Er sorgte für das beste Sauber-Resultat der Saison
Triumph für Hinwiler «Lehrling»
Théo Pourchaire hat die Formel 2 gewonnen – doch der Sauber-Nachwuchsfahrer muss noch auf den Aufstieg in die Formel 1 warten.
Er heulte nur noch. Und stammelte ins Mikrofon: «Ich bin so glücklich. Ich liebe euch alle.» Théo Pourchaire wurde von seinen Gefühlen übermannt auf der Auslaufrunde in Abu Dhabi.
Mit einem 5. Rang im Rennen vom Sonntag sicherte sich der 20-jährigen Franzose den Meistertitel in der Formel 2. Und sorgte damit für den sportlichen Saisonhöhepunkt des Sauber-Teams.
In der Formel 1 war die Ausbeute der Hinwiler bescheiden. Für Furore sorgten die Exponenten des Nachwuchsprogramms: Vor gut einem Monat Léna Bühler mit dem Vize-Meistertitel in der F1 Academy. Und nun eben Pourchaire als F2-Champion.
Seit 2019 ist Pourchaire Teil der Sauber Academy – er gehörte zu den ersten Talenten, die in das von Ex-Teamchef Frédéric Vasseur initiierte Nachwuchsprogramm aufgenommen wurden. Vor Ort in Hinwil lässt er sich zum Rennfahrer ausbilden – und seine sportliche Entwicklung ist eindrücklich: 2019 gewann er die deutsche Formel 4, 2020 wurde er in der Formel 3 Zweiter, 2021 holte er in der Formel 2 erste Rennsiege, 2022 wurde er Gesamt-Zweiter.

Für das Naturtalent bleiben viele Türen zu
Nun also gelang ihm der bisher grösste Triumph seiner jungen Karriere. Mit «Pourchampion» überschreibt Sauber die Medienmitteilung nach dem Rennen – und lässt Sportdirektor Beat Zehnder darin sagen: «Dass Theo die Meisterschaft holt ist nicht nur für ihn, sondern für die ganze Sauber Academy die Krönung.» Der Franzose sei «ein Naturtalent wie nur wenige».

Auf alle Fälle reiht sich Pourchaire mit dem Triumph in eine Liste klangvoller Namen. Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Charles Leclerc, George Russell, Pierre Gasly, Oscar Piastri – diverse ehemalige Formel-2-Gesamtsieger sind unterdessen auch in der Formel 1 zu Siegfahrern oder gar Weltmeistern geworden.
Das Zeug dazu hätte Pourchaire womöglich auch. Zehnder sagte vor dieser Saison schon: «Er wäre reif für die Formel 1.»
Doch die Türen in der Königsklasse bleiben für den 20-Jährigen vorerst zu. Freie Cockpits gibt es für die nächste Saison keine (mehr). Pourchaire muss sich damit begnügen, weiterhin Ersatzfahrer bei Sauber zu sein. Eine Rolle, die vor allem Einsätze im Simulator und vereinzelt in freien Trainings an GP-Wochenenden umfasst. Und in der Formel 2 kann er nicht starten – Gesamtsieger dürfen in den beiden Folgesaisons nicht teilnehmen.
Irgendwo wird er Rennen fahren müssen, um so wenigstens auf dem Radar der andern Formel-1-Teams zu bleiben. Die japanische Super Formula soll eine Option sein – sie gilt als zweitschnellste Serie nach der Formel 1.
