Nun ist der Staff der Star
UHC Uster vor der NLA-Saison
Auf dem Feld fehlen dem UHC Uster in der neuen NLA-Saison die prominenten Namen. Dafür ist der Trainerstab namhaft besetzt. Ein entscheidendes Mosaikteil?
Seiner Linie ist der UHC Uster schon lange treu – es bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig. Seine Leistungsträger muss der NLA-Klub selber ausbilden – und probiert sie dann möglichst lange in den eigenen Reihen zu halten. In der Lage, gestandene Routiniers zu verpflichten, ist man nicht.
Zumindest, was die Mannschaft angeht. Die wichtigsten Transfers betreffen nämlich vor der neuen Saison den Trainerstab. Und sie sind für Simon Meier so wertvoll, dass der Ustermer Cheftrainer beim Interview in seinem Trainerbüro im Buchholz sagt: «Für mich sitzen hier zwei Lottosechser.»
Joel Kanebjörk und Sascha Rhyner sind die beiden Angesprochenen. Sie sind Meiers neue Assistenztrainer und füllen eine Lücke, die den Chefcoach nicht erst seit diesem Jahr beschäftigte. «Der Staff war zuletzt latent unterbesetzt», sagt Meier. Er war teils ganz allein, teils stand ihm Jürg Kihm zur Seite, der sich auch aus beruflichen Gründen nicht öfter einbringen konnte.
Qualität – und nicht nur Hütchentrager
Im Klub wuchs auch aufgrund der Analyse der letzten Saisons das Bewusstsein dafür, dass die Arbeit auf mehr Schultern verteilt werden muss. Und für Meier war klar: Qualität ist wichtig. Er wollte nicht einfach Leute, die ihm die Hütchen hinterhertragen. «Ein Teil der Analyse sitzt nun hier», sagt er.
Ihre Qualitäten muss man nicht lange suchen. Kanebjörk ist zweifacher Weltmeister und zweifacher WM-Silbermedaillengewinner. 2018 kam er für zwei Saisons nach Uster, war dann zwar meist verletzt, rückte aber damals schon in eine Assistentenrolle. «Jeder hat damals gesehen, was für einen grossen Einfluss er auf die jungen Spieler hat», sagt Meier.
Er hatte als Spieler nicht zwingend das Talent, Weltmeister zu werden. Aber er hat das trotzdem erreicht.
Simon Meier über Joel Kanebjörk
Spricht er über die Vorzüge des Schweden, fällt rasch und oft das Wort «Mindset» – Mentalität also. Und es ist weniger die reine Siegermentalität gemeint, sondern die Einstellung, dass man sich den Erfolg erarbeiten kann: «Er hatte als Spieler nicht zwingend das Talent, Weltmeister zu werden. Aber er hat das trotzdem erreicht.»
Kanebjörk nickt und grinst, als er das hört. Der Schwede suchte selber den Schritt zurück in die Schweiz, nachdem er in seiner Heimat bereits Erfahrung als Assistent gesammelt hatte. «Man lernt viel, wenn man sein Umfeld und sein Land einmal verlässt», sagt er. Dabei geht es ihm nicht um sportlichen Erfolg. Sein Antrieb: die Spieler und sich selber weiterzuentwickeln. Uster scheint ihm dafür ein gutes Pflaster. «Hier wird professionell gearbeitet, Sascha und Simon sind sehr erfahrene Trainer.»
Ich habe Uster immer als seriös arbeitenden Verein wahrgenommen auf Nachwuchsstufe, der auf Erwachsenenstufe dann die PS nicht so recht auf den Boden bringt.
Sascha Rhyner
Rhyner sagt: «Die Eigenschaft, die Joel als Spieler hatte, braucht der UHC Uster für den nächsten Schritt.» Er selber war unter anderem schon Chefcoach bei den Männern von Zug United und kennt Uster aus der Gegner-Perspektive. Auch er nahm Notiz vom Effekt Kanebjörks auf die Equipe. Und er sagt: «Ich habe Uster immer als seriös arbeitenden Verein wahrgenommen auf Nachwuchsstufe, der auf Erwachsenenstufe dann die PS nicht so recht auf den Boden bringt.»
Man könnte auch sagen: nicht immer auf den Boden bringt. Denn dreimal in den letzten sechs Jahren erreichte das Team die Playoffs, dreimal nicht. In der vergangenen Saison fehlten den Ustermern als 11. zwar drei Ränge – aber nur vier Punkte. «Wir wollten den nächsten Schritt tun, das ist nicht gelungen, dafür darf man uns auch kritisieren», sagt Meier.
Und nun ist also der Staff der Star – zumal dem Team mit Patrik Doza die namhafte Figur schlechthin auf dem Feld abhanden gekommen ist.
Auf dem Papier gehört Uster also zu den schlechtesten Teams der Liga. Assistenzcoach Rhyner schätzt die Ausgangslage hinter der Spitze aber relativ eng ein: «Die Top 4 sind deutlich weg vom Rest. Danach hängt sehr viel davon ab, wie man in die Saison hineinkommt. Je nachdem ist dann zwischen Rang 5 und 11 vieles möglich.»
Im Ustermer Kader gab es mehr Wechsel als erwartet – und dabei kamen einmal mehr Routine und Skorerpunkte abhanden. «Mit Fluktuation wird man immer konfrontiert sein. Letztes Jahr hatten wir kaum Wechsel, und der nächste Schritt gelang uns trotzdem nicht», sagt Chefcoach Simon Meier. Wichtig sei ihm, ob «unsere jungen Spieler mit viel Potenzial» blieben. Das war der Fall.
Prominentester Abgang ist jener von Patrik Doza Anfang September. Sein Rücktritt hatte sich aufgrund der Verletzungsgeschichte abgezeichnet, Doza fehlte schon in der letzten Saison lange. «Nichts und vieles» ändere der Rücktritt, sagt Meier deshalb. Doza war zeitweise Ligatopskorer – mit seiner Quote wäre er gut und gerne für 60 Punkte in einer Saison gut gewesen. «Das zu kompensieren, wird keine leichte Aufgabe», sagt Meier. Eine wichtige Rolle könnte Daniels Janis Anis spielen; der 21-Jährige war letzte Saison der zweitbeste Ustermer Skorer. Und Claudio Schmid ist zwar von seiner schweren Knieverletzung noch nicht ganz genesen – er wird aber mit seiner Rückkehr zusätzliche Entlastung bringen.
Hinzugekommen sind mit dem finnischen Stürmer Joona Alatorvinen und dem schwedischen Verteidiger Jacob Kauppinen zwei Ausländer, die keine grossen Namen tragen, für Meier aber «wertvoll sind, weil sie sich super integriert haben». Und die weiteren externen Zuzüge passen ins Beuteschema: Spieler mit Entwicklungspotenzial, die andernorts keine Perspektive sahen.
Kann diese neue Konstellation der entscheidende Faktor sein? Meier wird deutlich: «Es wird der entscheidende Faktor sein. Davon bin ich felsenfest überzeugt.» Er selber ist zwar Chefcoach, sagt aber: «Wir sind alle auf Augenhöhe. Es ist entspannend für mich, wenn ich nicht den ganzen Rucksack selber trage, sondern weiss: Da sind noch zwei andere, die meinen Job locker auch machen könnten.»
Die grobe Aufteilung skizziert Meier so: «Joels Stärke liegt stark auf der persönlichen Ebene, er kann mit Spielern eins zu eins arbeiten und sie weiterentwickeln. Sascha ist ein guter Kommunikator, er kann das Team mitreissen und aufzeigen, wohin die Reise gehen soll.» Und Meier selber? Er bezeichnet sich als «Typ für das Big Picture», dem es lieber ist, wenn andere sich in Details verbeissen.
Sechs Augen sehen mehr als zwei
Alles auf den Kopf stellen will der vergrösserte Staff nun aber nicht. «Wenn wir Details verbessern, kann der Effekt gross sein», sagt Rhyner. Ein ganz profaner Vorteil: Sechs Augen sehen mehr als zwei. «Wenn man zu dritt ist, fällt einem mehr auf. Und es gibt den Spielern ein anderes Gefühl.» Anders gesagt: Zu dritt lässt es sich besser führen als allein.
Und mehr Führung ist gefragt – das ist laut Meier eine Erkenntnis aus der letzten Saison. «Es ist an uns, aus dem Notfallmodus herauszukommen und wieder klar zu formulieren, was wir wollen.» Die zweite Hälfte der letzten Saison war quasi ein Dauer-Ausnahmezustand, als teils fast ein Dutzend Stammspieler verletzt fehlten. Die Entwicklung des Teams blieb dabei auf der Strecke. «Wenn du im Notfallmodus bist, arbeitest du nicht mehr am Schwimmstil, sondern schaust, dass du nicht untergehst», sagt Meier.
Oft gebeutelt, nie zerbrochen
Eine weitere Erkenntnis: Die Verletzungsanfälligkeit war zu hoch. Deshalb steigen die Ustermer mit einem etwas breiteren Kader in die Saison und haben Anpassungen im Sommertraining vorgenommen. Um nicht noch einmal in den Teufelskreis der letzten Saison zu geraten, der bis in die Ligaqualifikation führte, in der sich die Ustermer aber letztlich souverän durchsetzten.
Etwas Gutes hatte die Verletzungsmisere für Meier allerdings: «Die zweite Hälfte der letzten Saison gab uns auch Selbstvertrauen. Das Team ist nie auseinandergefallen. Und für viele junge Spieler war diese Phase nicht einfach – aber sie sind gereift.»
