Schlumpf glückt Comeback – mitten in der Politprominenz
Wetziker Läuferin
Nach einem mühsamen halben Jahr ohne Wettkampf verschafft sich die Schweizer Marathon-Rekordhalterin beim Frauenlauf in Bern ein gutes Gefühl.
Zwei Meter nach der Ziellinie war fertig. Fabienne Schlumpf setzte sich auf den warmen Boden des Bundesplatzes, atmete in schnellen Zügen, ein rasches Lächeln für den Fotografen – aber war da auch ein wenig Enttäuschung auszumachen?
Der 37. Schweizer Frauenlauf in Bern hat viele Geschichten geschrieben – darunter jene von Schlumpf, die das Rennen über 5 Kilometer schon dreimal gewonnen hat, sich nun aber zwei Afrikanerinnen geschlagen geben musste.
Oder diejenige der sehbehinderten Chantal Cavin, die von der ehemaligen Marathonläuferin Maja Neuenschwander über die 10-Kilometer-Strecke geführt wurde. Der Traditionsanlass aber bot bei schönstem Wetter und grosser Wärme für jene der rund 9000, die über Mittag starteten, selbst nach so vielen Austragungen noch Premieren.
Sicherheitspersonal? Ja, aber unsichtbar
Man könnte fast sagen, der Event fand in neuer Dimension statt und demonstrierte, was hierzulande in der Öffentlichkeit noch möglich ist: Mit Elisabeth Baume-Schneider und Viola Amherd starteten gleich zwei aktive Bundesrätinnen.
Die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes sowie die Chefin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport absolvierten den neu eingeführten «3 km Easy Walk» – begleitet von alt Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold. Sicherheitspersonal war dabei, erkennbar war es allerdings nicht.

Die beiden zeigten sich begeistert vom Walk durch die Altstadt, Amherd tat aber das Gerücht, dass sie die Strecke wöchentlich dreimal abschreite, als tatsächliches Gerücht ab, gab jedoch zu: «Ein wenig vorbereitet habe ich mich schon.» Baume-Schneider wiederum sagte: «Ich kann mir gut vorstellen, dass ich die Teilnahme zur Tradition werden lasse.»
Bei Schlumpf ist dies mittlerweile der Fall, und am Sonntag war es sogar eine Art Déjà-vu: Bereits im vergangenen Jahr nutzte die Wetzikerin das kurze und schnelle Rennen als Comeback nach einem halben Jahr Rekonvaleszenz und Wiederaufbau. Damals hatte sie sich von ihrer Herzmuskelentzündung erholt gehabt und visierte den EM-Marathon in München an. Jetzt kam sie zurück nach einer hartnäckigen Infektion und einer Fussverletzung. Schlumpf erreichte das Ziel in 16:36 Minuten und mit 16 Sekunden Rückstand auf die äthiopische Siegerin Ayenew Kasanesh.
Die Beine herausputzen
«Natürlich hätte ich gern gewonnen, immerhin aber war ich schneller als im vergangenen Jahr», sagte die 32-Jährige. Ein solch kurzes Rennen sei für ihre Marathon-Beine immer wieder eine Herausforderung, «aber sie wieder einmal richtig durchzuputzen, hat gutgetan».
Die Oberländerin hinderte Anfang Jahr eine Fussverletzung am Grundlagentraining, und als sie im Februar in Südafrika wieder richtig einsteigen wollte, blieb es bei diesem Wunsch.
«Nach nur einer Woche fühlte ich mich völlig erschlagen, ich bin gerannt wie ein Härdöpfelsack.» Sie reiste umgehend nach Hause, «doch auch dort erholte ich mich nicht. Ich war permanent müde.» Die Ursache stellte sich als Infektion heraus. Damit war auch ihr Plan des Wien-Marathons im April Makulatur. «Das Mühsame war, dass ich nie richtig krank war. Aber ich fühlte mich, als hätte man mir den Stecker herausgezogen.»
«Es ist nicht einfach und zermürbend, jedes Mal wieder eines auf den Deckel zu bekommen.
Fabienne Schlumpf
Aus dieser Perspektive ist es leicht verständlich, dass sich die Schweizer Rekordhalterin im Marathon nicht ärgert über einen dritten Rang, sondern sich freut über eine bessere Zeit als letztes Jahr. «Ich wusste von vornherein, dass mich das hohe Tempo fordern wird. Aber es hat sehr viel Spass gemacht, Bern ist immer toll.»
Schlumpf hat mental erneut eine schwierige Zeit hinter sich. «Es ist nicht einfach und zermürbend, jedes Mal wieder eines auf den Deckel zu bekommen», sagte sie. In der Zeit, in der sie jeweils nicht laufen könne, realisiere sie, wie sehr sie es vermisse. «Aber Laufen ist mein Beruf mit allem Drum und Dran, ich muss auch damit umgehen können.»
In einer Woche wird Schlumpf das Höhentraining in St. Moritz aufnehmen – hinsichtlich eines Marathons im Frühherbst. Fernziel sind die Olympischen Spiele in einem Jahr in Paris, «im Idealfall hätte ich die Limite in Wien schon geschafft, dem ist aber nun nicht so».
Druck verspürt sie dennoch nicht, «noch überwiegt eine mega Lust, wieder einen Marathon zu laufen». Der Frauenlauf war dafür der Auftaktsprint, längere Distanzen folgen jetzt.