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Blaues Knie, Medaille kaputt – und doch die «pure Freude»

Verschobene Siegerehrung, misslungene Party – und doch freut sich die Wernetshauserin Natalie Maag über eine für sie noch unfassbare WM.

Sie strahlen mit den Medaillen um die Wette: Natalie Maag (links) und ihre gute Freundin Julia Taubitz an der Siegerehrung.

Foto: FIL/Mareks Galinovskis

Blaues Knie, Medaille kaputt – und doch die «pure Freude»

Natalie Maag nach der Rodel-WM

Wie die Wernetshauserin Natalie Maag ihre WM-Silbermedaille feierte und ob sie verpasstem Gold nachtrauert, erzählt die 26-Jährige im Interview.

Natalie Maag, mit Silber im Sprint und dem 7. Rang im Einer waren Sie an der WM so gut wie noch nie. Haben Sie am Sonntag in Altenberg noch ausgiebig gefeiert?

Natalie Maag: Nein, es war die schlechteste WM-Party, die ich je erlebt habe (lacht). Am Freitag nach dem Sprint haben wir zwar schon angestossen, aber ich wollte am Sonntag eigentlich so richtig feiern. Gerade auch nachdem die Party der Männer am Samstag offenbar bis fünf oder sechs Uhr morgens gedauert hatte. Aber dann machte am Sonntag die Festwirtschaft an der Strecke schon früh dicht. Wir sassen dann zwar noch in einer Hotellobby zusammen, aber es war nicht das Gleiche. Die Siegerehrung am Freitag konnte wegen eines Sturms auch nicht stattfinden, ich erhielt die Medaille erst am Sonntag. Und dann war sie auch noch kaputt, sie ist aus Glas, und eine Ecke ist abgebrochen. Ich werde aber eine neue erhalten.

Gefreut über den Erfolg haben Sie sich natürlich trotzdem. Was war der emotionalste Moment für Sie?

Der Moment, als ich die Medaille auf sicher hatte. Ich war am Morgen in der Qualifikation noch fast gestürzt und hatte einen sehr suboptimalen Lauf. Als ich im Rennen im Ziel eine grüne Zeit sah, wusste ich, dass ich mindestens Achte bin. Schon damit wäre ich superhappy gewesen. Danach wusste ich jeweils gar nicht so genau, auf welchem Platz ich jetzt gerade liege, bis nur noch drei oben waren und ich mir sagte: Vierte will ich nicht werden.

Natalie Maag, WM 2024
Ihr grösster Moment: Natalie Maag weiss in diesem Augenblick, dass sie eine WM-Medaille auf sicher hat.

Ihr Schrei, als Sie die Medaille auf sicher hatten, war laut. Und dann fuhr Ihre gute Freundin Julia Taubitz ins Ziel, und Sie fielen noch in der Bahn über sie her …

… ja, ich fragte extra noch, ob ich die Leaderbox verlassen darf. Mein Körper hat bei der Aktion etwas gelitten, das Knie ist komplett blau, weil ich hart auf dem Eis aufprallte. Gut, muss ich nicht rennen (lacht).

Taubitz war als Einzige schneller als Sie, um nur 72 Tausendstel. Trauern Sie dem verpassten Weltmeistertitel nach?

Nein, überhaupt nicht. Logisch wäre ein Titel super, aber ich würde nie mit Julia tauschen wollen! Altenberg ist ihre Heimbahn, dort hat sie das Rodeln erlernt. Wir beide zusammen auf dem Podest, das ist einfach die pure Freude. Schöner kann man diese Geschichte gar nicht schreiben. Wir teilen das Zimmer in Altenberg, und wir haben beide kaum geschlafen. Wir waren überdreht, haben uns gegenseitig angesteckt. Und ich kann das auch jetzt noch gar nicht richtig fassen. Ich brauche erst etwas Abstand.

Am Sonntag waren Sie im Einzel nach dem ersten Lauf Fünfte und fielen dann noch um zwei Ränge zurück. Trotzdem ist es Ihr bestes WM-Einzelresultat. Sind Sie damit zufrieden?

Es ist ein Bestergebnis, aber es war für mich im ersten Moment eine grosse Enttäuschung. Nicht einmal wegen des Resultats, sondern weil ich in beiden Durchgängen keine schönen Läufe zeigte. Wären mir zwei gute Läufe gelungen, wäre ich mit diesem 7. Rang zufrieden gewesen. Mein Ziel war es, den Sonntag einfach zu geniessen. Denn am Freitag hatte ich schon mehr als das Soll erreicht.

Wie viele Gratulationen haben Sie eigentlich erhalten?

Extrem viele! Ich habe nicht mitgezählt, aber mein Handy ist fast abgestürzt. Ich habe aber alle noch am Freitag beantwortet. Auch meine Eltern haben sehr viele Nachrichten erhalten. Sie waren in Altenberg selber mit dabei, das bedeutet mir viel. Schön war auch, dass Marina Gilardoni, die Leistungssportchefin des Verbands, da war. Sie hat ja 2020 in Altenberg im Skeleton auch WM-Silber gewonnen und weiss, wie es sich anfühlt, wenn man vom Verband kaum Unterstützung geniesst.

Glauben Sie, dass Gilardoni daran etwas ändern kann?

Sie weiss sicher, was alles hinter einem solchen Erfolg steckt. Aber auch ihr dürften die Hände gebunden sein. Es ist nun einmal so, dass im Verband der Fokus klar auf der Disziplin Bob liegt.

Ihr eigener Fokus liegt schon bald wieder auf dem Weltcup, am nächsten Wochenende geht es erneut in Altenberg weiter. Setzen Sie Ihre Ziele nach dem WM-Erfolg nun höher?

Mein Ziel wird da sein, meine Läufe vom Sonntag auszubessern. Zufrieden bin ich, wenn mir ein guter Lauf gelingt – daran ändert sich nichts.

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