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Der «König» hat noch lange nicht genug

Der Weisslinger Steinstösser Urs Hutmacher triumphiert beim Unspunnen – und bekommt ganz viel Lob vom geschlagenen Dominator.

Die Nächstklassierten Remo Schuler (links) und Simon Hunziker heben Unspunnen-Sieger Urs Hutmacher in die Höhe.

Foto: Keystone

Der «König» hat noch lange nicht genug

Weisslinger Steinstösser

Weisslingen ist stolz auf Urs Hutmacher: Er triumphiert nicht nur beim Unspunnen – sondern hat auch sonst dem bisherigen Dominator den Rang abgelaufen.

Es ist schon spätabends. Und es regnet Bindfäden, als Urs Hutmacher, flankiert von einem Fahnenträger, beim Feuerwehrdepot in Weisslingen empfangen wird. «Das halbe Dorf ist dort gestanden», sagt Hutmacher.

Sie alle wollen ihren «König» sehen, wie er auf einem Transparent bezeichnet wird. Der 29-Jährige bekommt stehende Ovationen – das miserable Wetter verkommt da zur Nebensache. Auch Gemeindepräsident Pascal Martin ist vor Ort, um zu gratulieren.

Nur wenige Stunden vorher hat Hutmacher vor 16’000 Zuschauern das Unspunnen-Steinstossen gewonnen. «Schon nach dem zweiten Stoss meiner Konkurrenten wusste ich, dass mir der Sieg nicht mehr zu nehmen ist. Da habe ich nochmals voll angegriffen», sagt er. Er stösst den 83,5 kg schweren Stein 3,98 m weit – und damit einen Rekord.

Noch letztes Jahr hatte er am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln hinter Remo Schuler den zweiten Platz belegt. Der Schwyzer war auch der Titelverteidiger am Unspunnen und zollte hierher Hutmacher grossen Respekt. «Er ist mir in allen Belangen überlegen. Er ist technisch besser, schneller auf den Beinen, grösser und erwischte eine tollen Tag», sagte Schuler gegenüber dem «Boten der Urschweiz». Für Schuler war deshalb der erste Grosserfolg des 1,86 m grossen und rund 120 kg schweren Oberländers keine Überraschung – sondern nur eine Frage der Zeit.

Oberturner und Leichtathlet

Tatsächlich hat Hutmacher sich, seit seiner ersten Finalqualifikation am ESAF im Jahr 2019, kontinuierlich verbessert. Nahezu täglich trainiert er neben seiner Arbeit in Rüti, wo er für einen Verpackungsmaschinen-Produzenten tätig ist. Einerseits in seinem TV Wislig, wo er Oberturner ist. Und dann in der LV Winterthur, wo der technische Bereich im Vordergrund steht. Daneben bestreitet Hutmacher individuell drei oder vier Krafteinheiten.

Urs Hutmacher (1. Platz) in Aktion beim Steinstossen, beim Unspunnen-Schwinget 2023, am Sonntag, 27. August 2023 auf der Hoehenmatte, in Interlaken. Das Unspunnenfest findet alle sechs Jahre statt und gilt nach dem Eidgenoessischen als zweitgroesstes Schwingfest in der Schweiz. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Der Weisslinger Urs Hutmacher wirft den 83,5 kg schweren Stein am Unspunnen 3,98 m weit.

In der Leichtathletik hatte es ihm unlängst an den Schweizer Meisterschaften in Bellinzona zu Bronze im Kugelstossen gereicht. Sein Fokus in der Saison gehört dennoch dem Steinstossen. Jetzt kann Hutmacher sagen: «Alles ist aufgegangen.»

Jahreswertung als Ansporn

Anlass genug, um es ruhiger anzugehen? Nein. Grund dafür ist die neu vom Verband eingeführte Jahreswertung. An 26 Wettkämpfen wird damit der beste Universal-Steinstösser gesucht. Noch bis zum 24. September stehen fast jedes Wochenende für die Rangliste zählende Steinstossen auf dem Programm. Doch eigentlich kann der führende Hutmacher, aufgrund des grossen Vorsprungs, gar nicht mehr von der Spitze verdrängt werden.

Und der Weisslinger ist bereits voller Pläne fürs nächste Jahr. So stehen für ihn dann die vom LV Winterthur organisierte Leichtathletik-SM und weiter das Steinstossen im Vordergrund – mit dem Eidgenössischen Jubiläumsschwingfest in Appenzell als Höhepunkt.

Gedanken, sich in verwandten Sportarten auszuprobieren, hat Hutmacher hingegen gar nicht. Schon mehrfach war er aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen als Bob-Anschieber sowie vom Winterthurer Rugby- und American-Football-Club angefragt worden. «Man kann nicht alles machen», schliesst er einen Spartenwechsel aus. Lange überlegen musste er deswegen nie. Dafür ist ihm die Kollegialität im TV Wislig und bei den Leichtathleten viel zu wichtig.

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