Mit nur einem Atemzug zum Weltrekord
Freitaucher aus Uster
Peter Colat aus Uster ist der erfolgreichste Freitaucher in der Schweiz. Ein letztes Mal sorgte er nun unter einer dicken Eisfläche für Furore.
Es ist ein nahezu perfekter Abschluss seiner Karriere. Peter Colat glücken im zugefrorenen Vilsalpsee im Tirol gleich zwei der drei Weltrekordversuche im Apnoe-Streckentauchen.
Es friert einem nur schon beim Zuschauen. Zwei Grad kalt ist der See, als der 52-Jährige aus Uster nur in einer Badehose und mit Badekappe bekleidet in den See unter die 14 cm dicke Eisfläche taucht. Er gleitet zuerst im Freitauchen unter Eis ohne Anzug über 106,25 Meter weit – tags darauf mit einer Monoflosse sogar über 114,2 m.
Noch vor einem Jahr scheiterte Colat gleichenorts bei all seinen Versuchen. Die äusseren Gegebenheiten machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Er sagt: «Gesundheit geht vor.»
Das ist auch bei seinem bereits zehnten und elften Weltrekord in Österreich nicht anders, wodurch er wiederholt Aufnahme im Guinnessbuch findet. Im Abstand von rund 25 Metern sind Tauchlöcher in die geschlossene Eisdecke eingeschnitten, um vorzeitig abbrechen zu können.
Daneben wird er von einem erfahrenen Team aus Sicherungstauchern, einem Unterwasserfotografen, Helfern an der Oberfläche und einer Crew an Sanitätern begleitet. «Ich kann auf eine gute Zeit zurückschauen», sagt er. Tatsächlich setzte er seit 1998 in den verschiedensten Disziplinen unzählige Bestmarken – und hatte in dieser Zeitspanne nie einen Unfall, wie Colat bekräftigt.
Greifensee zu wenig tief
Es ist alles andere als selbstverständlich in einem Extremsport wie dem Freitauchen. Ohne ein Atemgerät werden lange Strecken unter Wasser zurückgelegt.
Nur, wie sind solche Distanzen über drei Minuten unter Wasser mit nur einem Atemzug überhaupt möglich? Es ist einerseits das Ergebnis von jahrelangem Training. Dieses absolviert der selbständige Architekt aus Uster allerdings nicht im nahen Greifensee, sondern aufgrund der Tiefe im Zürichsee. Nötig sind dafür nämlich rund 50 Meter.
Einmal in der Woche trainiert er zudem mit einer kleinen Gruppe an Tauchern auf einer extra gemieteten Bahn im Hallenbad Rümlang. «Das Wasser dort ist superwarm», sagt er. Denn: So schräg es auch klingen mag – auch Eistaucher haben nicht freiwillig gerne kalt.



Freitauchen ist aber vor allem Kopfsache. Schliesslich geht es nicht nur um Tiefe oder Schnelligkeit, sondern darum, den Sauerstoff im Körper unter Wasser optimal auszunutzen – und den Organismus an die kalte Temperatur zu gewöhnen.
Entgegen kommt Colat sein deutlich höheres Lungenvolumen. Bei einem Untrainierten liegt es bei vier bis fünf Litern. Colat vereint hingegen über acht Liter.
Und: Durch die für Beobachter etwas seltsam wirkende Karpfentechnik kann er vor dem Eintauchen sogar noch mehr Luft aufnehmen, sodass ein Total von 13 Litern zusammenkommt. Colat hält hier die Nase zu und atmet gleichzeitig Luft ein. Dies geschieht, indem der Mund kleingemacht und mit der Zunge die Luft in die Lunge gepresst wird.
Tauchen statt Blasinstrument
Dass Colat über ein besonderes Talent verfügt, fällt ihm erstmalig 1995 während Ferien auf Korfu auf. Mit Kollegen testete er dort aus Spass, wer am längsten unter Wasser die Luft anhalten kann.
Colat findet schnell gefallen daran und informiert sich in einer Buchhandlung, in welchen Bereichen eine gute Lunge hilfreich sein könnte. Als geübter Schwimmer muss er bei der Entscheidung zwischen dem Freitauchen und dem Erlernen eines Blasinstruments nicht lange überlegen. Colat sucht deshalb den Kontakt in die damals noch sehr überschaubare Taucherszene – und feiert schon bald seine ersten Erfolge.
Diese ist seither erheblich gewachsen. Und einige Apnoe-Streckentaucher können mittlerweile vom Sport sogar leben.
Für den erfolgreichsten Schweizer ist er immer ein Hobby geblieben. Colat ist froh, dass er dank einiger Sponsoren die nicht unerheblichen Auslagen wie beispielsweise für das Wochenende im gefrorenen Vilsalpsee decken kann. Weitere Einnahmen generiert er zudem aus Kursen und bei Seminaren. Bei Letzteren erzählt er von seinen Erfahrungen und Rekorden.
Dies wird er auch in Zukunft noch tun. Einen Rücktritt vom Rücktritt schliesst Colat allerdings aus. Genug ist schliesslich genug. «Es geht auch nicht mehr so locker-flockig wie mit 30», sagt er und lacht.
