Der FC Uster besteht im Hexenkessel
Interregio-Aufsteiger siegt
In einem intensiven Interregio-Duell zeigte der FC Uster den grösseren Siegeswillen als Widnau. Kurz vor Schluss wurde er dafür mit dem 2:1 belohnt.
«Am ringsten» ging es an Pfingsten für den FCU nicht. Mehr denn spielerische Leichtigkeit und Finesse dominierten in Widnau Kampf- und Laufbereitschaft sowie Willensstärke. Auch weil die Ustermer genau davon ein Quäntchen mehr hatten als der Gegner, gewannen sie dank eines Treffers von Can Bozkir in den Schlussminuten 2:1.
Es möge simpel klingen, sagte FCU-Coach Etienne Scholz, für den spät fixierte Siege besonders emotional sind. «Aber wir haben die drei Punkte einfach etwas mehr gewollt. Unsere Mentalität hat den Ausschlag gegeben.»
Aufgeladene Atmosphäre
Eine gesunde Mentalität bedeutet auch, Hindernisse überwinden und Rückschläge verkraften zu können. Und von beidem gab es in Widnau reichlich.
Neben den plötzlich angestiegenen Temperaturen erschwerte etwa auch die ungewohnte Kulisse die Aufgabe für die Ustermer. 450 teils frenetische Zuschauer sorgten für eine auf dieser Stufe selten gesehene Volksfeststimmung, Provokationen auf und neben dem Platz luden die Atmosphäre auf. «Ein wahrer Hexenkessel», sagte Scholz nicht unbeeindruckt.
Vorne kein Glück, hinten Pech
Auch der Spielverlauf machte es dem FCU nicht leicht. Dieser startete zwar entschlossen, nahm das Szepter in die Hand und erspielte sich gleich mehrere Gelegenheiten. Owen Lewis scheiterte aber ebenso aus bester Position wie Bujar Ajeti, ein weiterer Schuss landete an der Latte.
Und Uster hatte nicht nur kein Glück im Abschluss, sondern auch noch Pech in der Abwehr. Nach einer halben Stunde traf ein seitlicher Freistoss den nach einem Rencontre auf allen vieren krabbelnden Ruben Pinnelli am Rücken, von dem der Ball zum 1:0 für die St. Galler ins Tor sprang. Das war für die Gäste des Schlechten zu viel. Sie verloren vorübergehend den Faden und liessen sich auf vielerlei Diskussionen ein.
Schneller Ausgleich
Erst in der Pause schienen die Ustermer das Vorgefallene endgültig verdaut zu haben.
Und danach ging es schnell: Der eben erst eingewechselte Daryl Lupo düpierte die Widnauer Verteidigung, die offenbar nicht realisierte, dass es in einem solchen Fall kein Offside gibt, mit einem langen Einwurf. Diesen leitete Lewis zu Pechvogel Pinnelli weiter, der sein Missgeschick von zuvor wieder wettmachte und zum 1:1 einschoss.
Mehr Sprit im Tank
Nach dem Ausgleich war Uster die aktivere und – wie sich je länger, je mehr herausstellte – auch die frischere Mannschaft. «Wir hatten mehr Sprit im Tank», sagte Scholz, der sich erneut nicht scheute, auch die beiden B-Junioren Dennys Gugliotta und Aki Stauffacher noch einzuwechseln.
In der 88. Minute zahlten sich Mut und Durchhaltevermögen aus, und Bozkir traf nach einem Corner zum siegbringenden 2:1 für Uster.
Uster kann es spannend machen
Nach diesem nicht unbedingt erwarteten Erfolg beim Tabellennachbarn sind die Ustermer ihrem Ziel, einem Platz in den ersten vier, einen Schritt näher gerückt. Als Drittplatzierte schielen sie drei Runden vor Schluss gar auf den zweiten Rang, der ihnen im angestrebten Qualifikationsspiel für die 1. Hauptrunde im Cup einen Auftritt auf dem heimischen Buchholz bescheren würde. Ansonsten müsste der FCU eine Woche nach Ende der Meisterschaft in der Romandie antreten.
Nicht nur deshalb werden sich die Ustermer am kommenden Samstag ganz besonders anstrengen. Mit einem Sieg gegen Balzers können sie auch das Aufstiegsrennen wieder spannend machen. Der weiterhin in verblüffendem Masse schwächelnde Leader aus Liechtenstein, der zur Winterpause bereits ausser Reichweite schien, liegt nämlich nurmehr vier Punkte vor der SV Schaffhausen.
Widnau - Uster 1:2 (1:0). – Tore: 25. (Eigentor) Pinnelli 1:0. 46. Pinnelli 1:1. 88. Bozkir 1:2.
