So auffällig wie jetzt war Sauber noch nie
Die Designs des Hinwiler Rennstalls
Knallig, extrovertiert, grell – so wie das neuste Exemplar daherkommt, kennt man die Boliden des Hinwiler Sauber-Teams gar nicht. Ein Rückblick.
Leuchtgrün und schwarz. Die Lackierung des neuen Sauber-Boliden kommt nicht überall gleich gut an. Manche finden, das Auto sehe aus wie aus einem Computergame. Andere vermuten einen Leuchtstifthersteller unter den Sponsoren (wobei «Stabilo-Sauber» auch nicht schlimmer wäre als «Stake F1 Team Kick Sauber»).
Doch in etwas sind sich alle einig: Der C44 fällt auf – so eine knallige Farbgebung hatte ein in Hinwil hergestelltes Formel-1-Auto noch nie. Zur subtilen Angewöhnung ist er hier noch einmal:

Blättern wir aber etwas zurück und schauen uns die Vorgänger des C44 an. Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters – und über Geschmack lässt sich nicht streiten. Doch das eine oder andere misslungenere Exemplar gab es in den 31 Formel-1-Jahren der Sauber Motorsport AG durchaus.
Die Anfänge: Farbe? Überbewertet!
Es gab 1993 zwar schon Farbfernsehen. Das Sauber-Team wäre aber auch ohne zurechtgekommen. Schwarzes Auto, weisse Front- und Heckflügel. Kleine Farbtupfer gabs beim Debüt des Hinwiler Rennstalls nur dank den Rückspiegeln, einem Sponsorenaufkleber – und dem Helm des Piloten. Hier ist JJ Lehto im C12 in Saubers allererstem Formel-1-Rennen in Kyalami.

Bemerkenswert übrigens: Lehto holte in Südafrika als Fünfter auch gleich die ersten Punkte für das Team. Insgesamt sechs Mal fuhren der Finne und sein Teamkollege Karl Wendlinger in die Punkte, die es damals nur für die ersten sechs gab. Der 7. WM-Rang war ein respektables Auftaktresultat. Von der Seite sah der C12 übrigens so aus:

Farbenfroh war auch der C13 in der Saison 1994 nicht wirklich – aber doch optisch abwechslungsreicher als sein Vorgänger. Als hätte jemand gesagt: Macht doch mal einen Punkt!

Eine üppige Farbenpracht hätte in der Saison 1994 aber gleich aus mehreren Gründen nicht gepasst. Im C13 verunglückte Karl Wendlinger in Monaco schwer, worauf er mehrere Wochen im Koma lag. Und das nur zwei Wochen nach dem schwarzen Rennwochenende in Imola, wo Ayrton Senna und Roland Ratzenberger tödlich verunglückten.
Die Jahre mit den grossen Namen – und viel blau und türkis
Peter Sauber ist nicht der Mann der grossen Worte und des Eigenlobs. Etwas aber erwähnte er beiläufig immer wieder gerne: Dass er zwei ganz grosse Namen in die Formel 1 gebracht habe: Red Bull und Petronas. Von 1995 bis zur Übernahme durch BMW nach der Saison 2005 dominierten diese beiden Sponsoren die Farbgebung der Sauber-Boliden.
Es begann in der Saison 1995 mit diesem Auto:

Sieht aus wie ein Red Bull, ist aber ein Sauber: Mit dem neuen Motorenpartner Ford stieg der Getränkehersteller 1995 als Hauptsponsor bei Sauber ein. Und auf dem Heckflügel prangte erstmals das Logo des malaysischen Ölkonzerns Petronas.
Historisches gelang übrigens Heinz-Harald Frentzen mit dem C14: In Monza holte er als Dritter den ersten Podestplatz der Teamgeschichte.
Das Dunkelblau wurde in den Folgejahren heller. Von 1996 bis 2005 hatte in Grundzügen dieses Farbschema mit Red-Bull-Blau und Petronas-Türkis Bestand:

Petronas war damals übrigens Motorensponsor. Der Motor wurde zwar von Ferrari gebaut, die Malaysier hatten aber die Namensrechte gekauft.
Der C20 in der Saison 2001 war dann gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert:

Der Credit-Suisse-Schriftzug war erstmals auf einem Sauber-Boliden – und sorgte für die weisse Nase des C20. Dass eine bekannte Schweizer Marke als Sponsor auftrat, gab es in der Teamgeschichte nur ganz selten.
Ebenfalls Seltenheitswert hat das sportliche Abschneiden des C20: Nick Heidfeld und Kimi Räikkönen holten 2001 den 4. WM-Rang, was immer noch das beste Resultat von Sauber als Privatteam ist.
Zu Ende ging die Ära in blau und türkis 2005 mit dem Auto, in dem Felipe Massa hier sitzt:

Der C24 war der erste Sauber ohne österreichischen Brausehersteller, dafür mit grösser vertretener Schweizer Grossbank. Und mit einem gelben Leitblech, das farblich nicht ganz zum Rest passen will.
Die BMW-Jahre: Die Farben des Erfolges
BMW machte Sauber zu einem Spitzenteam – der bisher einzige GP-Sieg fällt in diese von 2006 bis 2009 dauernde Ära. Und BMW bestimmte natürlich auch die Optik des Autos.
Sie änderte sich über die Jahre nicht gross. Dunkelblau und weiss dominierten – das ist edel, aber eigentlich auch nicht sonderlich gewagt. Doch wer stört sich denn an Äusserlichkeiten, wenn die Resultate stimmen?
Erst kam der F1.06 – nach Sauber-Zählweise wärs der C25 gewesen. Hier dreht Nick Heidfeld seine ersten Runden im neuen BMW-Sauber:

2007 brachte der F1.07 in demselben Farbenkleid dem Team dann den 2. WM-Rang ein. Und mit diesem Auto debütierte notabene Sebastian Vettel in der Formel 1, als er in Indianapolis den verletzten Robert Kubica ersetzte:

Auch beim F1.08 blieb farblich alles beim alten. Dafür waren daran viel mehr Flügelchen und Leitblechlein angebracht – aerodynamisch waren die Autos nie mehr so verspielt wie damals.

Ein so erfolgreiches Auto hatte Sauber nie mehr: Mit dem F1.08 holte Robert Kubica in Kanada den ersten und bisher einzigen GP-Sieg der Teamgeschichte.
Der F1.09 stand dann nicht für ein weiteres Kapitel der Erfolgsgeschichte, im Gegenteil. Hier ist er links neben seinem siegreichen Vorgänger:

An den beiden Autos ist nur noch die Farbe gleich. Umfassende Regeländerungen sorgten für ein völlig anderes Aussehen – und für den sportlichen Niedergang. Zwar wurden Kubica und Heidfeld noch je einmal Zweiter, doch Spitzenteam war BMW-Sauber keines mehr. Und BMW stieg aus der Formel 1 aus.
Die Nach-BMW-Ära, Teil 1: Aus weiss wurde grau
Peter Sauber dürfte keinen einzigen Gedanken ans Farbdesign verschwendet haben, als er im Herbst 2009 sein Team von BMW zurückkaufte – und in Hinwil mehrere Hundert Arbeitsplätze rettete.
Logisch also, dass der C29 farblich eher schlicht daher kam:

Pedro de la Rosa fährt hier vor Kamui Kobayashi. Am C29 war viel weiss und wenig Sponsorenfarbe. Aber das interessierte kaum. Hauptsache, das Team hat überlebt.
Bei der Präsentation des C30 vor der Saison 2011 sahs dann schon wieder etwas farbiger aus:

Sergio Pérez (im Bild links, neben Peter Sauber und Kamui Kobayashi) brachte mexikanische Sponsoren mit – und damit Farbtupfer auf das noch immer ziemlich weisse Auto.
Die 2012er-Boliden gehörten dann mit zu den hässlichsten der Formel-1-Geschichte. Auch Sauber kam nicht um die Höckernase herum. In grau war sie wenigstens nicht so auffällig.
Doch der C31, den übrigens der unterdessen zu Sauber zurückgekehrte James Key konstruierte, fiel durchaus positiv auf: Sergio Pérez wurde damit zweimal Zweiter, am Ende war Sauber WM-Sechster.
Am C32 dominierte dann nicht mehr weiss, sondern grau. Hier ist das Auto bei der Präsentation im Winkanalgebäude in Hinwil:

Für die neuen Piloten Nico Hülkenberg und Esteban Gutiérrez gabs keine Podestplätze, ein vierter Rang Hülkenbergs war das Highlight. Und während dieser Saison wurden erstmals finanzielle Schwierigkeiten bekannt.
Farblich veränderte sich in der Folgesaison kaum etwas. Hier lachen alle noch für das Teamfoto zum Saisonauftakt in Australien 2014:
19 Rennen später war allen das Lachen vergangen. Keinen einzigen Punkt holten Adrian Sutil und Esteban Gutiérrez mit dem C33 – zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte des Teams. Grauer kann eine Maus kaum sein.
Die Nach-BMW-Ära, Teil 2: Und plötzlich war da blau und gelb
Sauber schlitterte je länger je stärker in den Überlebenskampf. Die Rettung kam 2016, als das Team an Longbow Finance verkauft wurde. Dahinter standen schwedische Geldgeber um den Fahrer Marcus Ericsson.
Er kam 2015 zusammen mit dem Brasilianer Felipe Nasr zu Sauber; die beiden brachten dringend benötigte Sponsoren mit. Das Auto fuhr für zwei Jahre in blau-gelb und mit einem grossen brasilianischen Aufkleber durch die Gegend:

2017 gabs dann die eine oder andere Änderung. Nasr wurde durch Pascal Wehrlein ersetzt, der brasilianische Schriftzug (und die gelbe Farbe) waren weg. Dafür kam etwas Gold ans Auto, um die 25. Saison des Teams in der Formel 1 zu feiern.

Weniger feierlich waren die Resultate. Das Auto fuhr mit dem Vorjahres-Motor von Ferrari, war entsprechend chancenlos – und landete auf dem 10. und letzten WM-Rang. Und Teamchefin Monisha Kaltenborn musste im Lauf der Saison Frédéric Vasseur Platz machen.
Die Alfa-Jahre: Von weiss-rot zu rot-schwarz
Von 2018 bis 2023 war Sauber schliesslich unter dem Namen Alfa Romeo unterwegs. Wobei die italienische Marke nur Titelsponsor war, und mit dem Auto selber nichts zu tun hatte. Abgesehen von der Farbgebung. Für das Design war das «Centro Stile Alfa Romeo» zuständig.
Und weil nicht nur bei Ferrari, sondern auch bei Alfa Romeo der traditionelle Lack rot ist, hielt diese Farbe 2018 auch auf dem C37 Einzug:

Am ersten Auto von Charles Leclerc in der Formel 1 war zwar noch viel weiss – aber doch auch ein grosses Alfa-Logo auf rotem Grund.
Auch 2019 war noch viel weiss da – und etwas mehr rot, etwa auf dem Cockpitschutz «Halo» des C38, in dem hier Antonio Giovinazzi sitzt

Vor allem war da aber auch noch etwas Swissness auf dem Heckflügel zu sehen.
Das änderte sich 2020 mit dem C39, der hier auf einem Teppich in der Boxengasse von Barcelona steht:

Etwas mehr rot, etwas weniger weiss, ein verspielteres Design. Und auf dem Heckflügel keine Schweizer Kreuzchen mehr, sondern ein polnischer Mineralölkonzern.
2021 kam dann der C41. Was vorher rot war, ist nun weiss – und umgekehrt. Meistens jedenfalls.

Der C41 war notabene das Auto, in dem Kimi Räikkönen (hinten links, neben Antonio Giovinazzi und Robert Kubica) seine Karriere beendete. Auch für Giovinazzi gings bei Sauber nicht weiter – aber das eher unfreiwillig.
Aufmerksame Leserinnen und Leser haben womöglich gemerkt, dass der C40 fehlt. Das ist kein Versehen: Es gibt ihn gar nicht. Eigentlich hätte das 2021er-Auto so heissen müssen. Aber man entschied sich unter Teamchef Frédéric Vasseur, die Bezeichnung der Jahreszahl anzugleichen.
Darum kam 2022 dann der C42 – der roteste aller Sauber-Alfas:

Der C42 war der erfolgreichste Sauber seit langer Zeit. Valtteri Bottas und Zhou Guanyu holten damit den 6. WM-Rang.
Der C43 war dann ein Hoffnungsträger – hier fährt Valtteri Bottas damit am ersten Testtag in Bahrain aus der Box:

Das Auto erhielt für die schwarz-rote Bemalung einiges an Vorschusslorbeer, sportlich aber erfolgte wieder ein Rückschritt. Obwohl man extra Gewicht gespart hatte – die schwarzen Stellen am Auto sind nämlich nicht schwarz lackiert, sondern quasi nackte Kohlefaserstruktur.
Insofern war der C43 auch ein Vorbote des aktuellen C44 – der ist abgesehen von den leuchtgrünen Elementen noch schwarzer als sein Vorgänger.