Dübendorf und der Respekt für die Details
EHCD vor dem Playoff-Start
Seine Rolle in der 1. Liga fand der EHC Dübendorf nach dem Abstieg schnell. Im Playoff sind die Ziele hoch – verbal bleiben die Glattaler aber auf dem Boden.
Das Ziel
Vor der Saison gab sich der EHC Dübendorf demütig. Man sprach davon, erst einmal in der Liga ankommen zu wollen. Das ist verständlich, denn wer Absteiger ist und einen Neuaufbau machen muss, sollte nicht herausposaunen, dass er den sofortigen Wiederaufstieg anstrebt.
Doch nun nimmt der EHCD die Playoffs als Qualifikationssieger in Angriff und hat sich somit selber in eine Favoritenrolle katapultiert. Und natürlich würde man beim EHCD die Rückkehr in die MHL nicht ablehnen – auch wenn das Wort «Aufstieg» noch immer nicht gross herumgeboten wird.
«Wir sprechen nicht vom Aufstieg, sondern davon, dass wir Möglichkeiten haben, ganz weit zu kommen», sagt Trainer Reto Stirnimann. Schliesslich soll man auch nicht das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist.
Der erste Gegner
Apropos erlegte Bären: Es passt eigentlich ganz gut, dass der EHCD in der Viertelfinalserie auf den EC Wil trifft. Die Ostschweizer haben den Bären im Logo und im Spitznamen die «Bears» – und sie haben letzte Saison den Schweizer-Erstliga-Meister-Titel geholt. Notabene vom vierten Qualifikationsrang aus.
Aufsteigen wollten die Wiler aber nicht – und nach einem Umbruch im Team und einem Trainerwechsel nach der Meistersaison schafften sie nun als 8. gerade noch den Playoff-Einzug.
In der Qualifikation siegte Dübendorf 4:1 und 5:2. Für Stirnimann ist aber die Vergangenheit nicht relevant, er sagt: «Es kam auch schon vor, dass der Achte den Ersten aus den Playoffs warf. Wir müssen von der ersten Sekunde an bereit sein.»
Die bisherige Bilanz
Wer 54 von 66 möglichen Punkten holt, hat vieles richtig gemacht. Der EHCD erwischte einen Traumstart mit acht Siegen in Serie und punktete gar 14 Partien hintereinander, ehe er die erste von letztlich drei Niederlagen nach 60 Minuten kassierte. Interessant ist auch: Elf Spiele lang, also die Hälfte der Qualifikation, verlor der EHCD kein einziges Drittel. In der zweiten Qualifikationshälfte dann doch deren drei.
«Wenn man so oft gewinnt, verleitet das dazu, das Gefühl zu haben, es gehe von allein», sagt Stirnimann. Symptomatisch dafür steht das letzte Spiel in der Qualifikation, das beim SC Rheintal mit einer 3:5-Niederlage endete. «Wir verloren den Respekt vor den kleinen Details und standen nicht mehr am richtigen Ort.» Konsequenzen hatte der Fehltritt keine – den Qualifikationssieg hatte der EHCD sich in der Runde zuvor mit dem Sieg im Spitzenkampf gegen Prättigau bereits gesichert.
Für Stirnimann war das der bisher beste von vielen guten Auftritten seiner Equipe in dieser Saison. Die positivsten Attribute für den Coach: «Wir können eine hohe Intensität gehen, zeigten Qualität und hatten auch die Geduld, unbeirrt unseren Weg zu gehen – unabhängig vom Spielstand oder vom Gegner.»
Die Personalsituation
Nachdem sich Noah Paixao und Raphael De Boni seit Saisobeginn auf der Torhüterposition abgewechselt hatten, tauchte im letzten Qualifikationsspiel gegen Rheintal plötzlich ein neuer Name auf: Marvin Kortin ersetzte fürs letzte Drittel Paixao.
Der 24-jährige Kortin arbeitet als Torhütertrainer im Lions-Nachwuchs – in den letzten drei Saisons spielte er für Chur in der MHL. Und nun steht er dem EHCD bis Ende Saison zur Verfügung – mit seiner Playoff-Erfahrung ist er eine willkommene Absicherung. Wer aber am Dienstag im ersten Viertelfinalspiel gegen Wil im Tor stehen wird, ist noch offen.
Daneben gibt es personell nur zwei Fragezeichen – um Jann Bettinaglio, der vor zwei Wochen gegen Prättigau eine Hirnerschütterung erlitt, und um den Langzeitverletzten Fabian Hurter, der sich wieder im Training befindet.
Klar ist, dass ein Trio der Lions-U20-Elit zumindest für die ersten Spiele gegen Wil zur Verfügung steht. Das zeigt: Auch die Lions haben ein Interesse daran, dass die Saison des EHCD noch ganz lange dauert – und mit einem Sieg endet.
