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Nun setzt Sauber zur Aufholjagd an

Wie die Hinwiler noch an Williams vorbeiziehen wollen – und wie ihre Chancen stehen.

Valtteri Bottas (links) im Duell mit Logan Sargeant: Sauber will in den letzten fünf Rennen Williams vom 7. Rang verdrängen.

Foto: Sauber Motorsport

Nun setzt Sauber zur Aufholjagd an

Endspurt in der Formel 1

Das Hinwiler Team will in den letzten Rennen der Saison noch den 7. WM-Rang ergattern. Ein Vorhaben, das nicht unrealistisch ist.

Mit dem GP von Austin in Texas biegt die Formel-1-Saison am Wochenende auf die Zielgerade ein. Drei Rennen in drei Wochen und danach bis Ende November nochmal zwei stehen noch an. Und obwohl Red Bull und Max Verstappen sich bereits die Weltmeistertitel gesichert haben, sind noch einige Entscheidungen offen.

Einer davon ist der Vierkampf im Mittelfeld, der wieder Spannung verspricht, nachdem er bereit entschieden schien. Es geht um den 7. WM-Rang. Und einer der Protagonisten ist das von der Hinwiler Sauber Motorsport AG betriebene Team Alfa Romeo.

7. Rang – das klingt unspektakulär. Im Sport geht es vordergründig um Siege und vielleicht noch um Podestplätze. Ab Rang 4 ist alles einerlei. Aus der Optik eines Formel-1-Rennstalls ist das aber anders. Je besser der Schlussrang, umso höher das Preisgeld. Wie viel an die Teams ausbezahlt wird, hängt vom wirtschaftlichen Erfolg der Formel 1 ab.

Wenn wir unseren Job richtig machen, können wir in jedem verbleibenden Rennen punkten.

Alessandro Alunni Bravi

Sauber-Teamrepräsentant

Der Verteilschlüssel ist nicht öffentlich bekannt. Man darf aber davon ausgehen, dass der Unterschied pro Rang eine zweistellige Millionensumme beträgt. Angesichts der geltenden Budgetobergrenze von rund 150 Millionen Dollar kann das einen wesentlichen Unterschied machen.

Die sechs Punkte im letzten Rennen in Katar katapultierten Sauber in den Kampf um Rang 7 zurück. Es ist eine enge Angelegenheit. Nur durch 18 Punkte sind die vier Teams am Tabellenende getrennt. Sauber hat noch sieben Zähler Rückstand auf Williams. An den letzten fünf Rennwochenenden der Saison kann noch alles passieren.

«Wenn wir unseren Job richtig machen, können wir in jedem verbleibenden Rennen punkten», glaubt Team-Repräsentant Alessandro Alunni Bravi. Sein Optimismus könnte durchaus berechtigt sein – und das gleich aus drei Gründen.

Das Entwicklungsrennen

Lange schien es, als würde Sauber an Ort treten, obwohl immer wieder kleinere Updates ans Auto kamen. Doch nun werden die Resultate davon sichtbar, gerade auch seit die Hinwiler in Singapur einen neuen Unterboden einführten – aerodynamisch eines der wichtigsten Bauteile. Und vor allem ist die Entwicklung nicht zu Ende. Auch in Austin gibt es wieder neue Teile, und Alunni Bravi sagt: «Wir werden das Auto bis zum allerletzten Rennen weiterentwickeln.»

Sauber-Hauptkonkurrent Williams hingegen hat die Entwicklung schon seit dem GP der Niederlande Ende August eingestellt. Beim Haas-Team, dessen Auto bisher ein Reifenfresser war, liegt die Hoffnung auf einem grossen Update-Paket, das nun in Austin eingeführt wird. Haas liegt nur vier Punkte hinter Sauber – doch im Normalfall dauert es nach einem grossen Update eine Weile, bis die Performance nicht nur in der Theorie, sondern auch auf der Rennstrecke sichtbar wird.

Und Schlusslicht Alpha Tauri entwickelte wie Sauber zwar das Auto von Beginn weg in kleinen Schritten, fand dabei aber auf keinen grünen Zweig.

Die Baustellen der Gegner

Bei Sauber ist zwar im Hinblick auf den Audi-Einstieg 2026 viel im Wandel, aber kurzfristig gibt es keine Diskussionen und Spekulationen: Beide Fahrer haben einen Vertrag für die nächste Saison, im September hat der neue Technikchef James Key begonnen. Alles ruhig in Hinwil also. Das gilt auch für das Haas-Team.
Bei Williams hingegen ist es ganz anders. Der britische Traditionsrennstall ist der Einzige, der noch nicht beide Fahrer für die nächste Saison bestätigt hat. Alex Albon ist unbestritten, er hat sämtliche 23 Punkte des Teams bisher geholt. Logan Sargeant hingegen steht das Wasser bis zum Hals – der Amerikaner muss nun liefern, wenn seine erste Formel-1-Saison nicht auch seine letzte sein soll.

Und Alpha Tauri steht gerade überhaupt nicht für Konstanz: Mehrere Fahrerwechsel, ein bevorstehender Führungswechsel und Diskussionen um Nähe und Distanz zum grossen Bruder Red Bull dominierten und sorgten nicht gerade für ein sportlich erfolgversprechendes Umfeld.

Die verbleibenden Strecken

Fünf Destinationen stehen noch auf dem Programm: Austin, Mexico City, São Paulo, Las Vegas und Abu Dhabi. «Austin spielt uns in die Karten», glaubt Sauber-Teamvertreter Alunni Bravi – weil hier viel Abtrieb gefragt ist. Dann folgt in Mexiko eine Strecke, auf der viel Speed gefragt ist. «Da wird es schwieriger, Williams und Alpha Tauri werden dort stark sein.»

In Brasilien ist für die Hinwiler wieder mehr möglich. Sao Paulo war in der Vergangenheit schon Schauplatz von chaotischen Rennen – und Sauber-Jubelstürmen. 2019 etwa, als Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi Vierter und Fünfter wurden. Danach folgt die Wundertüte: «Las Vegas ist neu für alle, wir wissen nicht, was wir dort erwarten dürfen.» Das Streckenlayout spricht aber wieder eher nicht für die Hinwiler – auch das ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke. Und zum Abschluss wartet mit Abu Dhabi eine Strecke, auf der wieder mehr Abtrieb gefragt ist.


Es könnte also genau umgekehrt laufen wie letztes Jahr. 2022 rettete Alfa Romeo den 6. WM-Rang gerade noch über die Ziellinie. Nach einer starken ersten Saisonhälfte punkteten die Hinwiler damals im Herbst kaum noch, im allerletzten Rennen in Abu Dhabi zog Aston Martin gar nach Punkten gleich; das bessere Einzelresultat entschied zugunsten von Sauber.

Heuer hatte Valtteri Bottas vor der Saison noch von Rang 5 geträumt. Doch dann wurde rasch klar, dass Aston Martin um Podestplätze mitfahren kann und für Sauber Rang 7 das einzige realistische Ziel sein würde. Und selbst dieses schien zwischenzeitlich unerreichbar – lange lag der Rennstall nur auf dem 9. und zweitletzten Rang.

Nun zeigt sich Bottas wieder angriffig: «Wir werden bereit sein, bis zur letzten Runde zu kämpfen.» Vielleicht gibt es ja auch wieder ein Happy End.

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