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Er fand nicht die grosse Liebe – aber ein Schaufenster

Die MotoE brachte Randy Krummenacher nicht den erhofften Erfolg – sportlich zumindest. Und dennoch.

Randy Krummenacher weiss noch nicht, ob er eine zweite MotoE-Saison anhängt.

Foto: PD

Er fand nicht die grosse Liebe – aber ein Schaufenster

Oberländer Töffpilot

Randy Krummenacher schaut mit gemischten Gefühlen auf seine erste MotoE-Saison zurück – für die nächste Saison sieht der Grütner viele Optionen.

Ferien? Daran kann Randy Krummenacher nach dem letzten Rennen der MotoE-Saison in Misano noch nicht denken. Es dauert noch eine Weile, bis der 33-jährige Töffpilot aus dem Grüt entspannen und Revue passieren lassen kann, was war. Denn ihm steht eine Premiere bevor: Am Samstag um 15 Uhr startet er zum 24-Stunden-Rennen Bol dʼOr im französischen Le Castellet. Es ist eines der legendärsten Rennen im Motorradsport – vergleichbar mit den 24 Stunden von Le Mans – und Krummenacher durfte als Ersatzfahrer schon einmal schnuppern.

Nun ist er fix dabei. Das französische Privatteam Tati Beringer, das in der WM auf dem 7. Gesamtrang liegt, verpflichtete ihn für dieses Rennen, das den Abschluss der Endurance-WM bildet. Für Krummenacher könnte es der Auftakt in eine Karriere als Langstreckenpilot sein. Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung – 28 Jahre nachdem er als Bub am Bol dʼOr war, wo sein Vater als Fahrer im Einsatz stand.

Auf dem Papier wars gut

Eine emotionale Geschichte also – und es tut Krummenacher wohl ganz gut, von der MotoE-Saison etwas Abstand zu gewinnen. Denn derzeit schaut er mit gemischten Gefühlen darauf zurück. Einen Sieg und drei weitere Podestplätze holte er, das reichte zum 5. WM-Rang, womit er immerhin der beste Neueinsteiger war. «Das ist auf dem Papier positiv. Aber ich hatte mir vor allem in den letzten drei Rennen viel mehr vorgenommen.»

Ich hatte zu kämpfen und riskierte viel. Normal ist das nicht, das bin nicht ich.

Randy Krummenacher

Ausgerechnet nach seinem Sieg im Regenrennen von Silverstone passte nämlich nichts mehr zusammen. «Wir haben den Faden verloren. Zuerst brachten wir das Set-up wenigstens im Rennen hin. Doch zum Abschluss in Misano lief gar nichts mehr.» Da stürzte er gar zweimal – was für ihn überhaupt nicht typisch ist. «Ich hatte zu kämpfen und riskierte viel. Normal ist das nicht, das bin nicht ich», sagt er.

Dass sein Teamkollege Hector Garzo am Saisonfinale gleichzeitig zweimal als Zweiter auf dem Podest stand und dabei auch die schnellste Runde fuhr, macht die Sache für Krummenacher nicht leichter – auch wenn er sagt: «Ich freute mich für ihn, er ist ein guter Typ und ein guter Teamplayer.» Doch seine eigenen Resultate stimmten eben nicht. Und das lässt sich nicht nur damit erklären, dass aufgrund seiner verhältnismässig grossen Körpergrösse das Set-up des Motorrads etwas komplizierter ist.

Wo ist das Gefühl von 2019?

Krummenacher möchte dem Team keine Vorwürfe machen – «es ist sehr professionell und auf einem weltmeisterlichen Niveau». Aber: Das blinde Verständnis zwischen Techniker und Fahrer, das es braucht, um wirklich um einen Titel kämpfen zu können, vermisste er. Vielleicht kann es das nach nur einer Saison auch noch gar nicht geben, zumal sie kurz ist und keine Tests mit dem Motorrad möglich sind. «Doch das ist ja für alle gleich», sagt Krummenacher. Was er sucht, ist jenes Gefühl, das ihm 2019 zum Supersport-Weltmeistertitel verhalf. Das gewisse Etwas – wie in einer Liebesbeziehung.

Auch mit der MotoE selber hat er sich zwar angefreundet, sich aber noch nicht in sie verliebt. «Das Fahrgefühl ist extrem gut, die Klasse ist sehr professionell, ich habe viel gelernt», sagt er. «Doch der Aufwand ist sehr gross für zwei Sprints mit nur je acht Runden.»

Sie sahen offenbar: Der Krummenacher kanns immer noch ganz gut.

Randy Krummenacher

Und darum ist derzeit noch völlig offen, ob er eine zweite Saison in der MotoE anhängen wird. Sein Team Dynavolt Intact GP würde ihn gerne behalten – doch das ist nicht die einzige Option. Krummenacher spürt, dass die MotoE ein grösseres Schaufenster war als die Supersport-WM zuvor. Weil sie am TV kommt, aber auch, weil sie in den GP-Zirkus eingebettet ist.

Der Effekt davon war für Krummenacher unerwartet: Er hoffte auf ein Wachstum bei den Sponsoren, das stellte sich nicht ein. Überrascht hat ihn: «Die Insider schauten die Rennen, auch vor Ort. Und sie sahen offenbar: Der Krummenacher kanns immer noch ganz gut.» Was aufgrund der Ränge zuletzt etwas überraschen mag, aber nachvollziehbar wird, wenn man die Rennpace anschaut, die den Vergleich mit den Allerbesten nicht zu scheuen braucht.

Es liegt viel auf dem Tisch

Darum liegen nun verschiedene Angebote auf seinem Tisch – aus der MotoE, der Supersport-WM, aus der Langstrecken-WM, von in nationalen Meisterschaften tätigen Werkteams. Das ist keine schlechte Ausgangslage – und weil die MotoE-Saison schon recht früh zu Ende war, während andere Meisterschaften noch laufen, hat Krummenacher auch keinen Zeitdruck. «Ich muss nun erst einmal Abstand nehmen und das ganze Bild anschauen», sagt er. In einem Monat will er sich entscheiden, was nächstes Jahr ist – vielleicht dauert es auch noch etwas länger. Klar ist für ihn: «Mit 33 will ich mich nicht abrackern, um dann nur Zehnter zu werden. Das war wirklich anstrengend in den letzten Rennen.»

Vielleicht tut ihm das neue Umfeld am Bol dʼOr nun gut – er weiss, dass auch dort gute Leistungen ungeachtet des Schlussrangs seine Zukunft beeinflussen könnten. Streng wird es auf alle Fälle: 45 Minuten fahren, 90 Minuten Pause, wieder 45 Minuten fahren, wieder 90 Minuten Pause. 24 Stunden lang. Es ist das pure Gegenteil der MotoE-Sprints. Das behagt ihm. «Jetzt kann ich endlich viele Runden fahren. Ich habe Nachholbedarf», sagt er. Und danach dann wohl auch bald einmal Ferien nötig.

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