Anja Weber und die «Scheisswoche»
Misslungenes Saisonhighlight
Die U23-WM in Planica war das grosse Saisonziel der Hinwiler Weltcup-Langläuferin. Doch sie verpasste die Medaillen deutlich. Warum?
Anja Weber, mit den Rängen 15 im Sprint, 16 über 20 km Skating und 18 über 10 km klassisch verpassten Sie an der U23-WM die Medaillenränge deutlich. Woran lag es?
Anja Weber: Es war nicht meine Woche – warum, weiss ich nicht. Ich hatte gut trainiert, wir waren im Höhentraining und kamen auch genug früh wieder hinunter. Auch beim Einlaufen vor dem Wettkampf fühlte ich mich jeweils gut. Doch es sollte einfach nicht sein. Es ist speziell – es stellte mich immer in der zweiten Hälfte auf.
Was heisst das konkret?
Ich ging gut in die Rennen, der Start war jeweils super, ich war zu Beginn gut positioniert. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Ich wollte dranbleiben, probierte es, aber merkte, dass es nicht geht. Ein sehr blödes Gefühl.
Waren Sie denn erkältet oder anderweitig gesundheitlich angeschlagen?
Nein, überhaupt nicht. Ich war gesund, ich fühlte mich gut. Eigentlich war alles tipptopp. Und doch kam in den Rennen das Loch.
Die Schweiz holte insgesamt vier Medaillen, je zwei bei den Frauen und den Männern. Konnten Sie sich mit dem Team freuen, obwohl Ihre Resultate nicht stimmten?
Einfach war es schon nicht. Die Unterschiede im Team waren krass. Die einen waren superhappy, die anderen völlig unzufrieden. Antonin Savary zum Beispiel hätte auch eine Medaille gewinnen wollen. Ich war direkt nach dem Wettkampf jeweils sehr enttäuscht. Es frustrierte mich schon, dass ich nicht zeigen konnte, was ich draufhabe. Aber es ging auch anderen so. Es gab Exploits von unbekannteren Athletinnen, und die Favoritinnen waren nicht überragend. Die Norwegerin Margrethe Bergane etwa galt als Top-Favoritin und gewann auch keine Medaille.
In der Mixed-Staffel kamen Sie gar nicht mehr zum Einsatz – fuchst Sie das?
Nein, ich sagte selber, ich wolle nicht starten. Die anderen hatten eine gute Woche, deshalb war es völlig okay für mich.
Es war Ihre letzte U23-WM. Sie waren auf dieser Altersstufe mit einer Einzel-Goldmedaille 2022 und einer Staffel-Bronzemedaille 2023 sehr erfolgreich. Trösten diese Medaillen Sie über den aktuellen Misserfolg hinweg?
Klar, diese Medaillen habe ich, die nimmt mir keiner mehr weg. Aber ich bin allgemein jemand, der solche Sachen relativ schnell wegstecken kann. Es ist einfach blöd, wenn man die ganze Saison auf ein Ziel ausrichtet und es dann nicht klappt. Das gibts halt einfach, dass man einmal eine «Scheisswoche» hat und nicht weiss, warum.
Im Weltcup hatten Sie bisher Ihre Ziele mit regelmässigen Klassierungen in den Punkten erreicht. Wie geht die Saison für Sie nun weiter?
Ich starte nächste Woche im Continental Cup in Schilpario (ITA), um die Form zu testen. Wenn dieser Test gut ausfällt, dann werde ich Anfang März in Lahti wieder in den Weltcup einsteigen. Danach könnte allenfalls der Engadin Skimarathon zum Thema werden.
Dieser findet am selben Wochenende statt wie der Weltcup über 50 km am legendären Holmenkollen in Oslo. Reizt Sie dieses Rennen nicht?
Das ist tatsächlich eine schwierige Entscheidung. In Oslo gibt es Weltcup-Punkte – und den Holmenkollen muss man einfach mal gemacht haben, das gehört auf die Liste. Doch in der Schweiz ist der Stellenwert des Engadiners grösser. Letztes Jahr wurde ich nach meinem 3. Rang sehr oft darauf angesprochen. Und ehrlich gesagt, sind die Preisgelder am Engadiner auch verlockend. Ein Podestplatz dort ist deshalb höher zu werten als ein 20. Rang in Oslo.