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Er ist die Konstante unter dem Radar

Beim FCZ gehört Lindrit Kamberi bereits zu den festen Grössen. Seinem Heimatort Volketswil ist der Profifussballer aber noch immer eng verbunden.

Erst zwei Gegentore musste der FCZ in dieser Saison bisher einstecken – es ist auch ein Verdienst des Volketswilers Lindrit Kamberi.

Foto: Keystone

Er ist die Konstante unter dem Radar

Profifussballer aus Volketswil

Lindrit Kamberi hat sich als verlässlicher Verteidiger beim FCZ schnell etabliert. Für den Volketswiler ist dies kein Grund, um grossspurig aufzutreten.

Ihm gehören beim FC Zürich nicht die grossen Schlagzeilen.

Höchste Zeit also, Lindrit Kamberi im «Home of FCZ» etwas näher kennenzulernen. Dieses befindet sich seit etwas mehr als einem Jahr direkt an der Stadtgrenze in Schwamendingen. Alles ist so quasi unter einem Dach. Ganz in Holz ist das neue Trainingszentrum gekleidet und sticht dadurch auf dem weitläufigen und vor allem eher seelenlosen Gelände heraus.

Der Fussballprofi aus Volketswil ist begeistert von der Infrastruktur. Kamberis Blick schweift dabei vom offenen Aufenthaltsraum durchs grosse Frontfenster direkt auf den Naturrasen daneben. «Hier trainieren wir», sagt er. Die Freude ist ihm im Gesicht anzusehen.

Es ist ein Quantensprung zum alten Umfeld, wo sich die FCZ-Stars im Alltag auf der Allmend Brunau bewegten. Und für Kamberi zusätzlich angenehm: Von der elterlichen Wohnung aus, in der er nach wie vor lebt, ist er nun innert weniger Minuten auf dem Trainingsgelände.

Seit dem letzten Drittel der Meistersaison 2021/2022 ist Kamberi beim FC Zürich mittlerweile Stammkraft. «Ich habe wohl 90 bis 95 Prozent aller Spiele gemacht», rechnet der Innenverteidiger vor. Er hat in dieser vermeintlich kurzen Zeitspanne schon eine breite Palette des schnelllebigen Geschäfts erlebt – mit drei verschiedenen Trainern.

Kamberi spielt nach dem Titelgewinn erstmals europäisch und rutscht gleichzeitig mit dem FCZ in die Meisterschaftskrise. «Wir waren uns die Doppelbelastung nicht gewöhnt», sagt der 23-Jährige.

So richtig aufwärts geht es mit den Stadtzürchern erst zum Anfang dieses Jahrs. Durch deutlich konstantere Leistungen verabschieden sie sich bald aus der Abstiegszone. Und dieser Positivtrend hält an. Nach vier Runden in der neuen Saison führt der FCZ ungeschlagen sogar die Tabelle an. Beim letzten Sieg gegen Stade Lausanne-Ouchy reiht sich Kamberi sogar unter die Torschützen ein.

Es ist ein Hoch, das für viele eher überraschend kommt. Nur schon deshalb, weil der FC Zürich in diesem Sommer wiederholt seinen besten Torschützen verliert und auf dem Transfermarkt eher passiv agiert. «Dafür stimmen die Automatismen», kontert Kamberi und verweist auf die eingespielte Defensive.

Tatsächlich musste der FCZ erst zwei Gegentore einstecken. Es ist nicht zuletzt ein Verdienst von Kamberi. Bis anhin bildete er in jedem Meisterschaftsspiel mit Neuverpflichtung Fabio Daprelà und Nikola Katic den Abwehrverbund. Im Tor zählt Yanick Brecher seit Jahren zu den konstantesten Kräften der Super League. «Jeder weiss, wie der andere tickt», sagt Kamberi.

Als «Züribueb» ein Vorbild

Neben diesen «Alphatieren» hat der Volketswiler schnell seine Rolle gefunden – und damit auch arrivierte Akteure wie Mirlind Kryeziu oder den mittlerweile weitergezogenen Fidan Aliti verdrängt. «Lindrit hat sich dank seiner Verlässlichkeit und Zweikampfstärke zum Leistungsträger entwickelt», sagte unlängst der ehemalige FCZ-Sportchef Marinko Jurendic. Dazu kommt: Als eigentlicher «Züribueb» dient er den eigenen Nachwuchsspielern im Verein als Vorbild.

Tatsächlich durchläuft Kamberi ab der U14 alle Stufen in der FCZ Academy. Den Weg dahin findet er über seinen Stammklub Volketswil und das Team Oberland des FCZ. Mit ihm trainiert er dazumal regelmässig in Hinwil. Geführt wird es zu dieser Zeit vom heutigen Academy-Leiter Heinz Russheim aus Dürnten.

Kamberi macht wie viele Sporttalente die kaufmännische Ausbildung bei der United School of Sports. Mit 18 unterschreibt er seinen ersten Profivertrag. Bis er allerdings seine Rolle im Super-League-Team findet, dauert es seine Zeit. Der Abwehrspieler wird zweimal in die Challenge League ausgeliehen – für je eine Saison nach Wil (2019/2020) und Winterthur (2020/2021).

Als möglichen Rückschlag sieht er die temporären Wechsel aber nie. Er weiss: Als Stürmer oder Flügel kommt man eher zu seinen Einsätzen. «Doch ich bin Innenverteidiger – und muss spielen», sagte er. Beide Abstecher sollten sich für Kamberi lohnen. Er holt sich in fast 60 Einsätzen auf zweithöchster Ebene das Rüstzeug für den nächsten Schritt.

Zurück beim FC Zürich nutzt er seine Chance sogleich, als der hoch gehandelte Becir Omeragic verletzt ausfällt. Seither ist er unter jedem seiner Trainer gesetzt.

Wir sind glücklich, ihn in unseren Reihen zu haben.

Bo Henriksen, Trainer FC Zürich

Der Aktuelle, Bo Henriksen, streicht auch Kamberis charakterlichen Eigenschaften heraus. «Wir sind glücklich, ihn in unseren Reihen zu haben», sagt der Däne. Dass Kamberi trotzdem eher unter dem medialen Radar läuft, scheint ihn nicht zu stören. «Das ist okay so», sagt er unaufgeregt.

Noch Vertrag bis 2025

66 Super-League-Partien hat Kamberi bis anhin auf dem Buckel, sein Vertrag läuft bis 2025. Dass dieser vorzeitig verlängert wird, scheint bei fortlaufender Entwicklung sehr wahrscheinlich. Er könne sich nicht vorstellen, für einen anderen Verein innerhalb der Schweiz aufzulaufen», betont Kamberi. «Sag niemals nie», wendet der beim Gespräch daneben sitzende Medienverantwortliche des FCZ da prompt ein.

Und doch klingen die schon oft bei Fussballern gehörten Treueschwüre bei Kamberi, den alle «Lindi» nennen, durchaus glaubwürdig. «Für den FCZ zu spielen, das war immer mein Traum», sagt er.

Dabei vergisst der 1,83 Meter grosse Verteidiger auch nicht seine Wurzeln. Noch immer lebt er einen Steinwurf entfernt vom Griespark – und verfolgt, sofern es die Zeit erlaubt, die Spiele seiner Kollegen im FCV. Auch am Dorf- und Schülerturnier ist er jeweils zugegen.

Trotz so viel Affinität hängt aber noch kein Kamberi-Trikot des FC Zürich im Restaurant der örtlichen Sportanlage. Hellhörig wird da auch gleich wieder der Medienchef. «Da müssten wir schon eines organisieren», findet er.

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