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Tim Bernis Durchbruchsaison geht in die Verlängerung

Tim Berni gehörte in einem Verliererteam zu den Gewinnern – nun will er an der WM brillieren.

Solide und pflichtbewusst: Tim Berni (am Puck) ist bei den Columbus Blue Jackets zum Stammspieler gereift.

Foto: Keystone

Tim Bernis Durchbruchsaison geht in die Verlängerung

Maurmer NHL-Spieler vor WM-Debüt

Der Eishockey-Verteidiger Tim Berni (23) hat sich in der NHL einen Stammplatz erobert. Jetzt will der Maurmer seine Saison mit dem Nationalteam küren.

Tim Berni gilt als schnell, smart und stark am Puck. Es sind technische Qualitäten, die ihn zu einem grossen Versprechen im Schweizer Eishockey gemacht haben. Eingelöst hat er es in dieser Saison aber dank einer mentalen: der Qualität, seine Chance zu packen.

Nachdem er fast anderthalb Saisons lang im Farmteam gespielt hatte, war der 23-jährige Maurmer am 6. Dezember zum lang ersehnten Debüt mit den Columbus Blue Jackets in der NHL gekommen. Seinen Platz im Kader hat er bis zum Schluss nicht mehr hergegeben.

Natürlich darf bei der Einordung dieser Situation die aggressive Verletzungshexe, die es offenbar auf seine Abwehrkollegen abgesehen hatte, nicht unerwähnt bleiben. Ebenso der Umstand, dass es ständig Niederlagen hagelte – 48, um genau zu sein – und die Playoffs schon früh abgeschrieben waren.

Und trotzdem: Zum Ende der Saison stehen auf seinem Datenblatt: 59 Spiele, 1 Tor, 2 Assists. Nur zwei Verteidiger in seinem Team haben mehr Spiele bestritten. Tim Berni darf sich im April 2023 also ungeniert NHL-Stammspieler nennen.

«Dass ich zu so vielen Partien komme, hätte ich nicht gedacht», gibt er zu. Doch dass er sich diese verdient hatte, steht für ihn trotz der günstigen Umstände nicht zur Debatte. «Ich habe mich mit meinen Instinkten gut an das höhere Niveau angepasst und eine Konstanz entwickelt. Das haben mir die Coaches beim Austrittsgespräch nach dem Saisonende bestätigt.»

Am Anfang zu ungestüm

Als Spieler hat er dabei einen Prozess durchlaufen. Zu Beginn, so erinnert er sich, sei er zuweilen noch zu ungestüm aufgetreten. Die Erkenntnis, wie eiskalt die Gegenspieler in dieser Liga Fehler bestrafen, hat ihm die Augen geöffnet. Er sagt: «Zum Glück habe ich es schnell gelernt.»

Tatsächlich hielt er die Fehlerquote tief, seine Rolle als solider Zweiweg-Verteidiger hat er mit viel Pflichtbewusstsein ausgefüllt. Er, der einst bei den ZSC Lions auch spielerisches Flair zeigte, ist denn auch überzeugt: «Ich kann immer noch den Puck tragen und etwas kreieren. Hier aber bin ich auch dank meiner klar definierten Aufgabe in defensiver Hinsicht besser geworden.»

Schwierigkeiten bereitete ihm dagegen die Situation der Mannschaft. Ständiges Verlieren schlägt auf das Gemüt eines jeden Sportlers. Berni erzählt von einem «hohen Frustrationslevel» in der Garderobe – vor allem nach den Kanterniederlagen. «Manchmal musste ich mich daran erinnern, dass ich in der NHL spielen darf.»

Viel Konkurrenz von unten

Ob er dies auch weiter tun kann, ist indessen trotz seinem tollen persönlichen Jahr nicht gesichert. Sein Einstiegskontrakt über drei Jahre ist nach dieser Saison ausgelaufen. Gemäss dem Arbeitsrecht der Liga haben die Blue Jackets nun die exklusive Möglichkeit, ihm als erster Klub eine Offerte zu unterbreiten. Das ist bislang noch nicht geschehen.

Columbus Blue Jackets defenseman Tim Berni, left, works for the puck in front of Florida Panthers forward Givani Smith
Tim Bern (links) würde seinen Vertrag gerne verlängern.

Eine Verlängerung in Columbus steht für Berni zuoberst auf der Prioritätenliste. Doch in der Organisation, die auf diese sportlich miserable Saison auch kadertechnisch reagieren muss, ist die Konkurrenz gross. Nicht nur der Verletzten wegen, die wieder zurückkehren werden.

Allein in den letzten zwei Drafts, bei dem sich die Teams jährlich die Rechte an den grössten Talenten eines Jahrgangs sicher können, haben die Blue Jackets drei Verteidiger in der ersten Runde gezogen. Sie dürften ihre Chance bald bekommen.

Dennoch darf sich Tim Berni optimistisch zeigen. Insbesondere bei defensiv vulnerablen Teams wie den Blue Jackets ist in der Abwehr Verlässlichkeit gefragt – und die hat er fast eine Saison lang unter Beweis gestellt. Das ist seinen Chefs nicht verborgen geblieben.

Jetzt kommt die zweite Chance

Und noch ist seine persönliche Saison ja auch nicht ganz zu Ende. Am Dienstag wird der Oberländer ins WM-Vorbereitungscamp der Nationalmannschaft einrücken. «Diese Möglichkeit möchte ich mir nicht entgehen lassen», sagt er. Es wäre seine erste Teilnahme an den internationalen Titelkämpfen.

Dabei dürfte er bei seiner Premiere im lettischen Riga gleich eine wichtige Rolle erhalten. Nationaltrainer Patrick Fischer macht schliesslich kein Geheimnis daraus, welch grosse Stücke er auf seine NHL-Cracks hält.

Tim Berni waehrend eines Trainings im Rahmen der Vorbereitungen der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft auf die WM in Riga, am Mittwoch, 26. April 2023 in der Kunsteisbahn in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Vorbereitung zur WM in Riga: Tim Berni im Training mit dem Schweizer Nationalmannschaft.

Für Berni ist das eine Gelegenheit, noch einmal in einem etwas anderen, aber durchaus auch gut beachteten Schaufenster Werbung in eigener Sache zu machen. Die breitere Eisfläche und das Schweizer Spiel, das stark auf Scheibenbesitz ausgerichtet ist – das sind neue Parameter, unter denen er sich beweisen kann.

Dabei werden ihm nicht nur Herr und Frau Schweizer am TV, sondern auch zahlreiche Scouts von NHL-Teams zuschauen. Insofern ist es die zweite Chance, die sich Tim Berni in dieser Saison eröffnet: Sollte ihn Columbus verschmähen, gibt es sicherlich noch die eine oder andere Organisation, die einen verlässlichen Verteidiger gut gebrauchen könnte.

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