Nun steht der Schwimmnachwuchs auf professionellem Fundament
Schwimmclub Uster
Der SC Uster wird ab Freitag an der Kurzbahn-SM im eigenen Hallenbad zu den besten Klubs gehören. Beim Nachwuchs sah das vor Kurzem noch anders aus.
Man braucht kein Hellseher zu sein für diese Prognose: Wenn sich die nationale Schwimmelite von Freitag bis Sonntag in Uster für die Schweizer Meisterschaften auf der Kurzbahn trifft, wird der Schwimmclub Uster (SCU) im Medaillenspiegel einen der vordersten Ränge belegen.
Das Bild sah in der Vergangenheit oft so aus wie 2022: Damals holten die Ustermer 24 Medaillen und damit mehr als alle anderen Klubs. Im Medaillenspiegel waren sie Zweite, weil Genève Natation elf Goldmedaillen und damit zwei mehr als Uster holte. «Natürlich wollen wir auch die meisten Goldmedaillen», sagt SCU-Präsident Philippe Walter.
Das Selbstverständnis des Vereins, der kürzlich beschlossen hat, sich wieder nur noch SC Uster statt SC Uster Wallisellen zu nennen, ist es, in der Schweiz führend zu sein. Zumindest bei der Elite.
Diese Einschränkung ist wichtig. Denn auf den Stufen Nachwuchs und Jugend, wo die 12- bis 15-Jährigen trainieren, geht es nicht um möglichst grossen Erfolg. «Da müssen wir nicht schon die Besten sein, denn wir wollen die Kinder nicht verheizen», sagt Walter. «Das ist unsere oberste Maxime.»
Der plötzliche Taucher
Und doch hat der SCU genau auf diesen Stufen aufgerüstet. Seit einem Jahr sind auch im Nachwuchs Profitrainer am Werk. Zuvor hatten sich ehemalige Athletinnen und Athleten als J+S-Leiter im Nebenamt um die rund 120 jungen Schwimmerinnen und Schwimmer im Verein gekümmert.
Das funktionierte lange eigentlich gar nicht schlecht. Die Ustermer bewegten sich an den entsprechenden Schweizer Meisterschaften unter den besten fünf bis zehn Klubs. Doch dann gab es einen Einbruch. An der Nachwuchs-SM 2022 war der SCU nur noch auf dem 18. Rang.
Der plötzliche Taucher passte nicht zu den Ambitionen – und vor allem befürchtete der Klub, dass sich dies in einigen Jahren auch auf die Elite auswirken würde. Für Klubpräsident Walter hing die Baisse auch mit Corona zusammen. «In der Pandemie wurden alle aus der Bahn geworfen. Vielleicht hätten wir uns da noch besser um unsere jungen Trainer und Coaches kümmern müssen.»
Der SCU entschied sich deshalb zu einer Restrukturierung. «Uns war klar: Wir müssen mehr Geld investieren und Profitrainer anstellen. Man muss die besten Trainer im Nachwuchs haben», sagt Walter. Mit Louis Grossmann-Wirth und Frank Trettin sind die Posten seit August 2022 besetzt, um 180 Stellenprozent handelt es sich.
Einfach so leisten kann der Klub sich das nicht. Was er in die neuen Trainer investierte, musste er andernorts einsparen. Auf eine pauschale Erhöhung der Mitgliederbeiträge verzichtete der SCU, aber die Mitglieder müssen sich künftig an gewissen Unkosten wie etwa Startgeldern stärker beteiligen. «Das Geld liegt auch bei uns nicht auf der Strasse», sagt Walter.
Sie müssen an den Finalplätzen oder am Podest schnuppern können. Aber es soll auch um Freude und nicht um Erfolgsdruck gehen.
Philippe Walter
Präsident SC Uster
Den Profitrainern hat der SCU einen klaren Auftrag mitgegeben: Nicht um Medaillen, sondern um die Entwicklung geht es. So, dass die Nachwuchstalente im Klub bleiben – und ihren Erfolgshunger nicht zu früh stillen, sondern eher wecken. «Sie müssen an den Finalplätzen oder am Podest schnuppern können. Aber es soll auch um Freude und nicht um Erfolgsdruck gehen. Sie dürfen nicht so früh schon am obersten Limit laufen», sagt Walter.
Es brauche Trainer mit einem Gespür dafür, wie viel den jungen Schwimmerinnen und Schwimmern zuzumuten sei. «Vielleicht reichen fünf oder sechs Trainings pro Woche, und es müssen nicht wie bei einem Elite-Schwimmer acht bis zehn Einheiten sein.» Sonst steigt das Risiko, dass ein Schwimmer noch vor dem Elite-Übertritt wieder aufhören muss – weil beispielsweise die Schulter nicht mehr mitmacht oder weil es ihm schlicht zu viel wird.
Etwas mehr als ein Jahr nach der Umstrukturierung zeigt sich der Erfolg: An der Nachwuchs-SM in Chiasso im Sommer war der SCU wieder an seinem angestammten Platz. Fünf andere Klubs holten mehr Medaillen.
Und Walter ist zuversichtlich, dass die kurzzeitige Baisse im Nachwuchs auf die Elite keinen Einfluss hat. «Hätten wir noch ein, zwei Jahre gewartet, hätte es Auswirkungen gehabt», sagt er. So aber kann der SCU-Präsident die Elite-SM im Buchholz gelassen mitverfolgen. Denn er weiss, dass das Fundament auch in Zukunft solide ist.
