Der Reiz ist da – aber noch hat er sich nicht entschieden
Fischenthaler Skispringer
Kehrt Dominik Peter nach seiner Pause in den Weltcup zurück? Ausgeschlossen ist das nicht. Aber der 22-Jährige lässt sich mit dem Entscheid Zeit.
Heute tritt die internationale Skisprung-Elite in Garmisch-Partenkirchen zum zweiten Springen der Vierschanzentournee an. Es ist traditionell einer der ersten Wintersport-Grossanlässe nach dem Jahreswechsel – auf ausufernde Silvester-Festivitäten müssen die Skispringer also verzichten.
In einer normalen Saison würde das auch auf den Fischenthaler Dominik Peter zutreffen, da wäre die Tournee sicher ein Ziel für den Fischenthaler, wie sie das für jeden Athleten im Weltcup nun einmal ist. Doch die Saison 2023/2024 ist keine normale Saison – für Peter ist sie gar keine. Er lässt sie aus.
Rund drei Monate ist es her, seit der 22-Jährige seine Probleme mit der Ernährung, die der Auszeit zugrunde liegen, publik gemacht hat.
Dass er die Notbremse zog, war der Schlusspunkt hinter eine letzte Saison, die eine Achterbahn der Gefühle für ihn war, auf der es irgendwann nur noch bergab ging.
Das Bestresultat …
Auf die Tournee im letzten Jahr hatte er verzichtet nach einem äusserst schwachen Saisonstart – nicht nur von ihm, sondern vom ganzen Team. Peter sprach damals von schlechter Stimmung im Team, von «Nebenschauplätzen», die es ihm erschweren würden, sich auf sich selber zu konzentrieren.
Was da noch Andeutungen waren, wurde im Februar konkret. Swiss-Ski vermeldete den Abgang von Skisprung-Cheftrainer Ronny Hornschuh per Ende Saison. Peter begrüsste die Aussicht auf «frischen Wind und frische Energie» und sagte: «Es wird Zeit, dass uns wieder einer auf die Füsse steht.»
Ihm schien der Entscheid jedenfalls Aufwind zu verleihen. Am 18. Februar sprang er im rumänischen Rasnov auf den 7. Rang – sein klar bestes Weltcup-Resultat überhaupt. Und er schien das umzusetzen, was er wenige Tage zuvor im Zusammenhang mit der Personalie des Chefcoaches angekündigt hatte. «Nun müssen wir liefern.»
… und der Abgang
Den Worten folgten weitere Taten – doch Peter sorgte nicht mit Resultaten auf der Schanze für Aufsehen. An der WM in Planica scheiterte er auf der Normalschanze in der internen Qualifikation sehr knapp – und obwohl er sich selber «nahe an meiner Topform» sah, reiste er noch vor dem Wettkampf auf der Grossschanze ab. Der Grund war nicht sportlicher Natur, sondern seine Gefühlswelt und sein Energielevel: «Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Ich war nach drei schlaflosen Nächten am Ende.»
Später brach er die Saison komplett ab, sprach von mentaler Müdigkeit und von leerem Tank. Erstmals erwähnte er die Ernährung als «Energieräuber Nummer 1» und als seine grosse Baustelle. Da glaubte er noch, die Probleme den Sommer über in den Griff zu bekommen. Doch schon kurz nach Wiederbeginn des Trainings im Mai akzentuierten sich die Probleme. «Ich spürte kein Wohlbefinden mehr und verlor die Freude daran, täglich zweimal zu trainieren», sagte er, als er im Oktober seine Auszeit begründete.
Wieder im Training, aber bisher nicht auf der Schanze
Auf 50:50 bezifferte er damals die Chance, dass seine Karriere weitergehen wird. Er wolle Anfang 2024 wieder mit dem Training beginnen und nach einigen Wochen entscheiden, in welche Richtung es gehe.
Begonnen zu trainieren hat er nun bereits im November wieder – noch nicht auf der Schanze allerdings und auch nicht sportartenspezifisch. Obschon er den Reiz durchaus verspürte, als er etwa mitverfolgte, wie seine Kollegen am Heimweltcup in Engelberg im Einsatz standen. Und obschon er mit dem Skisprung-Verantwortlichen von Swiss-Ski immer wieder einmal in Kontakt steht. Doch Peter lotet auch berufliche Optionen aus. Noch steht seine Entscheidung nicht fest.
