Er ist der Motor für das besondere Extra
Ustermer Judo-Club-Präsident
Seit bereits 13 Jahren ist Robert Wakiyama Präsident des Judo-Clubs Uster. Eine Amtsmüdigkeit ist bei ihm aber mitnichten zu spüren.
Ein Judogi will er für das Foto nicht anziehen. «Ich bin kein aktiver Kämpfer mehr», begründet Robert Wakiyama. Und vor den vielen Pokalen und Auszeichnungen im Dojo mag der Präsident des Judo-Clubs Uster ebenso wenig posieren. «Das sind nicht meine.»
Eitel oder kompliziert ist er deshalb nicht. Im Gegenteil: Die Bilder sind innert Kürze im Kasten. Und als er sich für ein Foto direkt beim Eingang neben eine Fahne des Ustermer Weltmeisters Nils Stump setzt, sagt er spitzbübisch: «Das ist jetzt aber schade für Fabi.»
Gemeint ist Fabienne Kocher, der zweite Ausnahme-Judoka aus dem Verein. Ihr Konterfei auf der anderen Eingangsseite ist dadurch so nur knapp erkennbar.
Eigentlich ist Wakiyama das ganze Drumherum aber fast ein wenig unangenehm. «Es geht primär um die Menschen im Verein. Ich bin nur der Motor für das besondere Extra», hält er fest. Diesen Satz betont der 41-Jährige im Verlauf des Gesprächs immer wieder.
Robert hat immer grosse kreative Ziele vor Augen, und setzt Dinge um, wo andere gar nicht erst draufkommen.
Fabienne Kocher, Olympia-Fünfte aus Riedikon
Dass er dies unzweifelhaft ist, wird schnell klar. «Robert hat immer grosse kreative Ziele vor Augen, und setzt Dinge um, wo andere gar nicht erst draufkommen», sagt die Olympia-Fünfte Fabienne Kocher.
Und die Macherqualitäten des Präsidenten streicht auch Thomas Wehrli heraus. «Er bringt immer wieder neue Ideen ein», sagt Wakiyamas Vorstandskollege und nennt den von ihm initiierten Kids-Cup als Beispiel – in dem die Kinder interne Wettkämpfe bestreiten. «Da ist Robert in seinem Element.»
Spass mit den Kleinsten
Überhaupt gelingt es Wakiyama mit seiner Art, gerade Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger im Nu zu begeistern. Regelmässig trainiert er am Samstagvormittag die Jüngsten. Mit dabei ist dann auch seine Tochter. «Da gehts um Spass an der Bewegung.»
Die Integration der ganz Kleinen ist auch einer der Erfolgsfaktoren des Judoklubs, der über 350 Mitglieder zählt. «Mit viereinhalb oder fünf kannst du noch in keinen Fussball- oder Unihockeyklub», sagt Wakiyama mit dem Wissen, dass es schwieriger ist, einen 10-Jährigen ins Dojo zu locken.
Um dem entgegenzuwirken, lädt der JC Uster auch Schulklassen aus der Region ein, um «Di Schtärchschte Uschtermer*inne» zu küren. Wer klettert an den Sprossen am weitesten?
Die etwas Grösseren können ihr Können an den Seilen zeigen. Wer herunterfällt, droht in einen kleinen Pool zu fallen.
Gelächter ist da garantiert, vor allem, wenn es ausgerechnet die ebenso mitmachende Lehrerin erwischt. Wakiyamas Blick geht bei den verschiedenen Aktivitäten ohnehin öfters über die Grenzen des Judos hinaus. «Wir probieren einfach aus und schauen, was funktioniert», sagt er.
So auch, als Nils Stump vor einigen Wochen bei der WM in Doha den Final erreichte. Kurzerhand wird im Dojo ein Public Viewing organisiert, um den besonderen Moment gemeinsam erleben zu können. Gross und Klein findet sich innert wenigen Stunden ein. Nach dem historischen Triumph werden extra Weltmeister-Schals produziert.
«Jedes coole Projekt gibt einem Energie», sagt Wakiyama. Er ist dann auch überhaupt nicht amtsmüde, obwohl er bereits seit 2010 im Verein vorneweg geht. «Wenn andere Netflix schauen, mache ich eben Judo.»
Macher im Hintergrund
Judo machen, das heisst für ihn nicht ständig im Dojo zu sein. «Der Alltag läuft ohne mich. Bei uns gibt es eine tolle Machermentalität. Die Trainer schätzen aber, was im Hintergrund läuft», sagt Wakiyama.
Zur Aufbruchstimmung passt, dass sich der Verein seit bald einem Jahr mit dem Armenier Garik Harutyunyan sogar einen Profitrainer leistet, der täglich auf der Ustermer Tatamimatte steht.
Fünf Kaderathletinnen und -athleten zählt der Verein derzeit. Mit dem Double an den Schweizer Mannschaftsmeisterschaften gelang zudem im letzten Herbst ein beachtlicher Exploit.
Für Wakiyama ist es auch das Ergebnis des internen Konkurrenzkampfs. Wer also im Judo etwas erreichen will, kommt nicht um das Dojo in Uster herum, das gleichzeitig der offizielle Trainingsstützpunkt des Verbands in der Region Zürich ist.
Das Schöne am Judo ist auch: Du kriegst schnell viele Medaillen oder Pokale.»
Robert Wakiyama
Wakiyama selbst hatte als Sechsjähriger in seiner ostdeutschen Heimat in Halle durch seine Mutter früh zum Judo gefunden. «Ich wollte ein Art 'Sweet-Bruce-Lee' sein», sagt er mit Bezug auf den bekannten Kampfkünstler. Schon bald feiert er kleine Erfolge. «Das Schöne am Judo ist auch: Du kriegst schnell viele Medaillen oder Pokale.»
Während seiner Studienzeit zieht es den gelernten Bankkaufmann auch nach Japan – dem Mutterland des Judos. Um innert drei Monaten «Hardcore-Japanisch zu lernen», wie er bekräftigt. Er lernt in Fukuoka nicht nur eine neue Sprache, sondern ebenfalls seine spätere Frau kennen.
«Ich empfehle jedem, der eine Sprache lernen will, sich dort eine Freundin zu suchen. Das ist eine grosse Motivation», sagt Wakiyama. Mit der Heirat nimmt er auch ihren Nachnamen an.
Noch voller Pläne
Wakiyama lebt später für mehrere Jahre in Stuttgart, ehe es ihn 2007 aus beruflichen Gründen nach Zürich verschlägt. Dort trifft der Anlagespezialist in der Firma auf David Sigg – den damaligen Präsidenten des JC Uster.
«Da hat es mich gleich gepackt», sagt er. Wakiyama bestreitet wieder Wettkämpfe und engagiert sich vor allem bald im Vorstand – mit ansteckendem Enthusiasmus. Er sagt sogar: «Wenn ich mit Judo aufhöre, muss ich mir auch neue Freunde suchen.»
Doch davon ist er ohnehin weit entfernt. Viel lieber schaut er bereits nach vorne – aufs kommende Jahr, wenn der Verein sein 60-jähriges Bestehen feiert. Und den Final der Schweizer Mannschaftsmeisterschaften, der dann im Ustermer Buchholz stattfinden soll. «Das wird ein Hexenkessel», sagt er mit einem Leuchten in den Augen.
