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«Für den Erfolg musst du gesund sein» – klingt simpel, ist es aber nicht

Extreme Leistungen bei tiefen Temperaturen – diese Mischung birgt für Langläuferinnen und Langläufer Gefahren.

Nicola Wigger verzichtete vorsichtshalber auf Weltcup-Einsätze im Goms.

Foto: Swiss-Ski

«Für den Erfolg musst du gesund sein» – klingt simpel, ist es aber nicht

Krankheitsanfällige Langläufer

Die besten Langläufer fallen immer wieder krankheitshalber aus. Auch die Oberländer Talente Anja Weber, Nicola und Siri Wigger können ein Lied davon singen.

Entwarnung für all jene, die Schlimmes befürchteten: Das Fehlen von Nicola Wigger am Heim-Weltcup im Goms am vorletzten Wochenende war nicht auf eine Erkrankung zurückzuführen. Der Gibswiler sagt: «Zusammen mit meinem Trainer entschied ich mich zum Verzicht auf die Heimauftritte – aus Vorsicht, aus Vernunft.»

Der Hauptgrund: Der Saisonhöhepunkt, die U23-Weltmeisterschaften in Planica, findet diese Woche statt.

Nicola Wigger und Anja Weber starten in dieser Woche im slowenischen Planica letztmals an U23-Weltmeisterschaften – und dürften die Dernière ambitioniert in Angriff nehmen.

Vor allem Weber will die Medaillenränge anpeilen – schliesslich stand sie schon mehrfach an einer U23-WM auf dem Podest. Vor zwei Jahren gewann sie im norwegischen Lygna Gold über 10 km klassisch, und im letzten Jahr in Whistler war sie zusammen mit Nicola Wigger Teil der Mixed-Staffel, die Bronze gewann.

Wiggers bestes Einzelresultat an einer U23-WM ist der 9. Rang über 20 km klassisch vor einem Jahr in Whistler.

Die U23-Weltmeisterschaften in Planica beginnen am 6. Februar mit den Sprints. Am 8. Februar stehen Massenstartrennen über 20 km Skating auf dem Programm und am 10. Februar Einzelstartrennen über 10 km klassisch, bevor zum Abschluss am 11. Februar die Mixed-Staffeln stattfinden. (zo)

Nicola Wigger ist sensibilisiert auf das Thema. Grippale Infekte, Viruserkrankungen, Erkältungen mit Fieber befallen ihn immer wieder. Zuletzt traf es ihn im November. Den Saisonauftakt im Weltcup in Skandinavien verpasste er. Die Rennen im Continental-Cup im Goms und in St. Ulrich (AUT) Mitte Dezember wurden so für ihn zum Richtungsweiser.

Und Wigger nutzte die Chance. Dank zwei Toprängen rückte er ins Schweizer Team für die Tour de Ski. Und ihm gelang ein vorzüglicher Einstand. In Toblach (ITA) verpasste er als 34. die Weltcup-Punkteränge lediglich um zwei Sekunden

Zwischen Vorsicht und Kontaktpflege

Die Chance für eine weitere Annäherung an die Weltspitze in seinem Winterdomizil Davos blieb ihm indes verwehrt. Kopf- und Halsweh sowie Schwierigkeiten beim Atmen zwangen ihn zum Verzicht und zum Ausstieg aus der Tour.

Aber er war schnell wieder auf dem Damm. Weil er sich jedoch im Weltcup in Oberhof (GER) noch nicht wunschgemäss fühlte, verzichtete er aus Vorsicht auf die Rennen im Goms.

Verrückt machen will ich mich nicht.

Nicola Wigger

Nicola Wigger ist sich seiner Krankheitsanfälligkeit bewusst. Mit Vorsichtsmassnahmen versucht er sich zu schützen. Er vermeidet Aufenthalte in grösseren Menschenmengen, isst Supplemente, achtet auf genügend Schlaf – und, und, und. Gleichzeitig aber sagt er: «Verrückt machen will ich mich nicht.» Und gut zu wissen: Seine Kollegen verstehen sein Verhalten und sind ebenfalls vorsichtig.

Mit der Anfälligkeit auf gesundheitliche Rückschläge ist Nicola Wigger längst nicht allein. Hanspeter Betschart, verantwortlicher Arzt Nordisch bei Swiss-Ski, bestätigt: «Langläuferinnen und Langläufer erbringen extreme Ausdauerleistungen bei tiefen Temperaturen. Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Athleten reagieren häufig sehr sensibel.» Aufgrund des intensiven Atmens werden Lungen und Bronchien gereizt und anfällig. Viren haben leichtes Spiel.

Die Sportler sind sich dieser Gefahr bewusst. Sie nutzen dieses Wissen gewissenhaft und befolgen Hygienemassnahmen (Händewaschen), halten Abstand, tragen zeitweise Schutzmasken und stärken ihr Immunsystem. Und nach den Trainings und Wettkämpfen entledigen sie sich sofort der verschwitzten Kleidung und wechseln schnellstmöglich in trockene, warme Wäsche.

Trotzdem: Ohne Flexibilität, adäquates Reagieren auf Symptome und Anpassungen in Training und Wettkampf kommen die wenigsten über die Runden.

Webers unerklärlicher Wandel

Mit eigenen Erfahrungen zum Thema aufwarten können praktisch alle Langläuferinnen und Langläufer. Die Hinwilerin Anja Weber (22), Mehrfach-Medaillengewinnerin im Langlauf wie im Triathlon auf oberster Nachwuchsstufe, bringt es auf den Punkt: «Für den Erfolg musst du gesund sein.»

Noch stärker sensibilisiert wurde sie, als sie sich 2021 nach einer Corona-Infektion durch eine Herzmuskelentzündung schwerwiegend zurückgebunden sah. Ihr Schluss: «Jetzt wusste ich, dass ich anfällig bin.»

Anja Weber of Switzerland reacts during the 4x5 km team mixed-relay Classic/Free race at the FIS Cross-Country World Cup at the Nordic Center Goms, in Geschinen, Switzerland, Friday, January 26, 2024. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
«Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören», sagt Anja Weber.

Umso erfreuter darf sie nun feststellen, dass «es jetzt viel besser geworden ist». Im vergangenen Sommer kam sie ohne Erkrankung durch. Und auch in den bisherigen Wintermonaten blieb sie ohne nennenswerte Probleme.

«Ich weiss den Grund nicht», sagt sie, «aber ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören.» So passt sie ihr Trainings- und Wettkampfprogramm an, wenn sie sich müde oder nicht gut fühlt.

Der Glaube an den harten Entscheid

Über Erfahrung in diesem Bereich wie nur wenige verfügt mit Siri Wigger die Schwester von Nicola Wigger. Die Jugend-Olympia-Siegerin von 2020 im Langlauf und Junioren-Staffel-Goldmedaillengewinnerin sah sich durch diverse Auslöser immer wieder zurückgebunden – auch jetzt.

Swiss-Ski Medientag Nordische Disziplinen 06.11.2023 Davos .Athlet: Siri Wigger. PHOTOSTEPHANBOEGLI
Rennen bestreitet Siri Wigger diese Saison keine. Im Training ist sie wieder – und fühlt sich «viel besser».

Zusammen mit Trainerin Karoline Moen Guidon entschloss sie sich zu einem radikalen Schritt: ein Winter ohne Wettkämpfe. «Ich legte eine Trainingspause ein, habe nun wieder begonnen und fühlte mich wieder viel besser», sagt sie.

Sie spricht von «einem sehr harten Entscheid». Doch der Glaube an den Nutzen dieser Massnahme ist stark und zwischenzeitlich weitergewachsen. Sie sagt: «Ich komme stärker zurück.»

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