Warum Fabienne Schlumpfs «Sahnetag» noch immer nachhallt
Wetziker Marathonläuferin
Fabienne Schlumpf kann den Olympia-Marathon definitiv planen. Die Wetzikerin hofft auf konstante Wochen – und peilt wohl bald wieder einen Rekord an.
Einen «Sahnetag». Das erlebte Fabienne Schlumpf, als sie vor anderthalb Wochen am Berlin Marathon nicht nur die Olympia-Limite für Paris 2024 unterbot, sondern auch die Schweizer Rekordmarke auf 2:25:27 Stunden verbesserte.
Ein Erfolg, der nachhallt, obwohl die Wetzikerin örtlich längst wieder in gewohnten Gefilden im Engadin und im heimischen Wetzikon unterwegs ist. Verarbeitet hat sie ihn noch nicht. «Jeder Marathon braucht länger zum Verarbeiten als ein anderes Rennen», sagt sie. Weil man lange darauf hinarbeitet – und nur wenige Möglichkeiten pro Jahr hat, sein Können zu zeigen.
Und jener in Berlin war für Schlumpf aus einem weiteren Grund besonders: «Nach den letzten ein, zwei Jahren Auf und Ab ist es doppelt so schön, so etwas zu erleben», sagt sie. «Es ist nicht selbstverständlich, dass die Bedingungen stimmen, man einen guten Tag hat und alles so aufgeht wie geplant.» Eben, ein Sahnetag.
Pausen, Rückschläge, Blessuren
Alles läuft wie geplant – das galt für die Wetzikerin zuletzt oft nicht. 2022 war von einer Herzmuskelentzündung geprägt, die eine lange Trainingspause und einen vorsichtigen Wiederaufbau nach sich zog.
Dass sie den EM-Marathon in München im August letzten Jahrs laufen konnte, war für sie «fast ein Wunder». Und auch das aktuelle Jahr verlief nicht ohne Rückschläge. Mal war sie krank, mal balgte sie sich mit einer entzündeten Ferse herum, und im Trainingslager in Südafrika im März fing sie sich einen Infekt ein und musste wieder einmal eine Trainingspause einlegen.
Immerhin: Nach dem Wiedereinstieg verlief der Aufbau mehr oder weniger problemlos, die Vorbereitung auf den Berlin Marathon konnte sie nahezu wie geplant absolvieren. «Es war gut, aber nicht perfekt», sagt sie. Dann und wann passte sie den Plan an – wegen einer kleineren Blessur, aber auch, wenn sie sich einmal etwas müde fühlte.
Ich will keine Kilometerrekorde hinknallen.
Fabienne Schlumpf
Auf den Körper zu hören, das musste sie in den letzten Jahren lernen. «Früher stressten mich solche Sachen. Jetzt weiss ich: Es bringt nichts, einen Plan durchzuwürgen. Manchmal ist es besser, es den einen oder anderen Tag lockerer zu nehmen.»
Zu viele solche lockere Tage möchte sie künftig aber nicht einschieben müssen. Auch wenn das Fernziel, der Olympia-Marathon in Paris vom 11. August nächsten Jahrs, noch über zehn Monate entfernt ist. «Je mehr solide Wochen, desto besser», sagt sie. Konstanz im Training ist das Ziel. «Ich will keine Kilometerrekorde hinknallen, sondern über mehrere Wochen gute Umfänge absolvieren.» Um rund 180 Kilometer wöchentlich handelt es sich – als Richtwert. «Ich gehe nicht Ende Woche extra noch 5 Kilometer rennen, wenn es erst 175 sind», sagt Schlumpf lachend.
Derzeit sind es deutlich weniger – weil nach dem Berlin Marathon Regeneration gefragt ist. Wobei diese bei der Wetzikerin nicht einfach auf dem Sofa stattfindet. Etwas Bewegung muss immer sein – im Wasser oder auf dem Velo. Alles andere muss warten – auch, weil sich die Strapazen länger bemerkbar machen. «Beim Absitzen und Aufstehen spüre ich das Souvenir noch immer», sagte sie eine Woche nach dem Rennen in Berlin.
Pröbeln in Valencia
Und doch: Lange ist die Pause nicht. «Ich kann mich nicht so gehen lassen», sagt Schlumpf. Am 3. Dezember steht in Valencia der nächste Marathon-Start an – nur verhältnismässig kurze zehn Wochen nach ihrem Rekordlauf in Berlin also. Es ist ihr letzter Marathon vor den Olympischen Spielen.
Geplant ist derzeit einzig noch ein Start am EM-Halbmarathon in Rom im Juni. Das eine oder andere kleinere Rennen dürfte noch hinzukommen – klar ist aber: Der Fokus liegt auf Paris. Wo es nur noch um den Rang gehen wird. «Die Zeit ist da egal. Es ist coupiert, wohl warm – und ein Meisterschaftsrennen. Darauf freue ich mich.» Da gibt es keine Pacemaker, sondern Gegner und Taktiken.
Das ist in zwei Monaten in Valencia noch anders. Unter Druck steht sie dort dank der erreichten Olympia-Limite nicht, sie kann pröbeln – «es ist eine coole Situation, ich kann da eine andere Taktik wählen», sagt sie. Wie jener in Berlin gilt auch der Marathon in Valencia als ein schneller Marathon, gut besetzt ist er zudem ebenfalls. «Ein gutes Pflaster», sagt Schlumpf. Für einen nächsten Rekordlauf? Sie lacht. Ihr Plan: «Schneller anlaufen als in Berlin und dann schauen, was passiert.»
