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Er sorgt für Aufsehen – und ein Verfahren

Er fuhr noch nicht – und sorgt doch für Diskussionen: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum C44.

Der C44 bei der Präsentation: Hoffnungsträger und Streitfall zugleich.

Foto: Keystone

Er sorgt für Aufsehen – und ein Verfahren

Aufruhr um den C44

Noch bevor er erstmals auf die Strecke rollte, war der neue Sauber-Bolide in aller Munde. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist an diesem Auto alles neu?

Fast alles, ausser die Heckpartie. Die blieb im Vergleich zum Vorjahr ziemlich unverändert. Aber sonst ist es laut Technikchef James Key ein «praktisch völlig neues Auto».

Ein Fachportal nannte den C44 eine «Revolution» – das ist dann gar drastisch ausgedrückt. Doch für Gesprächsstoff sorgte in der Fachwelt die vordere Aufhängung, wo Sauber das Konzept von Pushrod (Druckstreben) auf Pullrod (Zugstreben) wechselte.

Das ist ein ziemlich grosser Schritt, der mechanisch kompliziert ist. «Ein Fahrwerksingenieur würde das niemals von sich aus tun. Aber es ist viel besser für die Aerodynamik», sagt Key. Um diese geht es in der Formel 1 hauptsächlich – und die Vorderradaufhängung nimmt da einen wichtigen Part ein, weil sie praktisch das einzige Teil zwischen dem Frontflügel und dem Rest des Autos ist.

Interessant ist: Neben Red Bull setzte in der letzten Saison einzig McLaren auf dieses Konzept – also jener Rennstall, bei dem Key bis März 2023 unter Vertrag war und der im letzten Jahr neun Podestplätze herausfuhr. Wer aber glaubt, dass Key in Hinwil den Konzeptwechsel angestossen hat, täuscht sich. «Das Team hat sich weit vor meiner Ankunft dafür entschieden», sagt Key. «Es ist der richtige Entscheid, auch wenn es ein schwieriges Projekt ist.»

Nicht ganz falsch können auch die weiteren Änderungen am Auto sein – den Seitenkästen etwa ist nun anzusehen, dass sie nicht mehr von Ferrari, sondern eher von Red Bull inspiriert wurden. Damit steht Sauber nicht allein da.

Wie wirken sich die Veränderungen aus?

«Mit den Daten sind wir so weit zufrieden», sagt Key, «im Simulator schaut es gut aus, wir sollten einen ganz anständigen Schritt gemacht haben.» Die Frage ist aber immer, wie gross die Schritte der Konkurrenz sind.

Zupass kommen könnte Sauber, dass die Abstände sehr gering waren – und womöglich in der neuen Saison noch kleiner werden –, wie es bisher in jedem Reglement-Zyklus nach einigen Jahren der Fall war. Rund 1,5 Prozent über der besten Rundenzeit war der C43 im Renntrimm gegen Ende der letzten Saison. Das ist keine Welt.

Die Performance am 2. März zum Saisonauftakt in Bahrain wird noch nicht die ganze Wahrheit sein. Denn der Entwicklungsplan ist laut Key «sehr aggressiv» – und in Hinwil drückt er selber aufs Gaspedal. «Ich habe meinen Leuten sehr schwierige Ziele gesetzt – und sie haben sehr gut darauf reagiert. Je schneller wir neue Teile bringen können, umso besser.»

Das klingt alles gut. Die Wahrheit liegt in diesem Fall aber auf der Rennstrecke.

Welches Ziel ist realistisch?

Nimmt man die Konstrukteure-WM der letzten Saison zum Mass, müsste es der 7. Rang sein. 12 Punkte fehlten den Hinwilern damals dafür. Die Differenz zum WM-Sechsten Alpine hingegen betrug über 100 Zähler.

Sauber-Teamrepräsentant Alessandro Alunni Bravi verzichtete an der Präsentation auf konkrete Rangziele – das tat er im Vorjahr schon, und die Worte klangen damals sehr ähnlich: sich in jedem Bereich zu verbessern – auf und neben der Strecke.

Das tönt langweilig, ist aber für ein Team, das mitten in der Transformation zum Audi-Werksteam steckt, nicht die falsche Herangehensweise. Wachsen soll schliesslich nicht nur das Punktekonto, sondern auch das Team selber, das derzeit aus rund 600 Mitarbeitern besteht. Oder wie Key es formulierte: «Wir sind zwar gross, aber immer noch klein.»

Ein bisschen konkreter wurde Valtteri Bottas. Er will konstant in die Punkte und hofft darauf, manchmal um die Podestplätze mitfahren zu können. Welches Ziel effektiv realistisch sein könnte, ist frühestens nach den Vorsaisontests Ende Februar abschätzbar.

Was hat es mit dem Verfahren wegen des Titelsponsors auf sich?

Sauber will die beiden Übergangssaisons zwischen Alfa Romeo und Audi offenbar nutzen, um möglichst aufzufallen. Schrill und grell präsentierte man sich am Montag in einer durchaus sehenswerten Show als «Stake F1 Team».

Diese Verschmelzung von Sponsor und Teamnamen rief die Eidgenössische Spielbankenkommission auf den Plan, die ein Verfahren gegen Sauber eröffnete. Der Grund: Krypto-Glücksspielanbieter Stake hat in der Schweiz keine Bewilligung, womit der Name womöglich gegen das Glücksspiel-Werbeverbot verstösst.

Als Sponsor war Stake schon in der letzten Saison präsent. In jenen Ländern, in denen Glücksspiel-Werbeverbote gelten, trat damals nicht Stake, sondern der Streamingdienst Kick in Erscheinung – eine Tochterfirma von Stake. Das wird auch künftig so sein. Nun ist Stake aber mehr als nur ein Sponsor – und eine Busse in Höhe von einer halben Million Franken könnte dem Team drohen.

Die Summe dürfte verschmerzbar sein, schliesslich soll der Deal mit Stake laut britischen Medien um die 50 Millionen Dollar wert sein. Sauber-Teamrepräsentant Alunni Bravi ist selber Jurist – und gegenüber SRF sagte er: «Wir halten uns immer an alle geltenden Gesetze, auch in der Schweiz. Und natürlich haben wir alle Massnahmen ergriffen, um diese einzuhalten.»

Womöglich präsentierte man das neue Auto deshalb in London und nicht wie letztes Jahr in Zürich. Auffällig ist aber: Unterdessen sind auf der Website der Sauber-Group alle Hinweise auf Stake und ein «Stake F1 Team» verschwunden.

Warum gibt es noch keine Audi-Aufkleber auf dem Auto?

Abwegig wäre die Präsenz von Audi auf dem C44 tatsächlich nicht – schliesslich ist der deutsche Hersteller bereits Miteigentümer. Allerdings fährt Sauber noch mit Ferrari-Antrieb, bis 2026 das neue Motorenreglement in Kraft tritt und Audi mit seinem eigenen Motor übernimmt.

Man kann davon ausgehen, dass die Deutschen den Ausbau des Teams zumindest mitfinanzieren – und zwar in allen Bereichen. Dazu gehört auch eine Modernisierung des Windkanals, der noch immer zu den besten gehören soll, aber in die Jahre gekommen ist. Schliesslich geht es derzeit darum, sich für 2026 auch sportlich in eine möglichst gute Ausgangslage zu bringen. Dafür rekrutieren sie in Hinwil, was das Zeug hält.

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