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Von Bauchgefühl und einem Tenüwechsel

Gleicht Dübendorf die Ostschweizer Erstliga-Finalserie heute aus oder macht Wetzikon den sprichwörtlichen Sack zu?

Fokussiert auf das nächste Spiel: Dübendorf-Trainer Reto Stirnimann (links) und Wetzikon-Coach Roger Keller lassen sich nicht in die Karten blicken.

Fotos: Christian Merz

Von Bauchgefühl und einem Tenüwechsel

Vor dem vierten Erstliga-Final

Wetzikon steigt mit einer 2:1-Führung im Rücken in das vierte Finalspiel – aber Gegner Dübendorf hat Fahrt aufgenommen.

Florian Bolli und Oliver Meile

Der EHC Dübendorf hat sich eindrucksvoll in der Ostschweizer Finalserie zurückgemeldet. Wobei zurückgemeldet das falsche Wort ist, denn bisher schien er noch gar nicht wirklich in der Serie angekommen. Manch einer dachte wohl auch auf Dübendorfer Seite, dass die bisher so kompromisslos und kaltblütig auftretenden Wetziker die dritte Partie ebenfalls für sich entscheiden würden. Der EHCD schien einfach kein Mittel zu finden, so sehr er sich bemühte.

Und nun geht es doch in ein viertes Spiel, das der EHCD zwar noch immer mit einem 1:2-Rückstand in der Serie angeht, aber im Bewusstsein, den EHCW schlagen zu können. Bis am Donnerstag hatten die Dübendorfer in dieser Saison gegen Wetzikon noch keine einzige Sekunde lang geführt.

Der Poker ging auf

Von Energie spricht Trainer Reto Stirnimann gern – solche dürfte seine Equipe aus diesem Erfolgserlebnis ziehen. Es war, als hätte der EHCD sich selber beweisen müssen, dass er dagegenhalten kann – körperlich, läuferisch, spielerisch, vor allem aber kämpferisch. «Wir haben gekämpft und nachgesetzt und uns so belohnt», sagt Stirnimann.

Die Rückkehr in die Serie hat auch mit seinem Bauchgefühl zu tun. Darauf verliess sich der EHCD-Coach, als er die Linien im Vergleich zu den ersten beiden Spielen leicht umstellte. Die Rückkehr des routinierten Verteidigers Lars Spillmann – er hatte in den letzten sechs Spielen verletzt gefehlt – verlieh dem EHCD nicht nur defensive Stabilität, sondern eröffnete Stirnimann auch für die Offensive Optionen.

Das ist das Spiel eines Trainers. Und es hat funktioniert.

Reto Stirnimann

Trainer EHC Dübendorf

«Manchmal muss man etwas probieren, und wärs nicht aufgegangen, würde man das nun hinterfragen», sagt er. «Aber das ist das Spiel eines Trainers. Und es hat funktioniert.» Schickt er seine Equipe also in derselben Formation ins vierte Spiel? Stirnimann lacht. «Wir werden sehen.»

Das weisse Hemd muss weg

Was allfällige Änderungen betrifft, lässt man sich auch beim EHC Wetzikon nicht in die Karten blicken. Aber wieder sortieren müssen sich die Wetziker auf jeden Fall. Vieles von dem, was sie bei den zwei Siegen ausgezeichnet hatte, war im dritten Spiel nicht zu sehen.

Ihnen fehlte es an Wucht, an Präzision, aber halt auch an der nötigen Entschlossenheit, den Gegner wegarbeiten zu wollen. Das wurde den Oberländern zum Verhängnis. Sie kassierten mehrere Gegentore, weil sie es nicht schafften, vor ihrem Goalie Fabian Ryffel aufzuräumen.

Wir gingen gar nicht erst dahin, wo es weh tut.

Roger Keller

Trainer EHC Wetzikon

Die Wetziker waren allerdings auch in der gegnerischen Zone zu wenig präsent, wie Roger Keller fand. Sie kamen darum kaum zu Abschlüssen aus gefährlichen Positionen. «Wir gingen gar nicht erst dahin, wo es wehtut», monierte der EHCW-Trainer die fehlende Bereitschaft, sich blaue Flecken zu holen.

Keller war enttäuscht, wie logischerweise die Mannschaft. Trotz der deutlichen Niederlage bleibt der Coach gelassen. Und zuversichtlich, auch wenn er über den Gegner findet: «Er hat jetzt den Glauben zurück.»

Keller vertraut darauf, dass sein routiniertes Team auf den ersten vergebenen Matchpuck reagiert. Und sich heute sehr viel vehementer darum bemüht, den zweiten zu verwerten. Der Trainer selber setzt ein Zeichen. Keller lässt sein bisheriges Final-Outfit – ein weisses Hemd und die dazu passenden Schuhe – im Schrank. Mit der Niederlage hat es die Wirkung als Talisman für den Thurgauer verloren, der von sich sagt, er sei «fürchterlich abergläubisch».

Wie voll wird die Hütte?

Keine Frage: Der EHCW hätte gerne bei erster Gelegenheit die Serie für sich entschieden. Aus wirtschaftlicher Sicht aber ist es für den Verein erfreulich, kommt es zu einem weiteren Heimspiel. Schon im ersten Derby strömten in Wetzikon über 2000 Zuschauer in die Halle – notabene unter der Woche. Davon kann gar der eine oder andere Schweizer Profiklub nur träumen.

Nun ist Samstag, und das Heimteam hat die Entscheidung auf dem Stock. Der Zuschauerzuspruch dürfte entsprechend hoch sein. Rund 3500 Fans dürfte der EHC Wetzikon in die Halle lassen, mit gegen 2500 rechnet der Verein.

Der Derbysieger steigt auf

Der HCV Martigny hat am Freitag wie erwartet seinen Rückzug aus der Swiss League verkündet. Das Walliser Team tritt nächste Saison in der dritthöchsten Liga an, der MHL. Zugleich wurde der Aufstiegsverzicht vom HCV Sion bekannt, dem Gewinner der Erstliga-Westgruppe. Das heisst: Im Final der Ostgruppe zwischen Wetzikon und Dübendorf geht es um das Ticket für die MHL. Der Sieger steigt unabhängig vom Ausgang des nationalen Erstliga-Finals auf. (zo)

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