Die Zeit für einen Schnitt ist gekommen
Oberländer Profifussballer
Beim FC Zürich ist Stephan Seiler und Ilan Sauter der Durchbruch verwehrt geblieben. Nun nehmen die Oberländer in der Challenge League neuen Anlauf.
Erstes Spiel, erster Assist, erster Sieg. Für Stephan Seiler hätte der Einstand bei der AC Bellinzona nicht besser verlaufen können. 3:1 siegten die Tessiner in der 2. Hauptrunde des Schweizer Cups gegen Schaffhausen, wobei der Mittelfeldspieler in der 23. Minute die Freistossflanke zur 1:0-Führung schlug.
Für den Wetziker ist es der erste Pflichtspiel-Einsatz seit Ende Mai, als er im letzten Saisonmatch des FC Zürich eingewechselt wurde.
Und das Cup-Los will es, dass in der nächsten Runde Bellinzona und der FCZ aufeinandertreffen. «Das musste ja so kommen», sagt Seiler mit einem Schmunzeln.
Seit rund einer Woche ist Seiler nun im Tessin. Es war gleichzeitig der Abschied vom Stadtklub, bei dem er ab 2012 sämtliche Nachwuchsstufen durchlief, und acht Jahre später in der Super League debütierte.
Nur: Zuletzt spielte der 23-Jährige bei ihm keine Rolle mehr, sodass ein Wechsel auf der Hand lag. Zwar hatte ihn der FCZ auf Anfang Jahr nach nur wenigen Monaten vom FC Winterthur zurückgeholt. Er kam in der Folge aber nur noch auf 103 Einsatzminuten in der Super League – verteilt auf drei Spiele.
Für den Oberländer war es insofern ein unbefriedigender Frühling, da die Chance auf regelmässige Einsätze beim damaligen Aufsteiger als Leihspieler erheblich grösser gewesen wären.
«Ich fühlte mich gut – und wäre gerne geblieben», sagt Seiler. Ein Grund für die vorzeitige Rückholaktion war wohl die damals ungemütliche Tabellensituation des FCZ – in direkter Konkurrenz zu Winterthur.
Spielerberater als Klubboss
Dass sich an Seilers Situation in der neuen Saison nichts mehr ändert, war in der Vorbereitung schnell klar. Es würde für ihn schwer werden, zu Einsätzen zu kommen, liess ihn Trainer Bo Henriksen in einem Gespräch wissen. Tatsächlich stand Seiler nie mehr in einem Aufgebot.
Seine neue Adresse, die AC Bellinzona, gilt allerdings nicht unbedingt als einfaches Pflaster. Allein in der letzten Meisterschaft versuchten sich vier Trainer – dazwischen musste mehrmals der Assistent ad interim einspringen. Hinter der grossen Fluktuation steht Pablo Bentancur, der Klubboss aus Uruguay, der gleichzeitig als Spielerberater tätig ist – und damit gern mal Einfluss aufs Geschehen auf dem Feld nehmen soll.
Seiler siehts unaufgeregt und spricht von einem Schritt aus der Komfortzone. Gemeint ist damit sein definitiver Abgang von «seinem» FC Zürich. Er sagt: «Eine weitere Ausleihe hätte für beide Seiten keinen Sinn gemacht. Es war Zeit für einen Schnitt.»
Trainer mit FCZ-Geschichte
Und der frühere Wetzikon-Junior ist Realist genug, um zu wissen, dass Klubs aus der höchsten Liga nach einem Jahr mit wenig Spielpraxis nicht Schlange stehen. Zu dieser will Seiler nun bei Bellinzona kommen. Dass er dabei nur einen Vertrag bis Ende Saison unterschrieben hat, kümmert ihn wenig. «Ich will mich mit guten Leistungen für ein anderes Team in der Super League oder fürs Ausland empfehlen», sagt er.
Wesentlichen Einfluss bei seinem Entscheid hatte auch der seit Anfang Saison bei der ACB im Amt stehende Trainer Sandro Chieffo. «Ich habe sofort gespürt, dass er mich unbedingt will», sagt Seiler. Chieffo hat ebenso eine Vergangenheit beim FCZ – wo er bis im Februar 2018 als Assistent von Uli Forte gewirkt hatte. Seiler trainierte in dieser Zeit schon verschiedentlich mit der ersten Mannschaft.
Der Frust nach der Rückkehr
Seiler ist nicht der einzige Profifussballer aus der Region, der bei Bellinzona unter Vertrag steht. Schon seit Meisterschaftsbeginn spielt nämlich Ilan Sauter für den derzeitigen Tabellenachten. Der Maurmer durchlief wie Seiler die Nachwuchsabteilung des FCZ – und debütierte bereits im August 2019 in der Super League. Noch in derselben Saison kommt er zu weiteren zwei Einsätzen von Beginn weg, ehe er für anderthalb Jahre an den Challenge-League-Verein Wil verliehen wird.
«Ilan wird reüssieren», ist sich Sauters früherer Trainer Albert Hohl zu dieser Zeit sicher. Und bezeichnet ihn sogar als «FCZ-Innenverteidiger der Zukunft».
Nur: Weitere Chancen sollte er, obwohl ihm gute Trainingsleistungen attestiert werden, nach seiner Rückkehr nicht mehr bekommen. «Das hat mich schon frustriert», sagt der 22-Jährige. Spielpraxis sammelt er zuletzt nur noch in der drittklassigen Promotion League.
Bei Bellinzona ist dies nun anders. Nachdem zunächst ein möglicher Wechsel zu Neuchâtel Xamax platzt, heuerte er bei den Tessinern an – und ist bei ihnen seither in der Abwehr gesetzt. Sauter hat sich in der neuen Umgebung gut eingelebt. «Ich bin zufrieden, auch wenn der Start in die Saison nicht nach Wunsch verlaufen ist.»
Grund für die Zuversicht gibt ihm insbesondere die Verpflichtung von Stephan Seiler, der nebst zwei anderen Spielern kurz vor Transferschluss zur ACB gewechselt ist. «Damit haben wir nochmals an Qualität gewonnen», sagt Sauter. Der Cup-Erfolg über Schaffhausen ist zumindest ein erstes Indiz, dass es für Bellinzona auch in der Meisterschaft aufwärtsgehen könnte – mit zwei Oberländern in einer Hauptrolle.
