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Wer zu wenig Schiedsrichter stellt, muss tief in die Tasche greifen

Wie steht es um die Schiedsrichter im Oberland: Welche Klubs sind gut aufgestellt - und welche tun sich schwer? Unsere Übersicht.

Der Gossauer Zweitliga-Spieler Alessio Perot ist mit einem Entscheid des Schiedsrichters nicht ganz einverstanden.

Archivfoto: Christian Merz

Wer zu wenig Schiedsrichter stellt, muss tief in die Tasche greifen

Klubs drohen Bussen

Einige Vereine aus der Region tun sich schwer, genug Schiedsrichter zu stellen. Wer zu wenig hat, muss tief in die Tasche greifen.

Die Talsohle scheint durchschritten. Rund 690 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zählt der Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) wieder. Und die Hoffnung besteht durchaus, dass sich nach dem Grundkurs für Neueinsteiger von Ende August diese Zahl weiter verbessert.

«Wir sind nicht mehr so arg unter Druck», sagt Andreas Baumann. Der Volketswiler leitet die Abteilung Schiedsrichter im FVRZ.

Der Hilferuf vor einem Jahr, als der Regionalverband mit einem Brief an die Vereine über die alarmierenden Zahlen informierte, hat somit seine Wirkung nicht verfehlt. Unter 680 war der Bestand gefallen, sodass die Schiedsrichterabteilung erste Sofortmassnahmen ergreifen musste, und im letzten Herbst einzelne Runden in der 3. Liga sogar unter der Woche ansetzte.

Wieder für etwas Entspannung sorgte dann der Einsteigerkurs in diesem Frühling, den 53 Personen erfolgreich absolvierten. Erfreulich auch: Unter den sechs teilnehmenden Frauen schafften fünf die Qualifikation.

6 Spiele pro Halbjahr sind nötig

Und trotzdem: Selbst wenn die Anzahl der Rücktritte im Vergleich der letzten beiden Jahre wieder etwas zurückgegangen ist, von einer eigentlichen Entschärfung der Situation kann noch nicht gesprochen werden. Dieses Bild zeigt sich auch mit Blick in die Region, wo doch einige Klubs Mühe haben, den vom FVRZ geforderten Koeffizienten an Schiedsrichtern zu erfüllen (siehe Grafik).

Die Spielregeln dafür sind eindeutig: Für jedes Aktiv- und Seniorenteam muss der Verein einen Schiedsrichter stellen, der wiederum mindestens sechs Spiele pro Halbjahr leitet.

«Dieser Wert wurde zuletzt von rund 10 Prozent aller Spielleiter nicht erfüllt», sagt Baumann. Die entsprechenden Schiedsrichter werden in der Wertung abgezählt. Dazu kommt, dass die Zweitliga-Teams der Vereine neuerdings sogar doppelt zählen. Der Grund dafür: Die Partien ab dieser Stufe werden von einem Trio geleitet.

Erfüllt ein Klub den nötigen Koeffizienten nicht, hat dies schnell Konsequenzen. In diesem Fall wird das ligatiefste Team bei den Männern aus dem Spielbetrieb gestrichen. Will der Verein dies umgehen, kann es sehr schnell teuer werden. Eine Gebühr von 2000 Franken muss er nämlich für einen fehlenden Schiedsrichter pro Halbjahr entrichten. Fehlen sogar zwei oder mehr, sind weitere 500 Franken fällig.

Wir hätten lieber Schiedsrichter als Einnahmen durch Bussen.

Andreas Baumann, Leiter Abteilung Schiedsrichter beim FVRZ

Bussen allein lösen aber nur zum Teil das Problem. Das weiss auch Schiedsrichter-Chef Baumann. Er bekräftigt deshalb: «Wir hätten lieber Schiedsrichter als Einnahmen durch Bussen.» In der Praxis werden so einfach die gestandenen Schiedsrichter überproportional gefordert, indem sie Woche für Woche Mehreinsätze leisten.

Das Problem von oben lösen

Nicht gut sieht es insbesondere beim FC Dübendorf aus. Die Glattaler verfügen derzeit über nur einen Schiedsrichter, gehen aber mit vier zählenden Mannschaften in die neue Saison.

«Wir versuchen auf allen Kanälen, neue Schiedsrichter zu finden», sagt Präsident Markus Herzog. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Er stört sich in diesem Bereich auch an einer schon vor etlichen Jahren aufgestellten Hürde. Schiedsrichter, die den Verein wechseln, zählen erst nach mehreren Jahren für den Verein.

Der Verband wirkt mit dieser Regelung einem möglichen Transfermarkt entgegen. Dies, nachdem in der Vergangenheit immer wieder mal Schiedsrichter durch monetäre Anreize abgeworben worden waren.

Ebenso in einem schwierigen Rank ist der FC Effretikon, der für die massgebenden sieben Teams nur vier Schiedsrichter stellt. Der Drittliga-Verein versuchte unlängst mit einem Mini-Schiedsrichter-Projekt, potenzielle neue Spielleiter zu gewinnen. Der Versuch wurde aber abgebrochen.

«Wir haben keinen freiwilligen Verantwortlichen gefunden», bedauert Präsident Rainer Bierbrodt. Für ihn sind vor allem die negativen Einflüsse auf und neben dem Platz der Grund, weshalb sich nicht mehr als Schiedsrichter engagieren. «So bleibt oft nur der Weg, finanzielle Anreize zu schaffen, um die Aufgabe schmackhaft zu machen. Leider lockt dies wiederum auch diejenigen an, die nicht besonders geeignet sind», sagt er.

Das Problem muss von oben gelöst werden.

Rainer Bierbrodt, Präsident FC Effretikon

Doch wie dagegen vorgehen? «Das Problem muss von oben gelöst werden», findet Bierbrodt. Schon in der Super League sollten verbale Aussetzer konsequent bestraft werden. «So lange die Kids am TV sehen, dass sich Profis im Umgang mit den Schiedsrichtern praktisch alles erlauben können, ist es kein Wunder, dass schon die Jüngsten ausfällig werden», sagt er.

Die Betreuung ist essenziell

Auf der anderen Seite der Oberländer Skala stehen Klubs wie Wetzikon (10 Schiedsrichter), Volketswil (9) oder Uster (9), die bei der Rekrutierung erfolgreicher sind. Für FCU-Präsident Rico Maurer ist die Betreuung der Schiedsrichter ein wesentlicher Faktor. Zudem bezahlt der Verein den Schiedsrichtern halbjährlich eine Spesenentschädigung. Und übernimmt in regelmässigen Abständen auch die Kosten der Ausrüstung. «Wir sind deshalb seit einiger Zeit gut aufgestellt», sagt Maurer, der selbst drei Jahre lang als Schiedsrichter amtete.

Wer sich gut um seine eigenen Schiedsrichter kümmert, hat deutlich weniger Probleme.

Andreas Baumann, Leiter Abteilung Schiedsrichter beim FVRZ

Noch komfortabler aufgestellt ist der FC Greifensee, der für die massgebenden fünf Teams derzeit sogar sieben Schiedsrichter stellt. «Die meisten Neuen können wir über unsere eigenen Schiedsrichter gewinnen», weiss FCG-Präsident Pascal Seifert.

Für FVRZ-Funktionär Baumann ist es erwiesenermassen die beste Rekrutierungsmöglichkeit. Er sagt: «Wer sich gut um seine eigenen Schiedsrichter kümmert, hat deutlich weniger Probleme.»

Ein Bonus als Belohnung

Und Klubs wie Greifensee werden für ihre Leistungen in diesem Bereich inskünftig vom FVRZ belohnt. Der Regionalverband hat eben neu eingeführt, dass ab dem zweiten über dem Koeffizienten berechneten Schiedsrichter Ende Jahr jeweils ein Bonus ausbezahlt wird.

Dieser dürfte sich in einem etwa mittleren dreistelligen Betrag bewegen, sodass diese Vereine ungefähr die Kosten für den Grundkurs und die Ausrüstung rückerstattet bekommen.

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