Wie sie ihren Coach umstimmen will
Hinwilerin vor Tour de Ski
Die Hinwiler Weltcup-Langläuferin Anja Weber würde die Tour de Ski gerne erstmals zu Ende laufen. Sie muss ihren Trainer aber noch von diesem Plan überzeugen.
Es ist ein happiges Programm über den Jahreswechsel: Sieben Rennen in neun Tagen umfasst die Tour de Ski. Am 30. Dezember geht es in Toblach mit einem Skating-Sprint los, am 7. Januar steht zum Abschluss in Val di Fiemme das Massenstartrennen über 10 km Skating an. Im Radsport würde man von einer Bergankunft sprechen, wenn es um den Schlussaufstieg auf die Alpe Cermis geht. In Serpentinen geht es auf den letzten knapp vier Kilometern die Skipiste hoch, bis zu 30 Prozent beträgt die Steigung.
«Das ist brutal, du kämpfst dort nicht gegen andere, sondern gegen dich selber», sagt Anja Weber. Die Hinwilerin steht vor ihrer zweiten Teilnahme an der Tour de Ski – und kennt das Finale nur aus dem Fernsehen. «Als Langläuferin muss man das einfach mal gemacht haben», sagt die 22-Jährige. Sie hofft, dass sie in dieser Saison die Gelegenheit erhält – nachdem sie bei der letzten Ausgabe die Tour nach zwei der drei Stationen verliess.
Gute Resultate wären die beste Antwort
Muss sie das auch diesmal? Endet ihre Tour de Ski nach der fünften Etappe in Davos am 4. Januar? Eher ja, wenn es nach ihrem Trainer Ivan Hudac geht. «Er würde nur bis nach Davos. Aber ich will die ganze machen. Vielleicht muss er mich bremsen», sagt Weber lachend. Viel lieber will sie ihn aber mit guten Resultaten überzeugen. «Das wäre die beste Antwort.»
Nimmt man ihre bisherige Entwicklung in dieser Saison zum Mass, darf Weber durchaus zuversichtlich sein. Der Weltcup-Einstieg in Östersund misslang zwar mit der deutlich verpassten Finalqualifikation im Sprint und einem 35. Rang im Distanzrennen. Die Wettkämpfe waren in einem für Weber nicht idealen Zeitfenster nach einem Höhentrainingsblock. «Und ich brauche Anfang Saison immer etwas Zeit», sagt sie.
Ich bin weiter als zum selben Zeitpunkt in der letzten Saison.
Anja Weber
In Trondheim vor zehn Tagen sah es dann schon viel besser aus. Auch da verpasste sie im Sprint die Finals – allerdings nur um etwas mehr als einer Sekunde. Was gut und gerne damit zu tun haben kann, dass es schneite, als sie mit ihrer späten Startnummer auf die Strecke ging. Im Skiathlon (35. Rang) steigerte sie sich auf der Skatingstrecke. Und über 10 km klassisch lieferte sie zum Abschluss als 21. ihr bisher bestes Weltcup-Resultat ab.
«Ich bin weiter als zum selben Zeitpunkt in der letzten Saison», sagt sie deshalb zufrieden. «Ich freue mich auf die Tour de Ski.» Auf das happige Tour-Programm stellt sie sich ein, indem sie sich gar nicht darauf konzentriert, was da alles genau auf sie zukommt. «Ich schaue nicht aufs Ganze, sondern konzentriere mich darauf, von Rennen zu Rennen eine gute Performance hinzulegen.»
Das bedingt eine solide Vorbereitung. Über Weihnachten konnte Weber deshalb nur kurz entspannen und mit ihrer Familie feiern. Im Training ging es normal mit der Wettkampfvorbereitung weiter. Und punkto Ernährung nutzte sie die Feiertage, um die Energiespeicher zu füllen, «damit es nicht an den Reserven liegt». Insofern vertrug sich die Vorbereitung ganz gut mit den Weihnachtstagen – mit dem Verzicht auf «das eine oder andere Guetsli», wie sie lachend anmerkt.
Die Silvesterparty muss warten
Grösser ist der Verzicht für sie ohnehin an Silvester. «Ich hätte mal Lust, den Jahreswechsel so richtig zu feiern», sagt sie. «Zuletzt habe ich ihn meistens schlafend im Bett verbracht.» Das wird heuer nicht anders sein. In Toblach steht am 31. Dezember ein Rennen über 10 km klassisch an und am Neujahrstag die Verfolgung über 20 km Skating. Erst dann folgt ein Ruhetag – wobei das auch nicht Nichtstun bedeutet. «Bei uns steht dann eine kurze, aber zügige Trainingseinheit an, damit der Körper nicht aus dem Rhythmus fällt», sagt Weber.
Dass ihr Körper mit dieser Belastung gut umgehen kann, weiss sie. «Ich hatte im letzten Jahr keine Mühe, und auch zuletzt in Trondheim lief es von Tag zu Tag besser. Ich bin wirklich zuversichtlich.» Das darf sie auch sein, wenn es um die angepeilten Top-30-Ränge geht. Im Sprint könnten Finalqualifikationen realistischer werden – weil für die Tour eher Allrounder und nicht vornehmlich Sprinterinnen nominiert werden. «Für mich gilt von Tag zu Tag Vollgas», sagt sie. «Ich will konstante Rennen zeigen. Und hintenraus werden wohl alle etwas müde.»
Doch auch sie muss mit ihren Kraftreserven haushälterisch umgehen. Ihr grosses Saisonziel ist die U23-WM in Planica im Februar – und die Vorbereitung darauf fängt mit einem Höhentrainingsblock unmittelbar nach dem Ende der Tour de Ski an. Ob sie dann den Aufstieg auf die Alpe Cermis in den Beinen haben wird, entscheidet sich am 4. Januar in Davos.
