Deshalb ist dieser Tennis-Profi eng mit Egg verbunden
Höhepunkt an Grand-Slam-Turnier
Yuriko Lily Miyazaki hat in der Region das Tennisspielen erlernt. Am US Open ist es nun zu einem besonderen Wiedersehen mit Belinda Bencic gekommen.
Kaum einer dürfte es wissen. Das Spiel zwischen Belinda Bencic und Yuriko Lily Miyazaki am US Open war eine Art Schweizer Duell.
Weshalb? Miyazaki hat einen Teil ihrer Kindheit in der Region verbracht. Als 5-Jährige zieht sie aus Japan mit ihren Eltern – einem Banker und einer Konzertpianistin – nach Egg und beginnt mit Tennisspielen.
Beim Grand-Slam-Turnier von New York kommt es durch ihren Einzug in die 2. Runde zum vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere. Im Alter von 27 spielt sie erstmals auf der Tour gegen Bencic, Olympiasiegerin von 2020 und derzeitige Weltnummer 14.
Tatsächlich trafen Miyazaki und Bencic allerdings schon einmal an einem Juniorinnenturnier in Baden aufeinander.
«Sie erinnert sich wahrscheinlich nicht mehr. Ich war etwa 9 Jahre alt und sie 7. Trotzdem schlug sie mich», sagt Miyazaki in einem Interview mit «SRF». Wenig später verlässt sie mit ihrer Familie die Schweiz – und zieht nach London.
Akribisch von klein auf
Das ist ganz lange her. Und trotzdem ist der Kontakt nach Egg nie ganz abgebrochen. Erst rund ein Jahr ist es her, seit sie letztmals auf der Sportanlage Schürwies trainierte. Der Grund dafür heisst Herold Super, Tennislehrer beim TC Egg. Bei ihm schlägt Miyazaki die ersten Bälle –und mit ihm ist sie noch immer eng verbunden.
Lily hatte schon als kleines Mädchen eine Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Das hat mir imponiert.
Herold Super, Tennislehrer TC Egg
Der Holländer ist damals Headcoach des Tennis-Centers Stork in Oetwil am See. «Lily hatte schon als kleines Mädchen eine Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Das hat mir imponiert», sagt Super.
Exemplarisch dafür steht für ihn die Akribie beim Aufschlagspiel, dass sie als 5-Jährige im Training unentwegt übte, und so schnell einmal hintereinander gegen 300 Bälle aus dem Tenniskorb nimmt. «Dieser Fleiss trägt sie durchs ganze Leben», sagt Super.
Nach dem High-School-Abschluss in London geht Miyazaki, die für Grossbritannien antritt, an die Universität nach Oklahoma (USA). Sie spielt dort College-Tennis – bis sie ihren Master in der Tasche hat.
Bereits 25 Jahre alt ist sie, als sie ganz auf die Karte Sport setzt. Miyazaki ist damit eine Ausnahme im Tennis-Zirkus. Belinda Bencic etwa gab schon kurz nach dem 17. Geburtstag ihr Debüt auf der Profitour.
Miyazaki gewinnt Ende 2019 ein mit 15000 Dollar dotiertes ITF-Turnier in Tunesien, und legt nur wenige Monate später in Yokohama nach. Dann wird sie von Corona ausgebremst.
Bis die Japanerin erstmals auf der ganz grossen Bühne auftritt, dauert es deshalb bis im Sommer 2022. Ausgerechnet in Wimbledon schafft es Miyazaki dank einer Wild Card ins Hauptfeld. Dort fordert sie Caroline Garcia, der heutigen Nummer 7 im Weltranking, einiges ab – und unterliegt erst im dritten Satz im Tie-Break.
Zu nervös für einen Coup
Miyazaki selbst hat sich bis zum Aufeinandertreffen mit Bencic bis auf Position 198 verbessert. Das Duell mit der Schweizer Ausnahmespielerin in New York verdient sie sich dank drei Siegen in der Qualifikation und dem Erstrunden-Erfolg.
Rund 90 Minuten dauert die Partie, welche die Favoritin schliesslich standegemäss 6:3, 6:3 für sich entscheidet. «Sie war zu nervös», sagt Trainer Super. Im zweiten Satz gelingt ihr zumindest ein Servicedurchbruch.
Durch die guten Ergebnisse am letzten Grand Slam 2023 wird Miyazaki einen grossen Sprung in der Weltrangliste machen. Sie bekommt damit die Möglichkeit, an grösseren WTA-Turnieren teilnehmen zu können.
Gegen stärkere Gegner noch mehr Konstanz hinkriegen – das sind für Super die Grundvoraussetzungen. «Es ist für Lily noch ganz vieles möglich», ist er überzeugt.
Über weitere gute Ergebnisse oder einen nächsten Besuch im Tennisclub würde man sich auch beim TC Egg freuen. «Sie hat sich als Kind bei uns total wohlgefühlt, der Abschied ist ihr als 10-Jährige nicht leicht gefallen», sagt Super.
Dass es Miyazaki in der Schweiz gut gefallen hat, ist auch im SRF-Interview zu spüren. Einzig bei der letzten Frage, ob sie denn noch Schweizerdeutsch spreche, kommt sie kurz ins Nachdenken. Sie verneint und schiebt dann ein herzhaftes «Grüezi mitenand» hinterher.
