Sie fiebert aus der Ferne mit
Greifenseer Fussball-Nationalspielerin
Für das Frauenteam beginnt am Freitag die WM in Australien und Neuseeland. Die Greifenseer Nationalspielerin Naomi Mégroz glaubt an den Achtelfinal-Einzug.
Ist das Frauen-Nationalteam an der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland für eine Überraschung gut? «Die Achtelfinals liegen sicher drin. Und dann ist alles möglich», glaubt Naomi Mégroz.
Die Greifenseerin ist bis anhin in 14 Länderspielen (1 Tor) zum Einsatz gekommen. Für die Teilnahme an einer Endrunde mit der Schweiz reichte es ihr aber bisher nicht.
2017 war die EM in den Niederlanden wegen einer Knieverletzung ausser Reichweite geraten. Im letzten Jahr gehörte Mégroz im Vorfeld der EM in England – wie jetzt – zum engen Kreis der Kandidatinnen. Ins finale Kader schaffte sie es nicht.
«Das ist natürlich schade, schliesslich ist ein solcher Anlass der Traum von jeder Spielerin», sagt die polyvalente Aussenläuferin. Hadern will sie deshalb nicht. Im Gegenteil: Mit der Heim-EM in zwei Jahren hat sie bereits ein neues sportliches Ziel im Blickfenster.
Zunächst drückt Mégroz ihren Teamkolleginnen aber aus 20’000 km Entfernung die Daumen. So auch am Freitag ab 7 Uhr von ihrem Büro in Dübendorf aus, wenn es im ersten Gruppenspiel gegen die Philippinen ernst gilt.
Alles andere als ein Sieg gegen die Weltnummer 46 käme einer Enttäuschung gleich. Selbst wenn die Schweiz nach sechs Partien noch immer auf das erste Erfolgserlebnis mit Inka Grings als Nationaltrainerin wartet.
Naomi bringt Aggressivität und eine gute Dynamik, was wir im Nationalteam sehen wollen.
Inka Grings, Nationaltrainerin
«Es hat das eine oder andere noch nicht zusammengepasst. Doch die Fortschritte sind von Spiel zu Spiel ersichtlich», sagt Mégroz. Die bald 25-Jährige spielte unter Grings schon beim FC Zürich und wurde im April erstmals nach einem Jahr Unterbruch bei einem Zusammenzug des Nationalteams wieder berücksichtigt.
«Naomi bringt Aggressivität und eine gute Dynamik, was wir im Nationalteam sehen wollen», begründete die Deutsche die Nomination. Tatsächlich wurde die Oberländerin im torlosen Testspiel gegen China eingewechselt.

Doch Mégroz war auch bewusst, dass nicht mehr viel Zeit blieb, um auf den WM-Zug aufzuspringen. «Ich versuchte mich noch in den Playoffs aufzudrängen», sagt sie. Im Gespräch mit Grings wurde hinterher schnell klar, dass sie zumindest ganz oben auf der Pikettliste steht.
Der ständige Spagat
Hätte es Mégroz für ihre WM-Premiere gereicht, wäre auch einiges an Absprache mit ihrem Arbeitgeber nötig gewesen. «In einem solchen Fall hätte sich schon eine Lösung gefunden», sagt sie. Wie ihre fünf für die Endrunde nominierten Zürcher Klubkolleginnen lebt die frühere Juniorin des FC Schwerzenbach nicht vom Fussball.
In der Praxis heisst dies: Neben einem Arbeitspensum von 80 Prozent bestreitet Mégroz beim FCZ, mit dem sie sich bereits in der Saisonvorbereitung befindet, fünf oder sechs Einheiten in der Woche.
Und daran dürfte sich in ihrem Fall in absehbarer Zeit nichts ändern. Eben erst hat sie beim FC Zürich ihren Vertrag bis 2025 verlängert.
Noch mehr zu einer Führungsspielerin reifen will sie bis dahin – und sich damit womöglich für ein neues Auslandsengagement in England oder Deutschland aufdrängen. In der Bundesliga war Mégroz schon von 2019 bis 2021 beim SC Freiburg unter Vertrag.
Eine machbare Gruppe
Denn klar ist: In der Schweiz hat die Greifenseerin als Spielerin mit mehreren Meister- und Cup-Titeln alles erreicht.
Besonders sind für sie zumindest die Auftritte in der Champions League, wo der FCZ jedoch in der letzten Gruppenphase brutal zu spüren bekam, wie gross der Abstand zu europäischen Spitzenteams wie Arsenal, Juventus Turin und Olympique Lyon ist.
Fragen gibt es auch bezüglich der Leistungsstärke des Schweizer Nationalteams. Ziemlich glücklich qualifizierte es sich in der Barrage für die von 24 auf 32 Teams aufgestockte WM. Und dennoch sind die Chancen für ein Weiterkommen nicht zuletzt aufgrund des Losglücks gross.
Neben den WM-Debütantinnen von den Philippinen warten in der Gruppe noch Neuseeland und Norwegen. Die «Kiwis» haben in 15 Versuchen noch nie eine WM-Partie gewonnen, und Norwegen ist als Weltnummer 12 der vermeintlich einfachste Gegner aus dem ersten Topf. An der letzten EM scheiterte der Mitfavorit schon in der Gruppenphase.
«Sechs Punkte sind realistisch», sagt Mégroz. Die Schweiz würde sich dadurch zum zweiten Mal nach der WM 2015 in Kanada an einer Endrunde für eine K.-o.-Phase qualifizieren.
