Das Phänomen soll es nochmals richten
Vor den Playouts
Die Floorball Riders spielen erneut um den Ligaerhalt. Das Oberländer NLA-Team zählt auf Topskorerin Annina Faisst – zum (vorerst) letzten Mal.
Das letzte Erfolgserlebnis der NLA-Frauen von Floorball Riders Dürnten-Bubikon-Rüti liegt schon fast fünf Monate zurück. 13 Niederlagen setzte es seither ab. Die Talfahrt vermochte bis anhin auch Thomas Appenzeller nicht zu stoppen, der seit Januar das Cheftrainer-Amt innehat.
Es sind nicht die besten Vorzeichen. Dazu kommt, dass beim Playout-Gegner Giffers, gegen den ab Samstag der Klassenerhalt bewerkstelligt werden kann, die Formkurve nach oben zeigt. Die Freiburgerinnen konnten sich nach einigen überraschenden Siegen zum Ende der Qualifikation sogar noch Hoffnungen auf einen Playoff-Einzug machen.
Annina Faisst, mit acht Toren und 12 Assists so etwas wie die offensive Lebensversicherung bei den Riders, will da gar nicht erst was schönreden. Sie spricht von einer turbulenten Saison, blickt aber dennoch zuversichtlich auf die Best-of-7-Serie. «Es geht darum, das Feuer zu entfachen. Wir wissen alle genau, um was es geht», sagt sie.
Als Beispiel dient ihr da der letztjährige Playout-Vergleich gegen Waldkirch-St. Gallen, wo die Oberländerinnen zunächst 0:2 in Rückstand gerieten und sich doch mit 4:2-Siegen durchsetzten. Ohnehin sind die Riders die Situation gewohnt. Seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2020 mussten sie sich noch jedes Mal in den Playouts bewähren.
Mit 18 zum Unihockey
Faisst war da stets dabei – und mauserte sich in dieser Zeitspanne zu einer Schlüsselfigur. 117 Skorerpunkte hat sie in 119 Partien seit ihrem Debüt in der NLB gesammelt. Es sind eindrückliche Zahlen für eine Späteinsteigerin. Bereits 18 ist sie nämlich, als sie bei den Riders mit Unihockeyspielen im Klub beginnt.
Für Giovanni Marti ist Faisst deshalb ein Phänomen. «Annina bringt ohne jede Grundausbildung ganz vieles mit», sagt der sportliche Leiter der Riders. Marti muss es wissen. Seit Ende der 1990er Jahre ist er dem Sport in den verschiedensten Funktionen verbunden. «So eine Spielerin sieht man ganz selten. Wir wissen, was wir an ihr haben», sagt Marti.
Allerdings nicht mehr für sehr lange. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die bald 24-Jährige auf die kommende Saison hin zum Ligakonkurrenten Chur wechselt.
Ihr Abgang ist ein herber Verlust. Daraus macht Marti kein Geheimnis. Er sagt aber auch: «Es sind dadurch keine schlechten Gefühle entstanden. Ich bin sicher, Annina wird bis zur letzten Sekunde alles für uns geben.»
Der Transfer von Faisst ist keine eigentliche Überraschung. Nur schon, weil sie in Chur Sportmanagement studiert und dadurch einen Teil der Woche in der Bündner Hauptstadt verbringt.
Vor allem tritt die gebürtige Eschenbacherin durch den Wechsel zum Tabellenvierten der Qualifikation in andere sportliche Sphären. Mit sieben Meisterschaften zählt Piranha Chur zu den erfolgreichsten Klubs im Frauen-Unihockey – selbst wenn der letzte Titel schon einige Zeit zurückliegt.
Wenn Annina auf dem Feld ist, wird es immer gefährlich.
Giovanni Marti
Sportchef Floorball Riders
«Für mich ist Chur eine neue Herausforderung. Auch um zu sehen, wie gut ich in diesem Umfeld mithalten kann», sagt Faisst. Wer sieht, mit welcher Dynamik und Entschlossenheit die flinke Stürmerin auftritt, hat keine Zweifel. «Wenn Annina auf dem Feld ist, wird es immer gefährlich», sagt Marti. Dafür sprechen allein die Zahlen. Nur fünf Spielerinnen in der ganzen NLA sammelten in der Qualifikation mehr Skorerpunkte als Faisst.
Die zweite Leidenschaft
Auffällig ist in diesem Zusammenhang bei ihr nicht nur der späte Einstieg, sondern auch, dass sie parallel zum Unihockey beim FC Eschenbach in der 1. Liga spielt. Faisst sagt: «Unihockey hat Priorität.» Es sei aber schon vorgekommen, dass sie zwei Spiele am selben Tag bestritten habe.
Und an dieser Situation soll sich auch mit dem Wechsel zu Chur nichts ändern. «Für mich ist dieser Ausgleich extrem wichtig – nur schon um den Kopf zu lüften», bekräftigt Faisst, die seit klein auf Fussball spielt.
Weniger ernst nimmt sie den Unihockey-Sport deshalb ohnehin nicht. Im Gegenteil: Die neue Herausforderung in Chur oder auch die ersten Aufgebote für das Schweizer U23-Nationalteam sind für Faisst ein Ansporn, um sich weiter zu verbessern.
Noch ist dies allerdings Zukunftsmusik. Vorerst gilt ihre Priorität dem Playout-Gegner Giffers, an den sie durchaus gute Erinnerungen hat. In den beiden Saisonvergleichen war Faisst jeweils nicht nur Torschützin, sondern wurde auch zur besten Spielerin der Riders gewählt.
