Der Captain schlägt Alarm
Oberländer Zweitligist in Krise
Die Lage beim FC Rüti ist ernst: Für den langjährigen Leistungsträger Taulant Syla gehts in der 2. Liga nur noch ums Überleben.
Er spricht nicht um den heissen Brei herum. «Die Tabelle lügt nicht. Sie ist das Spiegelbild unserer Leistungen», sagt Rütis Captain Taulant Syla. Sein Team trennt nach der 2:4-Niederlage gegen Greifensee noch ein Punkt vom Abstiegsstrich in der Zweitliga-Gruppe 2.
Und Grund für Zuversicht gibt es bei den Oberländern derzeit wenig – zumal mit Esmir Rastoder und Harbin Osmani noch zwei wichtige Leistungsträger verletzungsbedingt länger ausfallen.
Fast die ganze Last liegt somit auf den Schultern von Syla. Neun Treffer hat die offensive Lebensversicherung des FCR bereits wieder erzielt. Es ist die Hälfte aller Rütner Tore. «Ich muss gefühlt überall sein», sagt er nicht ohne Grund.
Exemplarisch steht das Meisterschaftsspiel gegen Gossau. Die Rütner korrigieren dort einen 0:2- und 2:3-Rückstand. Doch in der Nachspielzeit laufen sie noch in einen Konter – und verlieren dadurch 3:4. Syla, der alle drei Treffer erzielt, frustrieren solche Geschehnisse.
Der unersetzbare Bruder
Neben den erwähnten Ausfällen fehlt dem FCR vor allem einer: Taulants jüngerer Bruder Edison, der sein Glück seit diesem Sommer beim Erstligisten Tuggen sucht. 31 Tore erzielte er letzte Saison! Keiner war auf Stufe 2. Liga so treffsicher wie er.
«Edi ist nicht zu ersetzen», ist für Taulant Syla klar – und eine mögliche Rückkehr ist eher unrealistisch.

Er sagt: «Es geben sich alle ihre Mühe. Und den Jungen kann man keinen Vorwurf machen.» Doch es ist offensichtlich. Dem FC Rüti fehlt es mittlerweile schlicht an Qualität im Kader.
Ein möglicher Sturz in die 3. Liga ist so nahe wie lange nicht mehr. 2012 spielten die Oberländer zuletzt dort. Es ist gleichzeitig der Anfang einer Erfolgsgeschichte, mit Aufstiegen bis in die 2. Liga interregional, verbunden mit ganz viel Spektakel.
Weit über 250 Tore für Rüti
Fast immer im Mittelpunkt: Taulant Syla, der seit seinem Debüt als 15-Jähriger weit über 250 Meisterschaftstore für «seinen» FCR erzielte.
Nur einmal zieht es ihn 2017 zum FC Freienbach. Erfolgreich ist er auch dort – und doch kehrt Syla nach einer halben Saison wieder auf die heimische Schützenwiese zurück. Nur einen Steinwurf davon entfernt ist der 1,86 Meter grosse Angreifer aufgewachsen.
Jetzt mit 32 ist er nachdenklich geworden. Sein linker Fuss macht ihm seit einem Achillessehnenriss im Juni 2021 zu schaffen. «Er fühlt sich wie ein Klumpen an», sagt Syla. Er habe deshalb auch an Geschwindigkeit verloren.
Und dennoch ist der Ur-Rütner so gefordert wie noch nie. Vor dem Spiel beim FC Schaffhausen 2 sagt er: «Wenn wir uns nicht alle zusammenreissen, wird es nicht gehen.»
Sogar ein Abgang ist nicht mehr undenkbar
Es folgen für die Rütner Fussballer also Wochen der Wahrheit. Kriegen sie in diesen nicht die Kurve, ist in der Winterpause selbst ein Abgang von Syla nicht undenkbar. Und an Interessenten – wie dem FC Dübendorf – wird es dem treffsicheren Stürmer auch im fortgeschrittenen Alter nicht mangeln.
Rüti ohne Taulant Syla, es ist ein kaum vorstellbares Szenario. Als er letztmals 2021 verletzungsbedingt ausfällt, folgt postwendend der Abstieg in die 2. Liga.
