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Sie überrascht sogar die Sammelprofis

30'000 Franken innert 7 Tagen. So viel Geld hat die Vielseitigkeitsreiterin Nadja Minder aus Horben bei Illnau für ihren Olympia-Traum zusammengekriegt.

Vielseitigkeitsreiterin Nadja Minder mit ihrem Pferd Toblerone im heimischen Horben bei Illnau. (Archiv)

Foto: Madeleine Schoder

Sie überrascht sogar die Sammelprofis

Oberländer Reiterin

Nadja Minder hat für ihren Olympia-Traum ein Crowdfunding gestartet. Es wird für die Vielseitigkeitsreiterin aus Horben bei Illnau zur Erfolgsgeschichte.

Die nötigen 30’000 Franken sind innert weniger Tage beieinander. Nadja Minder ist überwältigt. «Ich konnte es kaum glauben. Das ist sehr emotional für mich», sagt die Oberländerin.

Der Betrag wurde auf der Crowdfunding-Plattform «I Believe In You» (IBIY) gesammelt – zu finden sind dort exklusiv Sportprojekte.

Minder zählt hierzulande zu den besten Vielseitigkeitsreiterinnen. Bereits im September 2022 holte sie mit dem Schweizer Team einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele in Paris. Zwar hat die 24-Jährige aus Horben bei Illnau ihren Platz aufgrund des starken internen Konkurrenzkampfs um die drei Startplätze noch nicht auf sicher.

Für sie spricht allerdings zusätzlich: Minder verfügt gleich über drei qualifizierte Pferde, mit denen sie in diesem Sommer im Schlossgarten von Versailles reiten könnte. Der Selektionsentscheid wird erst wenige Wochen vor Olympia fallen – bis dahin kann sie noch an mehreren Turnieren auf sich aufmerksam machen.

Ohne finanziellen Druck

Für ihren Olympia-Traum überlässt Minder nichts dem Zufall. Sie initiierte deshalb das eingangs erwähnte Crowdfunding mit dem Titel «Vielseitig nach Paris». Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die aus Dressur, Geländeritt und Springen bestehende Disziplin ist kostenintensiv.

«Die Pferde sollen optimal vorbereitet werden. Und ich wollte nicht immer dieselben um Unterstützung fragen», sagt Minder, die im Pensionsstall der Eltern arbeitet. Konkret setzt sie den eingeholten Betrag nun in Nenngelder, Transporte, Trainings, Unterhalt und Material ein.

Vor allem nimmt er ihr fürs Erste den finanziellen Druck. Denn klar ist: Ohne die Unterstützung ihrer Eltern und dem Umfeld wäre es Minder nicht möglich, das Vielseitigkeitsreiten auf diesem Niveau bestreiten zu können.

Dass ihr Crowdfunding gelingt, ist an und für sich keine Überraschung. 85 bis 90 Prozent aller Projekte sind auf IBIY erfolgreich. Gleich 30’000 Franken so zusammenzukriegen, ist allerdings doch nicht alltäglich.

Für eine Individualsportlerin ist dies als sehr hoher Betrag zu werten.

Jocelyn Sommer

CEO IBIY Media

«Für eine Individualsportlerin ist dies als sehr hoher Betrag zu werten. Auch die kurze Zeit, während welcher die hohe Summe generiert wurde, ist beeindruckend», bestätigt Jocelyn Sommer, CEO der Sportmarketing-Agentur IBIY Media, die sich um die Crowdfunding-Plattform kümmert. Im Normalfall bewegen sich vergleichbare Projekte bei einer Zielsumme von 7000 bis 10’000 Franken.

Die Kampagne verkürzt

Entscheidend für das Gelingen ist eine gute Präsentation, die klare Erläuterung des Kampagnenziels und die optimale Nutzung des eigenen Netzwerks. Damit kann sich die Reichweite durch eine Art Schneeballsystem in Kürze stark erhöhen. Zu einem Selbstläufer muss die Aktion deshalb aber noch lange nicht werden. «Man sollte so oft wie möglich über sein Projekt sprechen, egal zu welcher Gelegenheit und über welche Kanäle», sagt Sommer.

Nadja MINDER (SUI) on TOBLERONE, FEI Eventing Nations Cup™ 2022 Pratoni del Vivaro
Nadja Minder auf Toblerone beim Nations Cup von Pratoni del Vivaro (ITA).

Bei Nadja Minder springt der Funke innert kurzer Frist. Wenige Tage vor dem Enddatum sind schon über 35’000 Franken zusammengekommen. Aufgrund des durchschlagenden Erfolgs verkürzte sie die Dauer ihrer Kampagne von zwei Monaten auf einen Monat.

Besonders auch: Die Betreiber von IBIY empfehlen ihr vor dem Start den Sammelbetrag von 30’000 auf 20’000 Franken herunterzusetzen. Doch die Vorsicht ist unbegründet, sodass sie schnell wieder auf die ursprüngliche Wunschsumme herauf korrigiert.

Eine Karateka als Inspiration

Inspiration bei der Umsetzung der Aktion findet Minder im Vorfeld durch das Video der Aargauer Karateka Elena Quirici. Ihr werden zu den Olympischen Spielen 2021 so über 20’000 Franken gespendet. Sie übertrifft ihr gestecktes Ziel von 15’000 Franken damit bei Weitem.

Sich nicht verstellen. Einfach authentisch sein, das ist auch Minders Vorsatz. Man nimmt ihn ihr ab beim rund einminütigen Video, in dem sie sich und ihre Sportart vorstellt.

Wichtig sind dabei aber nicht nur die bewegten Bilder, sondern ebenso das Motivationsschreiben an ihre Zielgruppe.

Dabei muss Minder extra darauf achten, in ihrem Text keine geschützten Wortmarken rund um die Olympischen Spiele zu verwenden. Dies verbieten die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees. Minder gelingt es in ihrem Text, diese Wortklippen zu umschiffen, sodass trotzdem sogleich klar ist, wohin ihre sportliche Reise gehen soll.

Die Oberländerin kann sich damit schon frühzeitig an die Gegenleistungen machen, welche die weit über 100 Unterstützerinnen als Dankeschön erhalten. Den meisten wird von Minder eine Mail oder eine Karte zugesandt. Die besonders Grosszügigen, die zwischen 1000 und 3000 Franken beigesteuert haben, bekommen hingegen bei einer Crossbesichtigung oder einem Trainingsbesuch einen näheren Einblick in den Alltag.

Grafik zu den «I-Believe-In-You»-Crowdfunding-Projekten
«I Believe In You» in Zahlen.

Jeder bekommt die Chance, sein Projekt zu finanzieren

Bereits seit 2013 besteht die Crowdfunding-Plattform im Sport, «I Believe In You» (IBIY). Sie finanziert sich über Partner sowie über 6 bis 12 Prozent (abhängig von der Summe und dem Aufwand) Abgaben der erfolgreichen Projekte. 2 bis 8 Prozent gehen direkt an IBIY, 4 Prozent an die Zahlungsanbieter. Pro Jahr werden derzeit zwischen 275 und 350 Projekte lanciert – davon kommen rund 15 Prozent aus dem Kanton Zürich. Die jeweilige Dauer kann individuell definiert werden – sie läuft aber meist zwischen 30 und 80 Tage.

Aus der Region versucht derzeit neben der Vielseitigkeitsreiterin Nadja Minder mit Corinne Ott eine weitere Illnauerin ihr Glück mit einem Crowdfunding. Die 10’000 Franken sollen ihr helfen, den Einstieg in den Motorradrennsport zu schaffen. Derweil möchten die Ustermer Unihockey-Junioren Fynn und Yann Schori durch den finanziellen Zustupf von 7000 Franken ihrem Ziel, Profispieler zu werden, einen kleinen Schritt näherkommen. «Der Wille entscheidet – wir wollen hoch hinaus» ist ihr Credo.

Überhaupt fällt die breite Palette an Aktionen auf – vom Fussballklub, der so auf neue Matchball-Spender hofft, bis zum ambitionierten Biker, der sich sein Rad finanzieren will. «Wir möchten allen Vereinen, Athletinnen und Athleten sowie Sportorganisationen eine Chance geben, ihr Projekt zu finanzieren. Letztlich entscheidet die Community darüber, ob ein Projekt unterstützungswürdig ist», sagt Jocelyn Sommer, CEO von IBIY Media.

Dass es ein Crowdfunding gar nicht auf die Plattform schafft, ist eher die Ausnahme. Also, wenn Projektsummen nicht realistisch sind oder andere Faktoren sehr tiefe Erfolgschancen versprechen. «Wer beispielsweise mehrere hunderttausend Franken für einen Sportkomplex ausserhalb der Schweiz sammeln möchte, hat kaum eine Chance auf Erfolg», sagt Sommer.

Die Betreiber von IBIY selbst verlangen nach Abschluss der Aktion keine Belege über den Einsatz der Gelder. Auch habe es nie Fälle eines missbräuchlichen Einsatzes der gesammelten Summe gegeben. Im Gegenteil: Es ist sogar schon vorgekommen, dass Projekte abgebrochen oder Gelder zurückbezahlt wurden. (dsc)

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