Kriegt der FC Greifensee ein weiteres Mal die Kurve?
Vor der zweiten Saisonhälfte
Die Rückrunde der 2. Liga wird für den FC Greifensee zu einem Drahtseilakt. Nach zwölf Jahren Zugehörigkeit droht ihm der Abstieg.
Endet im Juni die Zeit des FC Greifensee in der 2. Liga? Es sieht nicht gut aus für die «graue Maus», die sich in den letzten Jahren weitgehend im Nirgendwo der Tabelle platzierte – aber gleich dreimal den Regional-Cup gewonnen hat (2014/2018/2023). Allein dadurch kann sie ebenso als Team für besondere Momente bezeichnet werden.
Es wäre schade um den FCG, der in der 2. Liga stets auch eine wohltuende Konstante war. Seit der Saison 2011/2012 spielt er dort, in welcher der Aufsteiger völlig überraschend auf der Leaderposition überwinterte. Einzig die zweite Mannschaft von Red Star ist genauso lange durchgehend auf dieser Stufe vertreten.
Möglich wurde diese lange Reise vor allem dank einer starken Generation an Eigengewächsen. Bemerkenswert daran: Von dieser sind mit den Fikic-Zwillingen, Patrick Ley und Tobias Niklaus noch immer heute einige federführend. Simon Schaich hat derweil vor einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen die Rolle gewechselt – und fungiert als Assistenztrainer.
Der FCG ist sich also treu geblieben. Denn was der damalige Präsident Daniel Cazzato nach dem Aufstieg sagte, gilt noch heute: «Wir haben nicht die besten Fussballer, aber als Team sind wir stark.»
Es ist sicher auch ein Grund, weshalb Trainer Felix Bollmann trotz der misslichen Halbzeitbilanz sagt: «Wir sind zuversichtlich und werden alles geben, um den FC Greifensee in der zweiten Saisonhälfte wieder über den Strich zu bringen.»
Doch es gibt eben auch einige Argumente, dass dies Wunschvorstellung bleibt.
Das überstrapazierte Glück
Es war ein Samstagabend für die Ewigkeit. Zuerst gewinnt der FCG den Final des FVRZ-Cups im Penaltyschiessen. Nur wenige Stunden später setzt sich Bülach in den Aufstiegsplayoffs im Rückspiel in der Verlängerung gegen Schattdorf durch. Mit Bülach und Dübendorf steigen dadurch gleich zwei Teams aus dem Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) in die 2. Liga interregional auf. Greifensee, zwei Wochen vorher sportlich abgestiegen, zieht als besserer Drittletzter der beiden Zweitliga-Gruppen den Kopf aus der Schlinge.
Im Vergleich zur letzten Meisterschaft (7. Platz) ist die Bollmann-Equipe mit dem weitgehend selben Personal nun aber zur Halbzeit als 13. deutlich schlechter klassiert.
Die Hypothek aus der Hinrunde
Erstmals überhaupt seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2011 überwintert der FCG als Tabellenzweitletzter unter dem Abstiegsstrich. Er hat damit die Zeche für eine intensive Hinrunde bezahlt. Zusätzlich an den Kräften zerrten neben der Meisterschaft gerade die Einsätze im Schweizer Cup (2 Spiele) und im FVRZ-Cup (3) bis Mitte Oktober. Dafür war die Personaldecke zu dünn.
Mindestens zwei Plätze muss Greifensee also gutmachen. Und selbst Platz 11 ist keine Garantie. Steigen nämlich gleichzeitig aus der 2. Liga interregional drei oder mehr Teams aus der Region Zürich ab, hat dies auch negativen Einfluss auf die Ligen im FVRZ.
Dazu stellt sich die Frage: Welche Teams kann der FCG hinter sich lassen? Sicher Diessenhofen. Als weitere mögliche Kandidaten gelten Rüti und Bassersdorf. Das völlig unter Wert klassierte Veltheim wohl aber eher nicht.

Die ewig selben Leistungsträger
Wer geht voran? Es sind trotz all den Bemühungen um Verjüngung stets dieselben Spieler. Allen voran Captain Severin Burkart und Patrick Schmid. Die restlichen, eingangs erwähnten Leistungsträger sind schon deutlich über 30.
Viel wird also davon abhängen, ob junge Hoffnungsträger wie Eigengewächs Raul Eberhardt, Alec Wegmann oder Auslandsrückkehrer Levin Brunner verstärkt tragende Rollen einnehmen können.
Wenig Potenzial im Nachwuchs
Es ist ein Fluch und Segen zugleich. Nur ganz wenige Klubs auf Stufe 2. Liga verzeichnen Jahr für Jahr so wenige Wechsel. Einerseits spricht die Konstanz im Kader für den guten Zusammenhalt im Team. Andererseits rückt seit Jahren auch ganz selten Nachwuchs mit Zweitliga-Potenzial aus den eigenen Reihen nach.
Die Greifenseer versuchen daher, immer wieder Talente aus der Umgebung zu gewinnen. Neu dabei ist nun Melvin Mwakunemwa (vom FC Horgen). Derweil ist mit David Strebel (33) ein weiterer Greifenseer Dauerbrenner nach der Vorrunde zurückgetreten.

Die magere Torausbeute
Nur 16 Tore hat der FCG in der Vorrunde erzielt. Mit diesem Wert steht er somit genau am richtigen Ort der Tabelle – auf dem zweitletzten Platz.
Ausser Offensivfreigeist Burkart hat kein Spieler im Kader mehr als zwei Tore erzielt. Und selbst der 26-Jährige ist mit seinen fünf Treffern noch ein Stück weit davon entfernt, eine Quote aus früheren Saisons zu erreichen.