Die Tricks im Kopf, die Medaille im Visier
Oberländer an den Olympischen Jugendspielen
Viktor Maksyagin aus Ebmatingen hat für die Youth Olympic Games in Südkorea grosse Ambitionen. Das Freeski-Talent will aufs Podest.
Sein Reich ist der Park, seine Währung sind Sprünge, Rotationen, Tricks und Grabs. Viktor Maksyagin aus Ebmatingen ist Freestyle-Skifahrer – und gehört zu den hoffnungsvollsten Talenten der Schweiz.
Das will er demnächst in Südkorea beweisen. Der 16-Jährige ist Teil der Schweizer Delegation von 71 Athletinnen und Athleten, die an den Olympischen Jugend-Winterspielen in der Region Gangwon teilnehmen. Dort also, wo vor sechs Jahren die Olympischen Winterspiele stattfanden.
Es sind die vierten Jugend-Winterspiele nach Innsbruck 2012, Lillehammer 2016 und Lausanne 2020. Im Gegensatz zu «richtigen» Olympischen Spielen verzichtet Swiss Olympic bei den Jugendspielen darauf, Medaillenziele zu definieren – der Dachverband bezeichnet die Spiele als Ausbildungsanlass «mit starker Leistungskomponente».
Und doch lässt sich die bisherige Ausbeute sehen – an den bisherigen drei Winter-Austragungen holte die Schweiz 43 Medaillen. Stets standen auch Athleten aus der Region auf dem Podest. 2012 gab es Gold für den Fischenthaler Freeskier Kai Mahler und die Bäretswiler Curlerin Elena Stern; 2016 holte der Hittnauer Curler Henwy Lochmann Bronze – und 2020 brillierte die Gibswiler Langläuferin Siri Wigger mit zweimal Gold und einmal Silber. (zo)
Für Maksyagin ist dabei sein nicht alles – er hat hohe Ziele. «Ich setze alles daran, um aufs Podest zu kommen», sagt er. Und das sowohl im Slopestyle als auch im Big Air.
Diese Ziele formuliert er durchaus zu Recht. An der Junioren-WM in Neuseeland im August wurde er im Slopestyle Vierter – und schrammte nur gerade um einen Punkt am Podest vorbei. «Ich bin trotzdem glücklich damit», sagt Maksyagin.
Und obwohl er in beiden Disziplinen Ambitionen hegt, taugt ihm der Slopestyle besser. Auf dem Parcours mit Rails und Schanzen fühlt er sich wohl. «Weil ich meine Tricks konstant landen kann und sie gerne variiere, ist das meine Lieblingsdisziplin.» Vor allem, wenn die Schanzen hoch sind. «Dann hat man mehr Zeit in der Luft, das macht es einfacher.»
Lieber im Park als auf der Piste
Maksyagin konzentrierte sich nicht von Beginn weg auf Freeski. Begonnen hatte er ursprünglich bei der Renngruppe Zürcher Oberland mit dem alpinen Rennsport, ausserhalb des Trainings hielt er sich aber auch sehr gerne in Freestyle-Parks auf. «Freeski ist sehr kreativ», sagt er, «und mir gefällt die Community. Wir haben Spass und motivieren einander.»
Der lockere Umgang behagt ihm. Und er sagt: «Man probiert die Tricks möglichst locker aussehen zu lassen, dabei ist man sehr konzentriert. Ich finde das sehr spannend.»

Seine sportliche Basis ist unterdessen nicht mehr das Oberland, sondern Davos, wo er das Sportgymnasium besucht. Dort kann er jeweils halbtags trainieren und die Schulbank drücken. Oft muss er nach Trainings oder Wettkämpfen lernen – was ihm nicht immer leichtfällt. Selbstdisziplin ist gefragt – «ich mache mir jeweils eine Zeitplanung für die nächsten Tage, das hilft mir», sagt er.
Auch für die Youth Olympic Games hat der Ebmatinger einen Plan. Seit Längerem arbeitet er im Training an zwei neuen Tricks, die ihm aufs Podest verhelfen sollen – einem Switch Double Bio 1260 und einem Double Cork 1640. Mit ihnen will er eine höhere Punktzahl holen als an der Junioren-WM, wo die Konkurrenz eine ganz ähnliche war, wie das in Südkorea der Fall sein wird.
Viktor Maksyagin zeigt im Training einen Double Cork 1640.
Neue Tricks einzustudieren, das sei vor allem mental eine Herausforderung, sagt Maksyagin. «Es braucht oft Überwindung, neue Tricks auszuprobieren, gerade wenn man dabei mal gestürzt ist. Manchmal macht das mir auch Angst.» Gegensteuer gibt er, indem er die Tricks im Kopf oft durchgeht. Zudem werden solche Aspekte vom Freeski-Trainer am Sportgymnasium thematisiert.
Auch mental dürften die Youth Olympic Games eine Herausforderung werden für Maksyagin. «Seit ich weiss, dass ich teilnehmen kann, werde ich immer nervöser», erzählt er. Auch die Nervosität will er in den Griff kriegen, indem er seine Runs im Kopf visualisiert. «Und am Wettkampftag schaue ich, dass ich möglichst wenig Stress habe. Am liebsten stehe ich allein am Pistenrand, wärme mich auf, stelle mir meinen Run vor und konzentriere mich. So nehme ich die Nervosität weniger wahr.»
In der nächsten Saison will er aufsteigen
Das funktioniert offensichtlich gut. Nicht nur an der Junioren-WM liess Maksyagin sein Potenzial aufblitzen. Er hat auch schon Finalqualifikationen – also Top-8-Ränge – im Europacup erreicht. Dass er sein Debüt auf dieser Stufe bereits als 13-Jähriger gab, wirkt beeindruckend, doch der 16-Jährige relativiert das gleich selber: «Im alpinen Skisport ist man schon sehr lang dabei, bis man einmal in den Europacup kommt. Freeski machen viel weniger.» Und: Auch die Weltspitze ist deutlich jünger. Mit 25 gehört man da beispielsweise schon zu den älteren Semestern. «Man hat die Hochphase sehr früh in unserem Sport», sagt Maksyagin.
Sein Ziel ist klar – er will an die Weltspitze und natürlich auch an die «richtigen» Olympischen Spiele. Doch dafür sind noch einige Schritte nötig. Derzeit befindet er sich im Rookie-Kader – das ist die unterste Stufe bei Swiss-Ski. Spätestens in der nächsten Saison will er den Sprung ins Challenger-Team schaffen.
Darüber folgen die Stufen A-Kader und Nationalmannschaft. Sie bringen bessere Rahmenbedingungen, weil der Verband diverse Kosten übernimmt, für die Maksyagin – respektive seine Familie – selber noch aufkommen muss.
Froh ist er, dass sein Ausrüster zu seinen Sponsoren zählt und er das Material zur Verfügung gestellt bekommt. Via Sporthilfe hofft er, weitere Unterstützer zu finden. Helfen dabei könnten gute Resultate. Nicht nur an den Olympischen Jugendspielen, auch danach hat er in dieser Saison noch Ziele. Im Europacup will er in die Top 5, und an der Junioren-WM Ende März in Livigno peilt er jene Medaille an, die er im August so knapp verpasst hatte.
