Sie war viel schneller, als sie sich zugetraut hatte
RAAM-Triumph für Wetzikerin
Isabelle Pulver gewinnt das Race Across America. Die Wetzikerin ist als erst zweite Frau überhaupt schneller als alle Männer.
Diese Erfolgsmeldung kommt einiges früher als erwartet: Die aus Wetzikon stammende Ultra-Radfahrerin Isabelle Pulver hat das Race Across America (RAAM) für sich entschieden. Und sie war dabei sehr schnell.
Für die 4880 Kilometer von Oceanside in Kaliforniern quer durch die USA nach Annapolis im Bundesstaat Maryland hatte sie eine Zeit von zehn Tagen, 21 Stunden und 7 Minuten angepeilt. Im Ziel angekommen ist die 52-Jährige dann aber schon nach neun Tagen, 12 Stunden und 16 Minuten.
Was für unerwarteten Stress sorgte: Teamchef Bruno Rüegg musste den Vermieter der Unterkunft am Zielort Annapolis nämlich darüber informieren, dass die Crew einen Tag früher einzieht.
Pulver, die im Zürcher Oberland aufgewachsen ist und nun im Ittigen BE lebt, setzte sich nicht nur in der Frauenkategorie durch, sondern war auch schneller als alle Männer. Als erst zweite Frau in der 41-jährigen Geschichte des Race Across America notabene.
2021 hatte die Kanadierin Leah Goldstein dieses Kunststück geschafft – in einem aufgrund der Corona-Reiseeinschränkungen ausgedünnten Feld allerdings.
Für Pulver war es bei der dritten Teilnahme der grösste Erfolg. Schon 2015 hatte sie das Frauenrennen für sich entschieden. 2019 fuhr sie als Dritte aufs Podest.
Den Streckenrekord aus dem Jahr 1995 verpasste Pulver nun zwar um rund acht Stunden – allerdings war die Strecke damals knapp 200 Kilometer weniger lang.
«Es ist einfach unglaublich. Ich habe mich nur auf mich konzentriert und wollte Spass haben.
Wir waren wie eine grosse Familie, die zusammen durch die USA reist», wird Pulver in einer Medienmitteilung zitiert. Mit «wir» meint sie ihre von Teamchef Bruno Rüegg angeführte neunköpfige Crew.
Das Team führte die Wetzikerin durch sämtliche Herausforderungen des Nonstop-Rennens: Grosse Temperaturschwankungen, Regen, Wind und Nebel, Strassensperren und Umleitungen, eine defekte Gangschaltung, einen Verkehrsunfall mit Blechschaden und kaputten Fahrrädern – und grosse Müdigkeit.
Die Überwachung zahlte sich aus
Noch eindrücklicher wird die Leistung Pulvers, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die Wetzikerin vor einem Jahr eine Hirnblutung erlitten hatte. Mit ihrem Sport hatte diese keinen kausalen Zusammenhang.
Sie wirkte sich aber insofern aus, als Pulver seither sowohl im Training als auch im Wettkampf genau überwacht wird und die Trainingseinheiten angepasst werden. «Diese Konzentration auf das verfeinerte Training hat sich ausbezahlt», sagt sie. «Deshalb konnte ich auch so konstant fahren.»