von ungefähr. Bereits sein Vater Bernhard ist ein erfolgreicher Karateka. Später führt dieser das Shuyukan Karate Dojo in Rüti.

Als Sechsjähriger steht Michael Stössel deshalb erstmals im Übungsraum. Gepackt vom Ehrgeiz, sagt er schon zu Nachwuchszeiten: «In erster Linie faszinieren mich die Konfrontation mit dem Gegner und die Herausforderung, diesen zu besiegen.»

Stössel wird in seiner Karriere Shotokan-Karate-Europameister und erlangt den schwarzen Gürtel.

Nach einem Auslandaufenthalt in den USA führt er eine Zeit lang die vom Vater gegründete Karate-Schule. Stössel gibt sein Know-how ausserdem als Personaltrainer auch Spitzensportlern weiter. Sein Ziel: sie im Training in Adrenalinsituationen zu bringen. Eine Saison lang ist Stössel als Athletiktrainer beim EHC Kloten angestellt.

Bei TV-Show und «Award» mitgemacht

Er probiert aber auch immer wieder neue Dinge aus. So nimmt der Rütner bei der TV-Sendung «Ninja Warrior Switzerland» teil, bei dem ein ungewöhnlicher Hindernisparcours bezwungen werden muss. Und er versucht sein Glück beim «Swiss Men's Award», wo ein «Mister Right» gesucht wird. Rückblickend sagt er zu diesen Ausflügen: «In dieser Welt habe ich mich nie wohlgefühlt.»

Überhaupt ist das Leben von Michael Stössel ein ständiges Auf und Ab. Er heiratet und wird Vater einer Tochter. Die Beziehung bricht wieder auseinander.

Der Oberländer durchlebt auch schwierige Zeiten mit Panikattacken. Stössel spricht von einer Reizüberflutung, sobald er sich an belebten Plätzen bewegte. «Ich war am Boden», sagt er offen. Seine mentale Krise lässt er stationär behandeln. Und Halt findet er insbesondere im Glauben.

Ein Igel, der Mut macht

Der heute 31-Jährige ist aber nicht nur ein Kämpfer, sondern hat auch eine kreative Ader. Für seine Tochter und die Kinder seiner beiden Schwestern schreibt und zeichnet er ein Kinderbuch. «Das war für mich eine Art Meditation», nennt er die Beweggründe.

Sein Werk begeistert das Umfeld. Dieses ermutigt ihn gleichzeitig, es Verlagen anzubieten. Tatsächlich wird er fündig. Und so ist «Dä chlini Igel» seit einiger Zeit im Handel erhältlich. «Es geht darum, den Mut im Leben zu finden», sagt er zum Inhalt. Geplant ist sogar eine Fortsetzung. Weitere mögliche Folgen mit einem Kung-Fu-Panda und einem Känguru als Hauptfiguren sind jedenfalls geschrieben.

Der Hauptfokus von Stössel liegt aber weiterhin beim Kämpfen. Nach seiner Karate-Zeit wendet er sich dem Jiu Jitsu zu – einer anderen japanischen Kampfkunst. Der grosse Unterschied: Der Kontrahent wird weniger durch die verschiedenen Schlagtechniken, sondern mit Hebeln, Würfen und durch gezielte Bodenkampftechnik bezwungen.

Stössel muss sich an diese Form erst gewöhnen, bis er die ersten Erfolgserlebnisse sammelt – und den blauen Gurt erringt. «Gerade am Boden braucht es mehr kognitive Fähigkeiten», sagt er.

Nochmals deutlich härter zu und her geht es in den MMA. Die Königsdisziplin im Kampfsport verbindet ein Sammelsurium an Techniken – und ist aufgrund der Brutalität auch nicht unumstritten. Stössel vergleicht den Sport aber vielmehr mit einem Schachspiel, weil es so viele kleine Faktoren gibt, auf die man aufpassen muss.

Er fühlt sich bereit für diese neue Herausforderung. Gerade sein letzter Aufenthalt in Bang Tao gibt ihm durch das breite Trainingsspektrum die nötige Zuversicht. «Die mentale Krise hat mich stärker gemacht. Und meine Schmerztoleranz ist hoch», sagt Stössel. Ende April soll die neue Abenteuerreise losgehen.

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