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«Dann entdeckte ich Squash, und alles war auf einmal anders»

Der 17-jährige David Bernet holt an der Junioren-EM Bronze. Seinen Sport liebt er wegen dessen brutalen Anforderungen.

Der Ustermer David Bernet hatte sich mehr als EM-Bronze erhofft.

Foto: zvg

«Dann entdeckte ich Squash, und alles war auf einmal anders»

Ustermer Squasher

Der 17-jährige David Bernet vom Squashclub Uster holt an der Junioren-EM in Langnau am Albis die Bronzemedaille. Seinen Sport liebt er gerade wegen dessen brutalen Anforderungen.

Alex Kühn

Was überwiegt nach der Junioren-EM: die Freude über Bronze oder die Enttäuschung über den verlorenen Halbfinal?

David Bernet: Ganz klar die Enttäuschung, das muss auch so sein. Allmählich kann ich mich aber auch über das Erreichte freuen, ganz so schlecht ist Platz 3 ja nicht. Und ich kann nächstes Jahr noch einmal um den EM-Titel spielen.

Was lief schief im Halbfinal?

Im ersten Satz lag ich lange vorn, agierte dann aber leider zu passiv. Zwischen zu viel und zu wenig Risiko ist im Squash ein schmaler Grat. Im zweiten Durchgang stand es 9:9, ehe ich wieder den gleichen Fehler machte. Im dritten liess mich mein Gegner überhaupt nicht ins Spiel kommen.

Wie wichtig sind gute Resultate bei den Junioren für Sie überhaupt noch?

Sie sind ein «nice to have» und zusätzliche Motivation. Mein Fokus liegt aber darauf, Fortschritte zu erzielen und mich optimal auf die Zeit als Profi vorzubereiten.

Die Saison 2022/2023 war eine sehr erfolgreiche für Sie.

Absolut. Ich habe erst den Sprung in die Top Ten und dann in die Top Five der Schweizer Rangliste geschafft. Am Playoff-Final kam dann noch ein Sieg gegen die Nummer 36 der Welt hinzu.

Squash gilt als extrem harter Sport und ist im Vergleich zu Tennis oder Fussball wenig lukrativ. Hat Sie das nie abgeschreckt?

Im Gegenteil. Die brutalen physischen, technischen, koordinativen und mentalen Anforderungen sind genau das, was mir an diesem Sport so gefällt. Bis ich neun Jahre alt war, träumte ich davon, Fussballprofi zu werden. Dann entdeckte ich Squash, und alles war auf einmal anders. Ein Squashmatch ist wie Schach auf Beinen, das fasziniert mich.

Wie viel Kraft steckt in Ihren Beinen?

Sagen wir es so: Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden, aber noch lange nicht am Ende. Kürzlich konnte ich das Gewicht bei den Squats, der wichtigsten Übung für Squashspieler, auf 140 Kilo steigern. Die Besten bei den Profis bringen es auf über 220 Kilo.

Und wie hoch geht Ihr Puls in Extremsituationen?

Ich trage in der Regel keine Pulsuhr auf dem Court, habe aber schon einmal einen Puls von etwas mehr als 200 Schlägen pro Minute gemessen.

Ein Leben als Squashprofi bedeutet ein Leben auf Reisen. Ist diese Aussicht für Sie eher reizvoll oder abschreckend?

Auf jeden Fall reizvoll. Wer kann schon seinen Beruf damit verbinden, neue Länder zu entdecken? Und wenn man an ein Turnier reist, lernt man vor Ort automatisch Leute kennen, hat so also einen ganz anderen Zugang zu Ländern wie Ägypten als gewöhnliche Touristen.

Warum ist Squash eigentlich noch immer nicht im olympischen Programm?

Wenn ich das wüsste! Natürlich bin ich als Squashspieler voreingenommen, aber ich sehe wenige Sportarten, die so universelle Anforderungen stellen und es mehr verdienen würden, bei den Spielen dabei zu sein. Und Squash könnte Olympia auch eine Menge zurückgeben. Man kann die gläsernen Courts praktisch überall hinstellen. In Ägypten wird vor den Pyramiden gespielt, in New York in der Halle der Grand Central Station. Es ist mein Traum, so etwas einmal im Rahmen von Olympischen Spielen zu erleben.

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