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Die Hitze brachte selbst die Schnellsten an die Grenzen

Elvis Tabarach und Lydia Korir heissen die Sieger im Halbmarathon beim Greifensselauf. Und ein Thema sorgte für Dauerstoff: die Hitze.

Die hohen Temperaturen brachten die Läuferinnen und Läufer an ihre Grenzen.

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Die Hitze brachte selbst die Schnellsten an die Grenzen

Kenia-Siege am 44. Greifenseelauf

Hochsommertemperaturen prägten den Greifenseelauf. Dennoch setzten sich die Favorisierten durch: Der Ustermer Simon Tesfay läuft auf Platz 6.

Jörg Greb

Das Konzept für Hitze-Greifenseeläufe besteht seit Jahren. Trotzdem hatte sich Christian Trachsel auf ein besonders anspruchsvolles Rennen eingestellt. Nicht als Teilnehmer, sondern als leitender Rennarzt. Temperaturen um 30 Grad, der prognostizierte Sonnenschein, die hohe Luftfeuchtigkeit waren der Grund. Zusammen mit seinem Team von 100 medizinisch Ausgebildeten versuchte er sich auf die (Mehr-)Arbeit vorzubereiten und einzustellen.

Und die Vorahnung bewahrheitete sich: Deutlich stärker als bei kühler Witterung wie etwa letztes Jahr wurde das Team gefordert. Hitzeerschöpfte, Hitzschläge sowie Muskelprobleme aufgrund der Hitze galt es vor allem zu behandeln. Und auch Spitaleinlieferungen liessen sich nicht vermeiden. Aber – und das ist das Beruhigende – am Sonntagmorgen konnte Trachsel bilanzieren: «Der Hitze-Greifenseelauf ging ohne tragische und gravierende Zwischenfälle zu Ende.»

Viele Ausfälle

Ungewohnt waren die Bedingungen in diesem Hitzesommer nicht mehr. Höchst herausfordernd zum Laufen und Leisten blieben sie dennoch. Mitunter zeigte sich dies auch in der hohen Zahl von Abmeldungen schon vor dem Start. Und jene, die sich auf die Strecken begaben (es gab auch solche über 10 km, 5 km und Kinderrennen), waren gut bedient, wenn sie sich anpassten und zurückhielten. Die Endzeiten gilt es zu relativieren.

«Brutal», diese Einschätzung war unterwegs und im Ziel immer wieder zu hören. Und «Hitzeopfer» zeigten sich in verschiedensten Formen: Aufgebende am Streckenrand, Stehende, Marschierende oder Frustrierte, die in deutlich reduziertem Rhythmus «joggten» und denen das Resultat keinerlei Rolle mehr spielte. Einer davon war Janis Gächter (26), der SM-Dritte von diesem Frühling über 10’000 m.

Der Glarner läuft seit diesem Jahr für den LC Uster und wollte es bei seinem «neuen Heimrennen» besonders gut machen. Mit der Spitzengruppe lief er los. Schon nach 2 km erkannte er: «So kommt es nicht gut.» Alsdann war er allein unterwegs. Und vor Streckenhälfte gestand er sich ein: «So hingestellt hat es mich noch nie.» Seiner ersten Intuition, in Maur aufs Schiff, widerstand er. Mit T-Roy Brown, dem Bern-Amerikaner, «joggte» er bis ins Ziel. Und ein Wert steht illustrierend für sein Auf und Ab: Den 13. Kilometer lief er in 4:57 Minuten. Das Ziel erreichte Gächter schliesslich als 14. In 1:15:37 Stunden – Kilometerschnitt trotz allem: 3:35 Minuten.

Tesfay verpasst Wunschszenario

Die Bedingungen prägten das Rennen auch an der Spitze. Die Dominatoren aber blieben dieselben: Kenianer und Kenianerinnen. Bei den Männern wiederholte Elvis Tabarach seinen Sieg des Vorjahrs. Bei den Frauen gewann Lydia Korir. Beide Entscheidungen fielen knapp aus. Die Siegerzeiten kamen erwartungsgemäss nicht annähernd an die Rekordzeiten heran.

Greifenseelauf, Uster, 2023, (c)alphafoto.com
Für den Ustermer Simon Tesfay reichte es zu Platz 6.

Den Traum, seiner Startnummer – der 1 – gerecht zu werden, vermochte der Ustermer und Neo-Schweizer Simon Tesfay nicht umzusetzen. «Ich wollte riskieren und mich präsentieren», sagte er zu seiner Strategie. Doch schon vor Kilometer 5 stellte auch er fest: «Das kann nie aufgehen.» Unregelmässig, «in ständig wechselnden Intervallen» gings voran. Tesfay fiel zurück und lief bald für sich allein. «Ich wollte unbedingt ins Ziel und meinem Heimrennen die Ehre erweisen», sagte der Sieger von 2016. Und den Zuspruch, den er vom Streckenrand erhielt, bestätigte ihn in seinem Entscheid. «Den letzten Kilometer konnte ich so wieder richtig geniessen», bilanzierte er.

Die erstaunliche Leistung aus der Region erbrachte hingegen Klubkollege Ali Abdi. Nur 9 Sekunden nach Tesfay erreichte er das Ziel nach 1:09:38 Stunden. «Ja, ich sah Simon beim Aufstieg zum Kirchenhügel Uster vor mir, aber es blieb illusorisch, ihn noch abzufangen.» Um eine erstaunliche Halbmarathon-Premiere handelt es sich dennoch für den erst 21-Jährigen.

Schlumpfs neue Trainingskollegin auf Rang 3

Die prominenteste Schweizer Langstreckenläuferin, die Wetzikerin Fabienne Schlumpf, stattete dem Greifenseelauf eine kurze Visite ab. Nur acht Tage vor dem Berlin Marathon konnte für sie ein Start kein Thema sein. «Ich feuerte meine Cousine an», sagte die Olympia-Zwölfte im Marathon und Schweizer Rekordhalterin im Marathon und Halbmarathon. Ob sie den dominierenden Kenianerinnen den Sieg hätte streitig machen können?

Als Siegerin profilierte sich eine Altbekannte: Lydia Korir, 30, im Frühling bereits imponierende Siegerin des GP Bern. Um 12 Sekunden liess sie Landsfrau Hilda Kiptum hinter sich. Und um 31 Sekunden die Italienerin Elisabetta Iavarone. Zu ihr hat Schlumpf ein besonderes Verhältnis: «Ein Trainingsgspänli», sagte sie. Die Doktorandin an der ETH läuft in der TG Hütten durchschnittlich einmal wöchentlich mit ihr – auch wenn sie nicht ganz über Schlumpfs Klasse verfügt.

Mit einem Rückstand von 3:16 Minuten platzierte sich Joelle Flück vom LC Regensdorf als beste Schweizerin auf Rang 5. Sie lachte: «Ich verhielt mich gar nicht, wies angesagt gewesen wäre. Ich startete schnell und volles Risiko.» Die Rechnung ging dennoch auf.

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