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In ihrem Duell ist noch alles offen

Der EHC Dübendorf hat keinen Stammgoalie mehr, sondern ein junges, gleichberechtigtes Duo. Das lohnt sich.

Keine klare Nummer 1: Noah Paixao (links) und Raphael De Boni kommen beim EHCD gleichberechtigt zum Einsatz.

Foto: Florian Bolli

In ihrem Duell ist noch alles offen

Dübendorfer Goalie-Duo

Noah Paixao und Raphael De Boni teilen sich die Goalieposition beim EHC Dübendorf. Mit Erfolg: Sie gehören statistisch zu den besten Erstliga-Goalies.

Die Fussstapfen sind sehr gross. 13 Saisons, über 400 Spiele, zwei Schweizer-Amateurmeister-Titel – das sind die Eckdaten von Remo Trüb. Jahrelang führte im Tor des EHC Dübendorf kein Weg an ihm vorbei. Er war die unangefochtene Nummer 1 – bis zu seinem Rücktritt nach der letzten Saison, die mit dem Abstieg in die 1. Liga endete. Seit vergangenem Mittwoch hängt Trübs Nummer 30 unter dem Hallendach im Dübendorfer Chreis.

Auf dem Eis haben gleich zwei junge Goalies seine Nachfolge angetreten: Noah Paixao (20) und Raphael De Boni (21) heisst das aktuelle Torhüterduo des EHC Dübendorf, und die beiden gehören statistisch zu den besten Goalies der Erstliga-Ostgruppe. De Boni (6 Spiele) führt mit 1,33 Gegentoren pro 60 Minuten, Paixao (8 Spiele) ist Dritter mit 1,71 Gegentreffern.

Es wird immer rotiert – ausser, einer ist krank

Bisher funktioniert die Strategie, auf zwei junge Torhüter zu setzen, also makellos. «Es war gar kein Thema, einen Routinier zu holen», sagt Trainer Reto Stirnimann. «Wir wussten ja, was wir an den beiden haben.» De Boni war in der letzten Saison schon im EHCD-Kader, und auch Paixao hatte in den vergangenen Jahren bereits den einen oder anderen Einsatz fürs Dübendorfer Fanionteam absolviert.

Beide performen gut, beide haben das Vertrauen von mir und vom Team.

Reto Stirnimann

Trainer EHC Dübendorf

Speziell ist, dass es bei den beiden keine Hierarchie gibt. Sie wechseln sich seit Saisonstart von Spiel zu Spiel ab – durchbrochen wurde das Rotationsprinzip nur, als De Boni einmal krank war. «Beide performen gut, beide haben das Vetrauen von mir und vom Team», sagt Stirnimann.

Natürlich hilft es, dass das Team Erfolg hat – Dübendorf ist Leader der Ostgruppe, der Wiederaufbau nach dem Abstieg gedeiht nach Wunsch. «Es half schon, dass wir so gut starteten», sagt De Boni. «Wir werden vom Team gut unterstützt.»

Er bedauert zwar, dass die Qualifikation in der 1. Liga nur 22 Spiele umfasst – 10 weniger als in der MHL –, sagt aber auch: «Abzuwechseln, ist tipptopp. Wir sind auf dem Eis zwar Konkurrenten. Jeder mag es dem anderen aber gönnen, wenn er gut spielt.» Paixao sagt: «Wir teilen uns diese Position zu Recht. Wir bringen beide unsere Leistung und dem Team den Erfolg.»

Schon bei der U20-Elit wechselten sie sich ab

Es ist keine neue Konstellation für das Duo. Die beiden kennen sich schon länger. Seit der Saison 2020/2021 waren sie zusammen im Kader des U20-Elit-Teams der Lions – und auch da erhielten sie beide viel Eiszeit. Beide absolvierten ihr KV an der United School of Sports in Zürich.

Und nun sind sie also beide in Dübendorf – mit dem Plan, sicher nicht in der 1. Liga zu bleiben. «Ich hätte mich eigentlich für die Swiss League oder für die MHL aufdrängen wollen», sagt Paixao. Zwei Patellasehnenrisse durchkreuzten seine Pläne. Deshalb bezeichnet er den Gang in die 1. Liga als «einen Schritt zurück, aber einen guten Schritt zurück». Und De Boni findet punkto Zukunftsperspektiven: «Mit Dübendorf Meister werden und aufsteigen und dann in der MHL Fuss fassen. Ich lasse es auf mich zukommen.»

Eishalle Im Chreis, Dübendorf Geiser Eric und  De Boni Raphael  gegen Frauenfeld  Salamin Justin
Raphael De Boni – hier in einem Spiel der letzten Saison gegen Frauenfeld – stieg mit dem EHCD in die 1. Liga ab. Nun will er zum Wiederaufstieg beitragen.

So parallel die Wege der beiden bisher verliefen, so verschieden sind sie als Torhüter. Beide loben sich gegenseitig für eine solide Technik – «man sieht bei uns, dass wir mit Markus Peter denselben Goalietrainer hatten», sagt De Boni. Über Paixao sagt er: «Er deckt eine breite Fläche ab, liest das Spiel gut und ist ein aggressiver Goalie – das fehlt mir etwas.»

Und Paixao sagt über De Boni: «Sein Fänger ist nicht von schlechten Eltern, er ist agil und schnell. Er ist kein Spektakelgoalie, sondern strahlt viel Ruhe aus. Davon würde ich mir gerne eine Scheibe abschneiden.»

Was den beiden hingegen nicht fehlt, ist ein Routinier, der ihnen Tipps geben könnte. Paixao findet: «Ganz ehrlich: Ein älterer Goalie würde uns nur Spielzeit wegnehmen. Wir müssen unsere eigenen Erfahrungen machen. Und mit Andi Laager haben wir einen Goalietrainer, der uns Inputs gibt.»

Eishalle Im Chreis, Dübendorf  Paixao Noah
Noah Paixao bei einer Parade. «Er ist ein aggressiver Goalie», sagt Raphael De Boni über ihn.

Und wer ist der bessere Goalie? «Beide!», sagt De Boni lachend. Und Paixao findet grinsend: «Ich bin froh, habe ich nicht einen arroganten und hochnäsigen Mitgoalie.»

Doch bald könnte sich die Konstellation verändern – die Playoffs nahen, und da wird es eine Nummer 1 geben – müsste man meinen. Doch Coach Stirnimann sagt: «Wir haben uns noch keine Gedanken gemacht. Aber wenn beide immer Topleistungen zeigen, gibt es eigentlich keinen Grund, etwas zu ändern.» Und Paixao sagt: «Reto Berra und Leonardo Genoni haben sich bei Davos sogar einmal in einer Playoff-Finalserie abgewechselt und wurden Meister. Wer weiss, vielleicht ist das ja bei uns auch einmal eine Story.»

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