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Ein Nischensport für die ganze Familie

Bei der Familie Haberthür aus Wetzikon dreht sich alles ums Landhockey – auch wegen der Komplexität des Sports.

Sie engagieren sich mit Leib und Seele fürs Landhockey (von links): Tochter Filippa, Vater Toni und Sohn Oliver Haberthür.

Foto: Seraina Boner

Ein Nischensport für die ganze Familie

Vom Vater bis zur jüngsten Tochter

Bei der Familie Haberthür aus Wetzikon dreht sich alles ums Landhockey – auch wegen der Komplexität des Sports.

Den 4:0-Sieg über die Black Boys aus Genf vom Wochenende will er nicht überbewerten. «Der war Pflicht, um weiter vorne mitzuspielen», sagt Oliver Haberthür. Der 21-Jährige aus Wetzikon stürmt für die NLA-Männer von GC Landhockey. Sein Team ist durch den Erfolg auf Final-Four-Kurs. Das entscheidende Turnier geht im Juni auf der Buchlern über die Bühne. «Dass es in Zürich stattfindet, ist eine zusätzliche Motivation», sagt der Oberländer.

Er hat gute Erinnerungen an die letzte Austragung, als sich GC erst im Final gegen Favorit Rotweiss Wettingen knapp geschlagen geben musste.

Der Lohn dafür war die Teilnahme an der EuroHockey Club Trophy in Wien, wo sich die Zürcher unlängst gegen europäische Top-Teams aus Wales, Schottland und der Ukraine messen konnten. «Das war eine eindrückliche Erfahrung», sagt Haberthür.

Bereits im Alter von 8 ist er dem GC beigetreten – und dem hier wenig bekannten Sport stets treu geblieben. Haberthür spielte in seiner Jugend eine Zeit lang parallel Fussball im FC Wetzikon sowie Tennis.

«Nirgendwo ist die Wertschätzung grösser – auch vom und für den Gegner», sagt er. Auch der längere Weg zu Trainings und Spielen in die Stadt Zürich störte ihn nie.

Der Vater als Wegbereiter

Den Zugang zum Landhockey hat Oliver – genauso wie seine jüngeren Schwestern Elin und Filippa – durch Vater Toni Haberthür gefunden. Dieser wurde in seiner Karriere mehrfach Meister und Cup-Sieger und hatte über viele Jahre als Captain und Torjäger eine Schlüsselrolle im Nationalteam inne. Während seiner Studienzeit schloss er sich Vereinen in Stockholm und Paris an.

Egal, auf welchem Flecken der Welt: Jeder hat Freude, wenn jemand Neues zum Landhockey kommt.

Toni Haberthür

«Egal, auf welchem Flecken der Welt: Jeder hat Freude, wenn jemand Neues zum Landhockey kommt», sagt der 55-Jährige. Auch bei GC sind die Teams international bunt durchmischt. «Bei uns finden sich viele Expats, die den Sport von daheim kennen», so Haberthür.

Er selbst wuchs die ersten Jahre in Hamburg auf. Die Hansestadt gilt als eigentliche Hockeyhochburg mit zahlreichen Klubs in den beiden höchsten Ligen, weshalb es für ihn naheliegend war, den Sport in seiner frühen Jugend auszuprobieren.

Nach dem Umzug in die Region Zürich schloss sich Haberthür schon bald GC an, dem er bis heute eng verbunden ist. Noch immer engagiert er sich im Vorstand und als Nachwuchstrainer.

Dort coacht Haberthür sogar seine 14-jährige Tochter Filippa, die ausserdem zum Kader der nationalen U16 zählt. «Gerade das Mädchenhockey liegt mir sehr am Herzen. Dafür müssen wir mehr tun», bekräftigt er.

Nur drei Vereine im Kanton

Im Gegensatz zum verwandten Unihockey fristet Landhockey hierzulande ein Nischendasein. Schweizweit gibt es nur rund 1700 Lizenzierte. Im Kanton Zürich bestehen neben GC noch Red Sox Zürich und Zürichsee Hockey.

Letztgenannter Klub legt seinen Fokus auf den Nachwuchs. «Unihockey ist halt zugänglicher», sagt Haberthür. Das beginnt beim Landhockey mit den schweren Schlägern aus Holz oder Kunststoff, dem harten Ball und der sonstigen Ausrüstung als limitierende Faktoren.

Die Feldspieler tragen Schienbeinschoner, Zahnschutz und einen Handschuh. Und komplexer ist auch das Regelwerk. So darf beispielsweise der Ball nur mit der vorderen flachen Seite des Schlägers gespielt werden. «Der Sport ist dadurch technisch anspruchsvoll – gerade diese Komplexität macht ihn aus», findet Haberthür.

Gefährlich oder gesundheitsgefährdend ist Landhockey aber nicht – nur weil durch die Ausrüstung dieser Eindruck entstehen könnte. Ohnehin ist gegenseitiger Körpereinsatz gar nicht erlaubt.

Toni Haberthür läuft jedenfalls noch immer selbst regelmässig für die sogenannten Flying Hoppers auf, mit denen er zwei- oder dreimal im Jahr internationale Turniere bestreitet. «Bei uns spielt sogar noch ein 80-Jähriger mit», sagt er.

Bleibende Auslandsreisen

Gerade die Reisen ins Ausland sind es, die bleibend sind. Toni Haberthür erinnert sich so an eine Weltmeisterschaft in Malaysia, bei der er vor 30’000 Zuschauern spielte.

Wer Gas gibt, kann schnell auf einem hohen Niveau spielen.

Oliver Haberthür

Und auch für Sohn Oliver, der ebenso schon das Schweizer Nationaltrikot trug, sind die internationalen Wettkämpfe ein Antrieb. «Wer Gas gibt, kann schnell auf einem hohen Niveau spielen», ist für ihn klar.

Und bleiben Oliver und Filippa Haberthür dem Landhockey treu, gibt es sogar vielversprechende Perspektiven. Der Verband strebt nämlich nach jahrzehntelanger Abstinenz eines Schweizer Teams die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles an.

Durch die Beschaffung finanzieller Mittel sollen auf allen Ebenen die Ausbildungsqualität und die Infrastruktur verbessert werden.

«Dass eine Olympia-Teilnahme dadurch möglich ist, haben schon andere Länder vorgemacht», sagt Toni Haberthür.

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