Auf den Thailand-Trip folgt ein Debakel
Oberländer Zweitligist
Ganz viele Neue und doch keine positive Trendwende. Beim FC Rüti ist drei Wochen vor dem Start in die Zweitliga-Rückrunde die Not gross.
Kriegt der FC Rüti noch die Kurve? Es ist die Frage, die sich nach den besorgniserregenden Resultaten im letzten Spätherbst stellt. Gegen Seuzach (0:6) und Wiesendangen (1:7) war da der Betrieb quasi stillgelegt worden. Und: Der Oberländer Zweitligist überwintert dadurch sogar auf einem Abstiegsplatz in der Gruppe 2.
Leisen Grund zur Zuversicht gab zumindest im Januar die Verpflichtung von Aykut Ugras als neuem Sportchef. Das erste Ziel: durch sein gutes Beziehungsnetz mehr Tiefe ins Kader kriegen.
Tatsächlich konnte der FCR nun gleich neun (!) Transfers tätigen. Die Trainingspräsenz und die Trainingsqualität haben sich dadurch im Alltag deutlich verbessert.
Auf der Liste der Neuen fehlt allerdings der eigentliche Wunschspieler Edison Syla. Der langjährige Serientorschütze und Ur-Rütner bleibt vorerst beim Erstligisten Tuggen. Und so haben primär Spieler aus unteren Ligen oder aus dem Nachwuchsbereich den Weg auf die Schützenwiese gefunden.
Die grosse Ausnahme bildet der frühere Ustermer Dejan Ilic. Nach einem berufsbedingten Aufenthalt in Spanien soll der ehemalige Erstliga-Akteur (Linth 04) bald zurück in die Region kommen. Wann genau in diesem Frühling, ist allerdings noch gänzlich offen.
Ernüchternde Resultate
Einen Spieler vom Schlage Ilics bräuchten die Rütner aber eigentlich sofort. Die bisherigen Auftritte bei den Testspielen waren nämlich ernüchternd.
Zunächst setzte es gegen das Interregio-Team von Uster (0:6) und den Zweitligisten Horgen (1:3) jeweils Niederlagen ab. Dann nach der Rückkehr aus dem Trainingslager vor Wochenfrist sogar eine 3:8-Pleite gegen den unterklassigen FC Wetzikon.
Apropos Trainingslager: Dafür waren die Rütner extra für eine Woche nach Thailand gereist. Inwiefern dies sportlich Sinn macht, kann zumindest aufgrund der langen Anreise und Akklimatisierungszeit kritisch hinterfragt werden.
Ganz sicher hatten da aber die Erinnerungen an das letzte Abenteuer des FCR von 2019 in Südostasien beim Entscheid mit hineingespielt. «Das war ein Höhepunkt, wovon wir heute noch reden», blickte jedenfalls unlängst der frühere Spieler und Teammanager Lars Grimm zurück.
Allerdings gab es damals sicherlich auch mehr Argumente für einen Trip dieser Grössenordnung. Zu diesem Zeitpunkt spielte der FCR noch an der Spitze in der 2. Liga interregional mit. Heute, fünf Jahre später, ist der Sturz in die 3. Liga allgegenwärtiger denn je.
Ur-Rütner winkt ab
Kein Thema war nach der schlechten Vorrunde eine mögliche vorzeitige Trennung von Trainer Ursal Yasar. Gerade nach dem brutalen 3:8 in Wetzikon ist aber wieder verstärkt Gesprächsbedarf vorhanden.
Nur noch drei Wochen bleiben schliesslich, bis es in der Meisterschaft erstmals mit dem Heimspiel gegen Phönix Seen ernst gilt.
Wenig überraschend ist es da auch, dass der Name von Roman Marostica im Rütner Umfeld herumgeisterte. Dieser war nach vielen Jahren als Spieler und Trainer in Gossau zuletzt bis Juni 2022 beim Drittliga-Team des FC Wetzikon in der Verantwortung.
Vor allem ist Marostica aber ein Ur-Rütner, der noch heute nur wenige 100 Meter von der Schützenwiese entfernt lebt. «Natürlich würde mich der FC Rüti gerade als mein Stammklub reizen», sagt dieser. Ein möglicher Trainerjob kommt für ihn aber zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin nicht infrage.
«Ich kann nicht von heute auf morgen alles hinwerfen», betont der 52-Jährige. Marostica meint damit neben seinem Beruf als Immobilienmakler seine zusätzlichen Engagements als DJ.
Marostica selbst traut den Rütnern aber die Kehrtwende zu, sofern sie weitgehend von Verletzungspech verschont bleiben. Zumindest in dieser Beziehung sieht es beim FCR derzeit besser aus, fällt doch einzig Esmir Rastoder langfristig aus. Und würde Auslandsrückkehrer Dejan Ilic zeitnah sogar sein Debüt geben, würden sich die dunklen Wolken am Rütner Fussballhimmel nochmals deutlich aufhellen.
