Unruhe abseits des Rasens
Machtkampf im FC Dübendorf
Für Dübendorf war die Interregio-Saison bis anhin ein Auf und Ab. Dazu passt das Zerwürfnis zwischen dem Präsidenten und einem engagierten Geldgeber.
Die Erleichterung ist bei FCD-Präsident Markus Herzog herauszuhören. «Es war enorm wichtig, dass wir die Partie gedreht haben.» 0:2 liegen die Dübendorfer Interregio-Fussballer am Sonntag bei Halbzeit gegen Weesen zurück. Bei einer Niederlage wären sie auf den zweitletzten Platz gerutscht. «Aber der 3:2-Sieg ist nur die Hälfte wert, wenn wir nicht nachdoppeln.» Herzog spricht das Spiel vom Freitag beim noch immer sieglosen Schlusslicht Rapperswil-Jona 2 an.
Dreimal in Folge haben die Glattaler vor dem Erfolg gegen Weesen verloren. Herzog streicht deshalb insbesondere die intakte Moral heraus. Gerade wegen der Unruhe, die zuletzt von aussen ins Team getragen wurde.
Er zielt mit seiner Aussage auf Andreas Steinmetz, mit dem sich der Präsident in diesem Herbst überworfen hat. Seit Sommer 2022 unterstützt Steinmetz den Fussballklub finanziell. Der Unternehmer mit eigener Vermögensverwaltungsgesellschaft seit über 25 Jahren, bezeichnet den FCD als Herzensangelegenheit. Er spielte einst selbst auf dem Zelgli und lebte einige Zeit auch in der Stadt. Der Sponsor beschert dem Verein mit seinem Beziehungsnetz unter anderem einige neue Bandenwerber.
Zahlen, aber auch anpacken
Doch Steinmetz will nicht nur finanziell unterstützen, sondern sich im Alltag miteinbringen. So im Bereich der Neuverpflichtungen. Dies macht er bereits in der Winterpause 2022/2023, wo der FCD durch eine Transferoffensive die Basis zum späteren Sprung in die 2. Liga interregional legt. Die starke Rückrunde ist also auch ein Verdienst von Steinmetz.
Nach dem Aufstieg ist er bei mehreren Zuzügen vom FC Uster involviert. Steinmetz kennt die Spieler aus seiner Zeit beim benachbarten Ligarivalen, wo er eine ähnliche Rolle innehatte. Und mit dem damaligen Sportchef Roland Leemann einen Businessclub gründete, um die erste Mannschaft finanziell zu unterstützen.
Apropos Sportchef. Diese Position hätte der gebürtige Volketswiler Steinmetz nach seinen Erfahrungen in Uster gerne am neuen Ort innegehabt. Er habe gemerkt, dass ihm eine solche Aufgabe Spass machen würde. Und dass er einen guten Draht zu jungen Leuten habe, sagt er.
Es ging nicht um den Umfang der Aufgaben, sondern um einen Machtverlust des Präsidenten.
Andreas Steinmetz
Präsident Herzog sträubt sich aber mit dem Argument dagegen, Steinmetz wolle sich in diesem Tätigkeitsfeld nur auf die erste Mannschaft fokussieren. Dem entgegnet Steinmetz: «Ich hätte auch hier Zugeständnisse gemacht. Es ging nicht um den Umfang der Aufgaben, sondern um einen Machtverlust des Präsidenten.»
Scout, nicht Sportchef
Für ihn definiert der FCD schliesslich eine neue Funktion – die des sogenannten Scouts. Offiziell antreten darf er sein Amt erst nach der Generalversammlung von Mitte Juli, wo er vorgestellt wird. Aufgrund wiederholt vieler Mutationen im Dübendorfer Kader ist Steinmetz deshalb kurzfristig gleich stark gefordert. Trotzdem gelingen ihm noch mehrere Transfers.
Bei den Gesprächen mit möglichen neuen Spielern stellt er sich ab und zu als Sportchef vor. Dies, weil er die Bezeichnung Scout in diesem Zusammenhang als unpassend erachtet. Herzog stösst dies sauer auf. Genauso wie die Nähe zu den Dübendorfer Fussballern, die Steinmetz aufbaut und eben auch pflegt, wie er betont. So beispielsweise, wenn dieser die Spieler am Matchtag vor dem Betreten des Feldes abklatscht.
Immer wieder kommt es dadurch zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Herzog und Steinmetz. Die Trennung ist so nur die logische Folge. Herzog bestätigt den Sachverhalt, will sich dazu aber nicht öffentlich äussern. Steinmetz bekräftigt derweil, auch in jener Zeit viel investiert und «geliefert» zu haben.
Ex-Ustermer vor Absprung
Was sind die Folgen des Zerwürfnisses? Sie scheinen kurzfristig eher unerheblich – im finanziellen wie sportlichen Bereich. Einer der Zuzüge aus Uster hat das Team aber wieder verlassen. Weitere könnten nach der Vorrunde folgen. «Es wird den einen oder anderen Wechsel geben», sagt Herzog.

Kein Diskussionspunkt ist für ihn Trainer Krasniqi. Er ist zufrieden mit dessen Arbeit, auch wenn der FCD derzeit als Tabellendreizehnter unter dem Soll ist. «Es fehlen uns sechs Punkte», sagt der Präsident. Er ist gleichzeitig überzeugt davon, dass das Team das Zeug für einen soliden Mittelfeldplatz hat.
Und Steinmetz? Dieser ist weiterhin ein regelmässiger Besucher der Spiele des FC Dübendorf. Und freut sich auch so über jedes Erfolgserlebnis. Ein neuerliches Engagement ist hingegen in «seinem Herzensverein» unter den aktuellen Gegebenheiten wenig realistisch. Es beruht wohl auf Gegenseitigkeit. Auch Präsident Herzog, bereits seit 2006 im Amt, dürfte kein Interesse an einem solchen Szenario haben.