Mit ihm kann nichts schiefgehen
Oberländer Fussballprofi
Der Pfäffiker Granit Lekaj hat ein von Verletzungen geprägtes Jahr hinter sich. Dennoch ist er trotz seinen bald 34 Jahren beim FC Winterthur nicht wegzudenken.
Seine Worte mögen auf den ersten Blick überraschen. «2023 war mein schlimmstes Jahr», sagt Granit Lekaj. Dabei gibt es für den Pfäffiker sportlich wenig zu mäkeln. Zunächst gibt er als Spätberufener das Debüt mit dem FC Winterthur in der Super League nach weit über 300 Einsätzen auf zweithöchster Stufe. Dann der Ligaerhalt – und nun in der zweiten Saison nach dem Aufstieg überwinterte sein Team sogar auf Platz 7.
Nur: Der Innenverteidiger verpasste eben im letzten Jahr verletzungshalber auch einen Grossteil der Spiele. Zuerst zog er sich im April ohne gegnerische Einwirkung einen Fussbruch zu. Und kaum war der Captain genesen, fiel er von Ende September an mit einem Innenbandriss im Knie aus.
Dabei waren Verletzungen in seiner Karriere bisher eher die Ausnahme. Einzig 2019 hatte er wegen einer hartnäckigen Schambeinentzündung einige Monate pausieren müssen.
Eine überragende Bilanz
Doch trotz den jüngsten gesundheitlichen Rückschlägen: Lekaj gilt auch mit 33 als Symbol für die Winterthurer Stabilität in der Defensive. Spielte er, blieb der FCW nicht nur ohne Niederlage, sondern entschied sogar vier von fünf Partien für sich.
Ganz anders sieht die Bilanz ohne den mittlerweile in Brüttisellen lebenden Routinier aus. Nur eine Partie überhaupt konnte in dieser Zeitspanne gewonnen werden. Und: Winterthur hat sogar die meisten Gegentore aller Klubs in der gesamten Liga erhalten.
Als Abwehrspieler müsste ihn dieser Umstand eigentlich ärgern. Lekaj nimmt es aber unaufgeregt und verweist vielmehr auf die deutlich offensivere Spielweise unter dem neuen Coach Patrick Rahmen. «Solange wir jeweils ein Tor mehr machen, ist es okay», sagt er.
Tatsächlich hat sich im Sommer mit dem Wechsel auf dem Trainerposten, von Bruno Berner zu Patrick Rahmen, einiges verändert. Auffallend ist insbesondere die grössere Kadertiefe. Mehr Konkurrenzkampf im Team ist dadurch entstanden – auch auf Lekajs Position mit Basil Stillhart und dem aufstrebenden Eigengewächs Loïc Lüthi. Der kürzlich nach Vaduz gewechselte Roy Gelmi, der in der letzten Saison noch regelmässig zum Einsatz kam, spielte so überhaupt keine Rolle mehr.
Und diese Veränderungen haben sich bis anhin ausbezahlt. Vor dem Start in die zweite Meisterschaftshälfte hat der FCW nur drei Punkte Rückstand auf das sechstplatzierte Luzern. Es ist eine vielversprechende Konstellation in der von zehn auf zwölf Teams aufgestockten Super League – vor allem weil die Liga nach 33 Runden zweigeteilt wird.
Für Lekaj selbst ist ohnehin klar, wohin die sportliche Reise gehen soll. In die Top 6, die in der sogenannten Championship Group ab Ende April die besten Ränge unter sich ausmachen. «Wir haben das Team dazu. Eigentlich müssten wir ja sogar fünf oder sechs Punkte mehr auf dem Konto haben», findet er. An den Worten Lekajs ist unschwer zu erkennen – es ist in den letzten Monaten ein anderes Selbstverständnis in Winterthur entstanden.
Bald ein neuer Vertrag?
Es spricht also einiges für den FCW. Ein wesentlicher Mosaikstein für das Erreichen dieses Ziels könnte Lekaj sein, der, von seiner Verletzung genesen, die Vorbereitungsphase schmerzfrei bestreiten konnte. «Ich fühle mich gut», sagt er. Nach dem Trainingslager in der Südtürkei absolvierte der FCW am Dienstag mit Lekaj noch die Hauptprobe gegen den Promotion-League-Klub Rapperswil-Jona (4:0).
Als Erfolgsgaranten oder Heilsbringer sieht er sich aber trotz seinen guten Statistikwerten vor der Auftaktpartie vom Samstag gegen Servette Genf nicht. «Auch ich muss mich wieder beweisen.»
Auf jeden Fall scheint er trotz seinen bald 34 Jahren keine schlechten Karten für eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrags zu haben. Eine oder zwei weitere Saisons als Profi kann Lekaj sich noch gut vorstellen. «Wenn alles stimmt», wie er betont. Die vielen Zuschauer in den Stadien, das Sich-Messen gegen bessere Gegenspieler in der Super League und die anhaltende Euphorie in der Stadt Winterthur – das alles möchte er schon noch eine Weile erleben.
