«Was glaubt ihr eigentlich? Heute kommt hier kein Ball durch!»
Laupens Torhüterin vor den Playoffs
Gegen die Kloten-Dietlikon Jets muss der UHC Laupen im Playoff-Viertelfinal ran. Goalie Pascale Mir sagt, wie sie sich auf das scheinbar aussichtslose Unterfangen vorbereitet.
17 Playoff-Spiele hat der UHC Laupen bisher in der Nationalliga A absolviert – und jedes einzelne Spiel ging verloren. Einem Erfolg am nächsten kamen die Oberländerinnen im letzten Jahr gegen die damaligen Qualifikationssiegerinnen Skorpion Emmental Zollbrück mit einer 2:3-Niederlage nach Verlängerung.
Nun nimmt Laupen einen neuen Anlauf. Der siebte Qualifikationsrang bescherte den Oberländerinnen eine Viertelfinalserie gegen die Kloten-Dietlikon Jets, die aktuellen Meisterinnen und frischgebackenen Cup-Siegerinnen. Ein Duell, das auch die Zweiklassengesellschaft der Liga illustriert: Die Jets beendeten die Qualifikation mit 46 Punkten auf Rang 2 hinter Zug – die Laupnerinnen holten 26 Punkte weniger.
Pascale Mir, Sie werden als Torhüterin mit dem UHC Laupen im Playoff-Viertelfinal gegen die Kloten-Dietlikon Jets stark beschäftigt sein. Wie gehen Sie diese Aufgabe an?
Pascale Mir: Ich muss fit sein und fürs erste Spiel körperlich zu 100 Prozent regeneriert sein. Ich weiss: Es braucht mich, ich darf keine geistigen Absenzen haben. In den Trainings geht es auch darum, bei der Theorie gut zuzuhören. Gut ist, dass wir erst kürzlich noch gegen die Jets gespielt haben.
Und was sind Ihre Erkenntnisse über die Jets?
Sie suchen immer die Tiefe. Die allermeisten Tore passieren im Torraum aus recht kurzer Distanz. Ich muss Abpraller also so gut wie möglich verhindern. Ich muss noch besser mit der Verteidigung kommunizieren, auch schon vor dem Spiel. Und ich stelle mich auch auf einzelne Gegenspielerinnen ein. Ich werde sicher noch besser auf Topskorerin Andrea Gämperli achten. Sie hat eine derart grosse Reichweite, dass unsere Verteidigung kaum eine Chance hat. Da bin ich stärker gefragt, da muss ich schlau sein.
Mit welcher Einstellung gehen Sie in diese Serie?
Ich darf mich nicht klein machen und mit dem Gefühl ins Spiel gehen: «Oh, da kommen die grossen Jets.» Sondern ich sage mir vielmehr: «Was glaubt ihr eigentlich? Heute kommt hier kein Ball durch!» Gut, keiner ist vielleicht etwas übertrieben.
Aber Hand aufs Herz: Es wäre ein Wunder, wenn Laupen diese Serie übersteht.
Ja sicher, das ist so. Und wenn man ehrlich ist, erwartet doch auch niemand, dass wir überhaupt ein Spiel gewinnen. Wir selber erwarten das von uns schon – aber in meinem Umfeld höre ich oft: «Es wäre schön, aber wir glauben nicht daran.» Genau das Gegenteil wollen wir beweisen.
Die Kräfteverhältnisse scheinen klar. Was macht die Spitzenteams denn so viel stärker als den Rest?
Die Konstanz und die Breite des Kaders. Wo sie über drei Linien super Spielerinnen auf den Platz stellen können, haben wir zwei konkurrenzfähige Linien. Und die Topteams haben diverse Nationalspielerinnen. Eine Gämperli bei den Jets – das ist eine Respektsperson, es ist für ihre Teamkolleginnen ein Highlight, mit ihr auf dem Platz zu stehen. Natürlich haben wir auch Vorbilder, aber das ist eine andere Grössenordnung. Und sie trainieren deutlich mehr. Wir haben weniger Hallenzeiten zur Verfügung als andere Teams. Und nicht jede Spielerin hat die Möglichkeit, selbständig noch mehr zu trainieren. Dazu kommt: Bei den Jets geht es im Training zur Sache, weil der Konkurrenzkampf riesig ist. Bei uns ist dieser tendenziell kleiner, weil die Niveauunterschiede im Kader grösser sind als bei den Topteams.
Ist das auch der Grund dafür, warum Laupen die Qualifikation im 7. Rang beendete – und einem Topteam im Viertelfinal nicht aus dem Weg gehen konnte?
Ja, auch. Und wir haben auch viel verschenkt. Mit schlechter Chancenauswertung, mit verlorenen Verlängerungen – oder indem wir kurz vor Schluss noch ein Spiel aus der Hand gaben. Wie gegen Chur oder Berner Oberland. Da verloren wir nicht viele, aber am Ende entscheidende Punkte. Da fehlte die letzte Überzeugung, deshalb belohnten wir uns nicht.
Sie haben die offensive Ineffizienz angesprochen – aber Laupen hat in der Qualifikation 105 Gegentreffer kassiert, mehr als alle anderen Playoff-Teilnehmer. Da gäbe es doch sicher noch Luft nach oben?
Ja, definitiv, ich will mich da nicht ausnehmen. Das Problem ist: Wir standen entweder defensiv stabil oder waren offensiv solide. Die gute Balance haben wir nicht gefunden, es geht bei uns oft vom einen ins andere Extrem.
29 Gegentore gabs allein in der Doppelrunde gegen die Topteams Zug (2:13) und Kloten-Dietlikon (2:16) vor drei Wochen – weil Laupen im Hinblick auf die Playoffs taktische Dinge ausprobierte. Wie fühlten Sie sich als Torhüterin da?
Ich wusste: Ich muss durchbeissen. Aber eigentlich war es zum Heulen. Die Resultate sehen krasser aus, als die Spiele wirklich waren. Doch gerade in solchen Spielen kann man als junger Goalie wichtige Erfahrungen sammeln und Dinge ausprobieren. Und auch mental hat mir das etwas gebracht. Das beste Feedback, das ich erhalten habe, war: Ich liess mir nicht anmerken, dass ich am liebsten im Hallenboden versunken wäre.
Was ist in der Playoff-Serie gegen die Jets realistisch?
Dass wir durchmarschieren, natürlich nicht. Ich glaube aber an den ersten Playoff-Sieg von Laupen. Die Jets haben den Cup gewonnen, obschon sie kein besonders gutes Spiel zeigten. Und sie schlugen uns erst kürzlich 16:2. Vielleicht glauben sie, es werde einfach. Wenn wir einen super Tag haben, unser System konsequent durchziehen, wenn wir hinten parat sind und vorne effizient, dann ist ein Sieg realistisch.
Der Playoff-Spielplan wurde etwas angepasst – statt Doppelrunden am Wochenende finden nun auch Spiele unter der Woche statt. Wie finden Sie das?
Man kann so natürlich besser regenerieren. Mir persönlich macht es keine Umstände, ich bin im Leistungssportprogramm an der Pädagogischen Hochschule in Chur und darf für den Sport fehlen. Vielleicht kommt nach den Wochentagsspielen der Schlaf etwas zu kurz, dafür haben wir den Sonntag frei. Als Studentin finde ich es cool. Aber für jene, die erwerbstätig sind, ist es natürlich schwieriger. Wir sind keine Profis, sondern Amateursportler. Ich glaube, das ging bei diesem Entscheid etwas vergessen.
