Mehr als nur ein gutes Omen für die Oberländer Schwinger
Zürcher Kantonalschwingfest
Beim Zürcher Kantonalen vom Sonntag gibt es keinen klaren Favoriten. Für einige Oberländer liegt aber ein Kranzgewinn in Reichweite.
2004 war es, als letztmals das Zürcher Kantonale in der Stadt Zürich durchgeführt wurde. Und ebenso lange ist es her, seit mit dem Russiker Daniel Bachmann ein Schwinger aus der Region den Traditionsanlass für sich entschied. Der aktuelle Präsident des Zürcher Kantonal-Schwingerverbands profitierte vom gestellten Schlussgang der beiden Topfavoriten.
Der damalige Überraschungserfolg ist zumindest ein gutes Omen für die 113. Austragung, die am Sonntag auf der Zürcher Allmend durchgeführt wird. Auch wenn es vermessen wäre, auf einen ähnlichen Coup zu hoffen.
In der Favoritenrolle für einen möglichen Kranzfestsieg unter den rund 160 Schwingern aus dem Kanton Zürich, der Nordostschweiz und den Gästen vom Schwingklub Thun sind andere.
So etwa der zweifache Sieger Samir Leuppi (2014, 2019). Oder aber die formstarken Armon Orlik und Domenic Schneider, die das Zürcher Kantonale beide schon einmal gewonnen hatten.
Zu den aussichtsreichsten Kandidaten für den Hauptpreis – Muni Zeppelin – zählt ausserdem Damian Ott. Diesem gelang erst Ende April mit dem Erfolg am Thurgauer Kantonalen in Egnach ein Akzent. Im Schlussgang setzte er sich dort gegen den erwähnten 145 kg schweren Brocken Schneider durch.
«Ich erwarte einen spannenden Tag für die Zuschauer, und ein strenger Tag für die Schwinger. Es wird keinen Durchläufer geben», sagt Daniel Spörri, der Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland (SKZO).
Ein Trio geht vorneweg
Den Athleten des SKZO ist durchaus einiges zuzutrauen. Zu gleich fünf Kränzen reichte es ihnen bei der letzten Austragung in Ossingen. Dies zu bestätigen, dürfte allerdings nicht ganz einfach werden. Nur schon deshalb, weil mit Remo Ackermann der bestklassierte Oberländer vom letzten Kantonalen (Rang 5b) wegen einer Rippenverletzung nicht antreten kann.
Drei Kränze sollten drinliegen.
Daniel Spörri
Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland
«Drei Kränze sollten drinliegen», glaubt Spörri. Dafür eingerechnet sind die Routiniers Fabian Kindlimann (32) und Roman Schnurrenberger (27) sowie Gian Maria Odermatt (18). «Sie sind sichere Werte», sagt der Präsident.
Und trotzdem liegt ein vierter Kranz im Bereich des Möglichen. Da ist beispielsweise Tobias Schmidlin. Der 22-jährige Hinwiler verpasste am Thurgauer Kantonalen mit einem Wert von 56,50 Punkten den Kranz um nur einen Viertelpunkt. Tritt er am Sonntag ähnlich konstant auf, ist sein zweiter Kranzgewinn nach dem Zürcher Kantonalfest von 2019 in Fehraltorf realistisch. Spörri ortet jedenfalls beim technisch und taktisch starken Schmidlin viel Potenzial und sagt: «Nach einer Durststrecke hat er viel trainiert.»
Nachrückender Nachwuchs
Noch gar keinen Kranz in ihrem Portfolio haben Janik Wingeier und Roman Bucher. «Janik ist ein ähnlicher Schwinger-Typ wie Schmidlin – mit guter Technik und viel Kraft. Ein Kranz würde ihm nochmals einen Schub geben», glaubt Spörri.
Und dann ist da der ehrgeizige und wissbegierige Bucher mit Jahrgang 2003, den der Vereinspräsident als mental stark bezeichnet. «Seine Zeit wird kommen», ist er überzeugt.
Während der SKZO bei der letzten Austragung in Ossingen noch mit 13 Schwinger angetreten war, steigen nun am Sonntag ab 8.30 Uhr sogar 19 Oberländer ins Sägemehl. Dies, weil aus dem Nachwuchs einige nachgerückt sind und es ausser dem Hinwiler Ackermann keine Verletzten zu beklagen gibt. «Für die Jungen gilt es, in den ersten Jahren Fuss zu fassen», sagt Spörri.
Der organisierende Schwingklub Zürich war übrigens beim in einem Turnus jährlich ausgetragenen Zürcher Kantonalen eigentlich fürs Jahr 2020 vorgesehen gewesen.
Dafür ist dieser nach der damals Corona-bedingten Absage nun doppelt gefordert, weil am Samstag bereits das Nachwuchsschwingfest auf demselben Gelände stattfindet. Es ist eine Premiere. Bis anhin war der Nachwuchs im Rahmen des Zürcher Kantonalen immer um ein paar Wochen versetzt im Einsatz gestanden.
