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Jetzt schnuppert sie erstmals «so richtig» Weltcup-Luft

Damit hat sie selber nicht gerechnet: Natalie Schär hat sich für die ersten zwei Weltcup-Rennen der Saison einen Startplatz ergattert.

Das macht ihr Mut: Natalie Schär fühlt sich auf der Piste sicherer als im letzten Winter.

Foto: Swiss-Ski/Stephan Bögli

Jetzt schnuppert sie erstmals «so richtig» Weltcup-Luft

Näniker Skicrosserin

Ihre Heimat ist der Europacup. Da verfolgt Natalie Schär ehrgeizige Ziele. In diesem Winter startet die junge Oberländerin aber auf höchster Stufe.

Extrem überraschend. So hat die neue Saison für Natalie Schär begonnen. Denn für die Nänikerin heisst es vorerst Weltcup statt Europacup.

Die C-Kader-Athletin hat sich in den internen Qualifikationsläufen unerwartet einen Platz im Schweizer Team für die zwei Rennen am Donnerstag und Freitag in Val Thorens ergattert. Besser als mit einer Reise ins französische Savoyen hätte der Winter für sie gar nicht beginnen können.

Schär freut sich, «mal richtig Weltcup-Luft zu schnuppern», wie sie sagt. Die Aussage bedarf allerdings einer Präzisierung. Schliesslich ist Schär in Arosa und Veysonnaz schon zweimal auf höchster Stufe gefahren. An Heimweltcups hat der Veranstalter jedoch zusätzliche Startplätze. Die Hürden waren für Schär also tiefer. «Jetzt darf ich dank meinen Leistungen fahren», freut sie sich.

Ob die 23-Jährige indes tatsächlich startet, war sie sich im Vorfeld nicht sicher. Schär will den Kurs im höchstgelegenen Skiort Europas erst besichtigen. Und sich danach mit den Trainern beraten. «Priorität Nummer 1 ist, sich nicht zu verletzen», begründet Schär, deren eigentliche Heimat der Europacup ist, die Vorgehensweise.

Der Niveauunterschied zwischen der höchsten und zweithöchsten Stufe ist aus ihrer Sicht beträchtlich. Kommt hinzu: Der Kurs in Val Thorens zählt zu den schwereren im Weltcup.

So sah der Weltcup-Kurs in Val Thorens 2020 aus. (Video: youtube.com)

Schär checkt darum die Lage lieber erst einmal ab, wie das in ihren Worten heisst. Die Entscheidung entspricht nicht etwa einer Laune. Sie passt zu ihrer Strategie der kleinen Schritte, mit der sie sich für den Weltcup fit machen will. Vom schnellen Aufstieg beispielsweise hat sie nie geträumt.

Absagen sind Teil des Spiels

Schär war sich im Klaren: Wenn sie dann in Frankreich auf der Piste steht, dürfte ein Rückzieher einiges an Überwindung kosten. Und wohl ähnlich schwierig sein, wie wenn ein Bergsteiger kurz vor dem Gipfel umkehren muss. Unter Druck fühlte sie sich trotzdem nicht. Sie war vielmehr überzeugt: «Ich kann nichts verlieren, nur Erfahrung gewinnen.»

Von einem Rückzieher kann denn auch gar keine Rede sein. Schär trat zu beiden Qualifikationen an, verpasste es aber zweimal, sich einen der 18 Startplätze für die Rennen zu sichern. Hätte es geklappt, wäre es ihre Saisonpremiere gewesen, nachdem jüngst der Europacup-Auftakt starken Winden zum Opfer fiel. Unverrichteter Dinge mussten Schär und ihre Teamkolleginnen aus Österreich heimreisen.

«Das ist Teil des Spiels», sagt sie gelassen. Die Nänikerin möchte auch gar nicht darüber spekulieren, ob ihr ein vorgängiges Rennen zusätzliche Sicherheit für den Weltcup-Auftakt verschafft hätte. Was-wäre-wenn-Szenarien sind nicht ihr Ding.

Ihr Anspruch? Das Podest

Läuft alles wie geplant, sammelt Schär im Verlauf der Saison weitere Erfahrungen auf höchster Stufe. An Heimweltcups. Gleich drei stehen diese Saison an – in wenigen Tagen in Arosa, St. Moritz und Veysonnaz.

Priorität hat für Schär trotzdem der Europacup. Ihr Ziel ist ein ehrgeiziges: Sie will in der Gesamtwertung aufs Podest. Dafür muss sie sich gegenüber dem letzten Winter steigern. Gefragt ist mehr Konstanz.

DUEBENDORF - 14MAI22 - Swiss-Ski Fotoshooting

Duebendorf Samstag 14. Mai 2022.

© SEVERIN NOWACKI Fotograf BR Postfach CH-3001 Bern Switzerland +41 79 761 33 46 PC 30-455681-8 info@nowacki.ch www.nowacki.ch

Es ist mein Ziel, im nächsten Winter im Weltcup zu sein.

Natalie Schär

Dreimal fuhr die C-Kader-Athletin in der Saison 2022/2023 aufs Europacup-Podest. Sie musste sich allerdings viermal halt auch mit Rängen ausserhalb der Top Ten begnügen, in der Gesamtwertung wurde Schär schliesslich Sechste.

Die Oberländerin ist guter Dinge, sich steigern zu können. Sie fährt mit mehr Überzeugung – das hat sie zuletzt im Training realisiert – und fühlt sich viel sicherer. Was Schär ebenfalls in die Karten spielt: Sie ist in der Vorbereitung verletzungsfrei geblieben. Und hat im Sommer die Spitzensportler-RS absolviert. «Das war ein Superaufbau», schwärmt sie.

Nun gilt es für Schär, das Beste daraus zu machen. Und Resultate zu liefern. Sie zeichnet sich zwar durch Geduld aus, sagt aber auch unmissverständlich: «Es ist schon mein Ziel, im nächsten Winter im Weltcup zu sein.» Und zwar jeweils nicht nur auf Kurzbesuch, sondern permanent.

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