Der ständig Umworbene
Greifensees Captain Severin Burkart
Severin Burkart sorgt beim FC Greifensee oft für die offensiven Glanzmomente – er sieht keinen Grund, die vertraute Umgebung zu verlassen.
Mehr Wettkampfglück ist fast nicht möglich. So etwa könnte das zum Ende der letzten Saison Erlebte beim FC Greifensee zusammengefasst werden.
Sportlich als Tabellendrittletzter abgestiegen, gewinnt er nach der Enttäuschung den Final des Regionalcups im Penaltyschiessen und erfährt nur wenig später vom nachträglichen Ligaerhalt dank ferner Unterstützung.
Es ist eigentlich der ideale Zeitpunkt für eine Luftveränderung. Zu diesem Entschluss könnte Captain Severin Burkart durch diese Ereignisse kommen. Doch mitnichten. Noch während der grossen Feierlichkeiten auf dem heimischen Sportplatz Grossriet sorgt er für einen Schlüsselmoment mit Signalwirkung im gesamten Umfeld.
«Ich bleibe in Greifensee», verkündet der Offensivspieler da. Simon Schaich, langjähriger Teamkollege und mittlerweile Assistenztrainer, sagt: «Ich bin sehr stolz für den Verein. Dieser Entscheid ist nicht selbstverständlich. Doch es zeigt Sevis Charakter.»
Die Dübendorfer Wurzeln
Mit 26 ist Burkart im sogenannten besten Fussballeralter. Und wie fast jedes halbe Jahr hat er wieder eine Handvoll Anfragen von ambitionierten Klubs aus der Region Zürich erhalten.
Er verhehlt dabei nicht, dass ihn das Interesse nicht nur zuweilen ins Grübeln bringt, sondern ihm auch schmeichelt. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die nahen Interregio-Vereine Uster und Dübendorf ein weiteres Mal um ihn bemühten.
Gerade im Fall des FCD ist das vergebliche Umgarnen bemerkenswert. Burkart lebt nicht nur in Dübendorf, sondern ist im auf Gebäudeautomation spezialisierten Familienbetrieb mit Sitz in der Stadt beruflich tätig.
Dazu kommt, dass er als Fussballer auch weitgehend im Glattaler Klub gross geworden ist. Als A-Junior erhält er im Frühling 2017 im damaligen Zweitliga-Team die ersten Einsatzminuten und wechselt doch nur wenig später zum kleinen Nachbarn nach Greifensee.
«Trainer Felix Bollmann hat sich damals sehr um mich bemüht», erinnert sich Burkart. Sicher kein Nachteil ist zudem, dass sein Vater Beat, ebenso ein Ur-Dübendorfer, schon einige Zeit beim FCG bei den Senioren spielt.

Severin Burkart sollte seinen Wechsel nie bereuen. Er wird in der neuen Umgebung schnell zu einer festen Grösse – und in seiner Debütsaison mit 13 Treffern teamintern zum erfolgreichsten Torschützen. «Ich habe gleich Wertschätzung gespürt und durfte viel Verantwortung übernehmen – etwa bei den Standardsituationen», sagt Burkart.
Mehr als nur Teamkollegen
Fortan ist er in Greifensee regelmässig der beste Skorer, auch wenn seine Rolle auf dem Feld nicht immer dieselbe ist. Ob als Flügel, auf der Zehner-Position oder als Sturmspitze – überall sorgt der flinke Linksfuss mit seiner Behändigkeit für Gefahr.
Ich bin kein lauter Captain. Aber wenn es nötig ist, rede ich Klartext.
Severin Burkart
Und Burkart wird beim FCG auch bald abseits des Spielfelds bei wichtigen Entscheidungen miteinbezogen. Zuerst im Mannschaftsrat, dann als Vize-Captain. Der Schritt zum Captain vor rund einem Jahr ist nur der nächste logische Schritt.
«Er ist in diese Rolle gewachsen», findet Trainer Bollmann. Burkart selbst sagt: «Ich bin kein lauter Captain. Aber wenn es nötig ist, rede ich Klartext.»
Seine Position, der Zusammenhalt und die familiäre Umgebung sind es auch, die ihn nach sechs Saisons unentwegt beim FCG halten. «Viele hier im Verein sind zu Freunden geworden», sagt Burkart.
Bleibt die Frage: Hätte er Greifensee bei einem Abstieg nicht doch verlassen? «Aus sportlichen Gründen hätte ich wechseln müssen. Trotzdem hätte ich mich wohl dagegen entschieden.
Es wäre gegenüber dem Verein nicht korrekt gewesen», antwortet Burkart nachdenklich. Er sagt aber auch: «So nahe wie in diesem Sommer war ich noch nie.»
Ich hätte einen Wechsel verstanden – gerade im Fall von Sevi.
Felix Bollmann, Trainer
Ob andere, jüngere Greifenseer Spieler im Team dieselbe Loyalität im Misserfolg gezeigt hätten, lässt sich nicht endlich klären. Selbst Trainer Bollmann sagt aber: «Ich hätte einen Wechsel verstanden – gerade im Fall von Sevi.»
Das Erlebte als Ansporn
Der Angreifer ist eine der raren Trouvaillen im Team des Zweitligisten, der zwar durchaus dann und wann für einen Akzent gut ist, aber am Ende doch für graues Zweitliga-Mittelmass steht.
Und sportlich ist es nach mehreren soliden Klassierungen zuletzt doch stetig abwärtsgegangen. Trotz den beachtlichen drei Titelgewinnen im FVRZ-Cup in den vergangenen neun Jahren.
Burkart lässt sich, auf die Greifenseer Durchschnittlichkeit im Alltag angesprochen, nicht provozieren. «Wir waren auch schon weiter vorne klassiert», kontert er.
Überhaupt betrachtet Burkart die verpatzte Meisterschaft und den Finaltriumph im Cup als Ansporn. «Gerade nach den Emotionen zum Schluss. Diese Erlebnisse können auch Positives auslösen», findet er.
Der glückliche Ligaerhalt ist für ihn aber ein deutliches Warnsignal. «Wir haben Glück gehabt. Also müssen wir wieder mehr investieren – und an den richtigen Schrauben drehen», sagt er im Wissen, selbst nicht die beste Saison bestritten zu haben.
